Full transcript
0:00Es geht nicht darum, dass wir alles
0:03allein meistern.
0:05Das wäre nur die Kehrseite von
0:07Abhängigkeit. Das wäre nur eine
0:09verstrickte Reaktion darauf und damit
0:12das gleiche in grün. Sowohl ich kann
0:16alles alleine als auch ich brauche
0:20jemanden, der mir hilft mich zu
0:21orientieren oder mich besser zu fühlen,
0:24haben den gleichen inneren
0:27biographischen Verwundungsstamm.
0:30Wer sich nur durch andere zentrieren
0:32kann, bleibt im Kern einsam.
0:36Und wer meint, alles alleine machen zu
0:39wollen oder zu müssen, bleibt im Kern
0:42ebenfalls einsam.
0:44In beiden Fällen geht es um eine starke
0:47Unverbundenheit in der Tiefe mit einer
0:50jeweils unterschiedlichen
0:52Reaktionsweise,
0:54reaktive Verschmelzung und reaktive
0:57Autonomie.
1:03[musik]
1:03Hallo, ich begrüße dich sehr herzlich
1:06und heiße dich willkommen. Willkommen zu
1:09meinem Podcast [musik]
1:10Psychologie trifft Spiritualität,
1:14ein Podcast [musik]
1:15für eine neue Begegnung mit dir selbst.
1:18Mein Name ist
1:21und ich freue mich sehr, dass du hier
1:24wieder mit mir bist.
1:26Wir leben in einer Zeit, in der in
1:29vielen psychologischen und vor allem
1:32auch traumatherapeutischen Ausrichtungen
1:35stark betont wird, dass wir Menschen
1:38durch unser biologisches evolutionäres
1:40Erbe primär soziale Wesen sind, dass wir
1:45aufeinander angewiesen sind, dass wir
1:48einander brauchen und obwohl dies auf
1:52einer Ebene absolut wahr ist und auch
1:55wertvoll voll ist, ist es dies auf einer
1:58anderen Ebene nicht, denn es ist nur die
2:03halbe Wahrheit.
2:05Wenn wir uns zu stark durch ein
2:07biologisches Wahrnehmungsglas
2:09betrachten, riskieren wir unser
2:12Menschsein zu verkleinern.
2:14Wir laufen dann Gefahr, etwas
2:17Wesentliches in uns unberührt zu lassen,
2:20weil wir eine wichtige Dimension dabei
2:23übersehen.
2:24Warum die Fokussierung auf das Wir
2:27manchmal sogar zur versteckten Sackgasse
2:30für unseren Heilungsweg führen kann und
2:33worauf wir unser Augenmerk dabei gezielt
2:36richten können, darum geht es in dieser
2:39Folge. Ich wünsche dir eine stimmige und
2:43dich gut unterstützende Zeit [musik]
2:46beim Hören.
2:53Um zu verdeutlichen, weshalb die Aussage
2:57wir Menschen sind soziale Wesen nur die
3:00halbe Wahrheit ist, möchte ich gern ein
3:03Beispiel mit dir teilen. Dieses Beispiel
3:06entspringt einer realen Begebenheit, die
3:09stellvertretend für eine Dynamik steht,
3:11die bei vielen Menschen aktiv ist. Stell
3:15dir eine Frau vor, nennen wir sie Nina,
3:18die unter starken Zukunftsängsten
3:20leidet. Wenn sie die Nachrichten
3:23verfolgt oder die aktuellen globalen
3:25Entwicklungen betrachtet, dann entsteht
3:28in ihr tiefe Verunsicherung, eine starke
3:31Angst.
3:33Die Zukunft erscheint ihr nicht als ein
3:36Raum von Möglichkeiten, die eintreten
3:39können, sondern als eine gefühlt reale
3:43Bedrohung.
3:44Nina hat herausgefunden, was sie tun
3:47kann, wenn sich diese Angst mal wieder
3:50stark in ihr meldet.
3:52Sie trifft sich mit Freundinnen und
3:55teilt ihre Ängste mit ihnen. Sie hat das
3:58Glück, einen guten Freundeskreis zu
4:01haben und erlebt in diesem Wirraum etwas
4:05sehr kostbares.
4:07Durch ihre Freundinnen erfährt sie einen
4:10Beistand, den sie biographisch nie
4:13hatte.
4:15Darüber hinaus helfen ihr die
4:17unterschiedlichen Blickwinkel ihrer
4:19Freundinnen auch immer wieder selbst
4:23einen neuen Blickwinkel einnehmen zu
4:25können.
4:27Nach diesem Treffen fühlt sich Nina
4:29beruhigter, zentrierter und die Welt
4:33wirkt für sie weit weniger bedrohlich.
4:37Im ersten Moment könnte man sagen, das
4:40ist ein Erfolg.
4:42Es zeigt die wunderbare Kraft der
4:44Gemeinschaft.
4:46Das ist wahr
4:48sehr wertvoll.
4:51Würde es hier für Nina immer wieder
4:53enden, könnte sich daraus jedoch ein
4:55Problem ergeben. Denn betrachten wir das
4:58Ganze mit einem feineren
5:00Wahrnehmungsglas,
5:02dann stellt sich eine tiefergehende
5:04Frage, nämlich
5:06warum ist es Nina wiederholt nicht
5:10möglich, den Perspektivenwechsel,
5:13den ihr ihre Freundinnen geben,
5:15selbständig zu vollziehen?
5:18Was geschieht in ihrem Inneren, dass ihr
5:21keine Flexibilität mehr möglich ist?
5:26Was genau ist das für eine Angst in ihr
5:29und was für innere Ichseiten, was für
5:32innere Dynamiken sind daran gekoppelt?
5:35Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich
5:38sage keinesfalls, dass Nina etwas
5:41alleine schaffen sollte. Es ist absolut
5:45wertvoll nach Unterstützung zu fragen,
5:47wenn Nina spürt, daß sie etwas
5:50überfordert.
5:51Und es ist nährend und verbindend in
5:55diesem gemeinsamen Virraum, Nähe und ein
6:00Empfinden von "Du bist nicht allein" zu
6:03erleben.
6:05Das ist ein großes Geschenk.
6:08Der Satz, wir sind soziale Wesen, wir
6:12sind keine Insel ist in dieser Situation
6:16an dieser Stelle sehr richtig und
6:19wichtig.
6:21Was aber ebenfalls sehr wichtig ist,
6:24ist, nachdem wir uns wieder zentrierter
6:26fühlen, aus unserem nun wieder gestärkt
6:30sein heraus unsere inneren Dynamiken zu
6:33erkunden.
6:35Denn es gibt einen entscheidenden
6:36Unterschied, ob wir, wenn es uns nicht
6:40gut geht, Gemeinschaft als Ressource
6:43nutzen und als Möglichkeit mit anderen
6:46Menschen heilsame Erfahrungen zu machen
6:49oder ob wir das gemeinsame Sein mit
6:52anderen, ob wir diesen Wirraum immer
6:56wieder als Ersatz nutzen für eine
6:59fehlende innere Beziehung zu uns selbst.
7:03Hier erliegen viele Menschen einem oft
7:06übersehenen Fallstrick.
7:09Wenn wir die Gemeinschaft für bestimmte
7:11innere Problematiken als Endstation, als
7:16Endzimmer betrachten und eben nicht als
7:19Durchgangszimmer,
7:21dann wiederholt sich stetig eine
7:23Dynamik, die uns emotional in einer
7:27kindlichen Abhängigkeit hält.
7:30Und da ich weiß, wie schnell hier
7:33Missverständnisse entstehen können, lass
7:36mich bitte noch einmal betonen.
7:39Es geht nicht darum, dass wir alles
7:41allein meistern.
7:44Das wäre nur die Kehrseite von
7:46Abhängigkeit. Das wäre nur eine
7:48verstrickte Reaktion darauf und damit
7:51das gleiche in grün.
7:53Sowohl ich kann alles alleine als auch
7:58ich brauche jemanden, der mir hilft,
8:00mich zu orientieren oder mich besser zu
8:02fühlen, haben den gleichen inneren
8:05biographischen Verwundungsstamm.
8:08Wer sich nur durch andere zentrieren
8:11kann, bleibt im Kern einsam.
8:15Und wer meint, alles alleine machen zu
8:18wollen oder zu müssen, bleibt im Kern
8:21ebenfalls einsam.
8:23In beiden Fällen geht es um eine starke
8:26Unverbundenheit in der Tiefe mit einer
8:29jeweils unterschiedlichen
8:31Reaktionsweise,
8:33reaktive Verschmelzung und reaktive
8:36Autonomie.
8:39Ein anderes Beispiel,
8:41nehmen wir einen Mann, nennen wir ihn
8:44Timo, der ein großes Problem mit
8:46Eifersucht hat.
8:49Diese hatte ihn vor einigen Monaten fast
8:51seine Beziehung gekostet.
8:53Durch einen Freund hat er von einer
8:55bestimmten Kommunikationsform erfahren,
8:59die er jetzt einmal in der Woche mit
9:01seiner Partnerin durchführt.
9:04Sie verabreden sich jeden Mittwochabend
9:06speziell dafür und kreieren einen
9:10authentischen Raum, indem sie sich mit
9:13Hilfe dieser Kommunikationsform
9:15tiefer gegenseitig begegnen können.
9:19tut ihnen und ihre Beziehung unglaublich
9:23gut.
9:25Timo lernt dort etwas, was ihm in seiner
9:28Kindheit gefehlt hat, nämlich sich
9:32authentisch mitzuteilen,
9:34seine innere Wahrheit auszusprechen.
9:38Das schafft eine neue Art der Nähe und
9:42des Vertrauens.
9:43Und auch hier könnten wir in Würdigung
9:46dessen, wie wertvoll diese Erfahrung mit
9:49seiner Partnerin ist, respektvoll eine
9:52weiterführende Frage stellen, nämlich
9:56verändern die tiefen Erlebnisse der
9:59Nähe, die Timo mit seiner Partnerin in
10:02diesem Vierraum erfährt, gleichzeitig
10:06auch die Beziehung, die Timo zu sich
10:09selbst hat.
10:11Meine Erfahrung ist auf einer Ebene auf
10:14jeden Fall und auf einer anderen Ebene
10:18in der Regel nicht.
10:21Wir neigen heutzutage dazu, Heilung
10:24unter der Überschrift korrigierende
10:27Erfahrung zu betrachten, als würde uns
10:30durch biographische Verletzungen etwas
10:32bestimmtes in unserem Inneren fehlen,
10:35dass wir jetzt in der Gegenwart neu
10:38hinzufügen könnten. Wir denken
10:41vielleicht, früher durfte ich meine
10:43Angst nie zeigen und jetzt, um beim
10:46Beispiel von Timo zu bleiben, kann ich
10:48es mit meiner Partnerin
10:51damit, so glauben wir, müsste die innere
10:54blutende Wunde doch geschlossen sein.
10:58Wenn wir uns unser Inneres wie ein Gefäß
11:01vorstellen, glauben viele Menschen, wir
11:04könnten den biographischen Mangel an in
11:07Anführungszeichen Liebeswasser
11:10durch korrigierende Erfahrungen in der
11:13Gegenwart einfach auffüllen.
11:16Und auch hier gilt auf einer Ebene
11:19stimmt das. Wir können Ängste, die wir
11:22bisher noch nie nach außen gezeigt
11:24haben, lernen, in der Gegenwart befreien
11:28zu zeigen. Wir können weinen und das
11:31Kontrollkorsett des ich darf nicht sein
11:35durch neue Erfahrungen mit anderen
11:38heilsam öffnen.
11:40Das ist außer Frage sehr wertvoll.
11:44Hier könnte man also erneut die Aussage
11:47treffen: "Wir sind keine Insel, wir
11:51brauchen einander."
11:53Und erneut wage ich aus meiner
11:56langjährigen Erfahrung in der Begleitung
11:58von Menschen zu sagen, damit stehen wir
12:02nur auf einem Bein. Denn auch hier zeigt
12:05sich, wenn wir tiefer blicken, dass dies
12:09nur die halbe Wahrheit ist.
12:12Wir sind durch verletzende
12:13Kindheitserfahrungen
12:15in einer tiefen emotionalen
12:17Unverbundenheit mit uns selbst gelandet.
12:20Unsere Eltern waren ja die Repräsentanz
12:23für alles. Sie repräsentierten das
12:26Menschsein und auch das Leben an sich.
12:31Sie standen für die Beziehung eines
12:33Menschen zu sich selbst, für die
12:35Beziehung zu anderen und auch für die
12:38Beziehung zum Hören.
12:41Letztlich standen sie für die Beziehung
12:43zur Liebe und zwar in allen Facetten und
12:47auf allen Ebenen.
12:50Wenn wir hier Verletzungen erlitten
12:52haben, atmet in uns, bewusst oder
12:55unbewusst in der Tiefe eine unversorgte
12:59Wunde der Unverbundenheit.
13:02Wir sind dann bildlich gesprochen wie
13:04ein Baum, der seine Wurzeln nicht
13:07ausreichend mit der Erde verbinden
13:09konnte und daraufhin an einer
13:12entscheidenden Stelle haltlos ist.
13:16Manche Menschen spüren diese
13:19Unverbundenheit auf die eine oder andere
13:21Weise die ganze Zeit, auch im Wirraum
13:25mit Menschen. Und andere spüren sie
13:29erst, wenn ihnen der Vierraum mit einem
13:33oder mehreren Menschen aus welchen
13:35Gründen auch immer durch bestimmte
13:37Lebensumstände nicht mehr zur Verfügung
13:40steht.
13:42Der Grund ist, die korrigierende
13:44Erfahrung in der Gegenwart befähigt uns
13:47noch nicht zu einer tieferen Begegnung
13:51mit uns selbst.
13:53Sie kann diesen sehr emotionalen intimen
13:57Wirraum mit uns selbst nicht erreichen.
14:02Dieser besondere innere Raum, der
14:05jenseits andere Menschen liegt und
14:08jenseits dem, was in der Welt um uns
14:11herum gerade los ist.
14:14Es macht einen großen Unterschied, ob
14:17ich mir mit Hilfe eines anderen
14:19Menschen, der mir eine Brücke zu mir
14:21selbst baut, näher kommen kann oder ob
14:26ich selbst zu meiner eigenen
14:28Brückenbauerin werden kann.
14:32Können wir dies nicht, dann fehlt ein
14:35sehr elementarer Baustein.
14:38Wir können uns in dem Fall nicht oder
14:41nicht ausreichend, um beim Beispiel mit
14:43dem Baum zu bleiben, mit der Erde
14:46verbinden und von ihr versorgt werden.
14:50Ohne diesen Wirraum mit uns selbst
14:53bleiben wir im Hinblick auf einen
14:55tieferen Lebensstrom unverbunden.
15:00Sich regulieren zu können oder
15:02koreguliert zu werden, kann elementar
15:06und wertvoll sein und es hat noch nichts
15:10mit einer selbständigen
15:12Begegnungskompetenz zu tun.
15:15Es braucht neben dem Erleben von mit
15:18unter sehr heilsamen Erfahrungen mit
15:20anderen das Weitergehen in einen darüber
15:24hinausgehenden inneren Bereich.
15:28Es gibt eine Frage, die uns dabei helfen
15:31kann, mehrbekommen zu können, wo wir uns
15:34in unserem Inneren gerade befinden.
15:38Timo kann heute seiner Partnerin alles
15:41sagen, aber könnte er es beispielsweise
15:45auch seinem Vater gegenüber oder wer
15:47auch immer ihn biographisch verwundet
15:49hat, frei und ruhig sagen?
15:53könnte er es gegenüber seiner Mutter
15:56frei und ruhig sagen.
16:00Wie ist es bei dir? Wie frei kannst du
16:04deine emotionale Wahrheit gegenüber
16:07deinen inneren oder äußeren
16:09biographischen Verletzerinnen sagen? Ich
16:12spreche nicht davon, dass wir es
16:14vielleicht einmal getan haben, sondern
16:18ob wir tatsächlich frei sind, es
16:21jederzeit wieder frei tun zu können.
16:26Eben nicht als Tod-Do oder als Reaktion
16:30auf ein getrickert sein, sondern
16:33wirklich frei.
16:35Wenn wir das können, dann spielt es
16:38keine Rolle mehr, ob wir es tun.
16:43So oft haben unsere Bezugspersonen, weil
16:46wir ein Abbild von ihnen verinnerlicht
16:48haben, wir sind ja die Kinder unserer
16:50Eltern, wie sollte es auch anders sein,
16:53so oft haben unsere Bezugspersonen ganz
16:56gleich, ob sie noch leben oder schon
16:58verstorben sind, noch immer einen großen
17:02emotionalen Einfluss auf uns, noch immer
17:05eine innere emotionale Macht über uns.
17:09Solange Timo sich nur im Außen, im
17:13sicheren Hafen seiner Beziehung
17:15authentisch ausdrücken kann, bleibt es
17:18auf einer Ebene unvollständig.
17:22Durch die Verletzungen, die er in seiner
17:23Kindheit erlitten hat, haben sich in ihm
17:27verschiedene Ichseiten entwickelt. Z.B.
17:31Ichseiten voller Scham, voller Wut,
17:35voller Angst, voller Traurigkeit oder
17:38sogar voller Ekel.
17:41Manche dieser Ichseiten können durch
17:43Erfahrungen in der Gegenwart Heilung
17:45erfahren. Für andere ist dem nicht so.
17:51Sie behalten eine Rechnung mit ihren
17:53Bezugspersonen offen oder auch
17:56grundsätzlich mit dem Leben.
17:59Diese Ichseiten in uns brauchen mehr als
18:02ein verständnisvolles Gegenüber oder ein
18:06authentisches Ausdrücken innerer
18:08Wahrheiten im Hier und Jetzt.
18:11Für ihr Ankommen im Leben benötigen Sie
18:15neben anderen Menschen auch eine tiefe
18:19Beziehungsebene
18:20mit und zu uns selbst.
18:23Denn niemand ist und kann so nah an uns
18:29dran sein wie wir selbst.
18:32Niemand anderes außer wir selbst können
18:36diesen verletzten Ichseiten in uns eine
18:39Sicherheit geben.
18:41Der Grund dafür ist ganz schlicht. Du
18:45bist die einzige Person, die niemals
18:48gehen kann.
18:50Alle anderen Menschen können uns
18:53verlassen durch Lebensumstände, durch
18:56Krankheit oder durch Tod.
18:59Es kann auf dieser Ebene mit anderen
19:02Menschen nie die tiefste Sicherheit in
19:05uns atmen.
19:07Diese tief verletzten Seiten in uns
19:10können die für sie erforderliche
19:12Sicherheit letztlich nur in uns selbst
19:15finden,
19:16nur in einem von uns selbstständig
19:20geöffneten Wirraum mit uns selbst.
19:25Auf dem Weg dorthin brauchen wir auch
19:28andere Menschen. Manche Verletzungen
19:32benötigen unbedingt ein Gegenüber, um
19:35uns ihnen überhaupt annäheren zu können.
19:39Es ist nur wichtig, dass wir uns darüber
19:41bewusst sind, dass dies im größeren
19:45Bogen in Anführungszeichen
19:48nur ein Durchgangszimmer ist. Ein sehr
19:52wertvolles und wichtiges
19:54Durchgangszimmer,
19:55aber eben nicht das Endzimmer.
20:00Viel mehr ist es eine Einladung in einen
20:03ganz anderen, viel tieferen Seinsraum
20:07mit uns selbst.
20:09Wir brauchen den anderen dann nicht mehr
20:12aus einem versteckten oder
20:14offensichtlichen, kindlich abhängigen,
20:17verwundeten Sein heraus nach dem Motto:
20:20"Ohne dich bin ich verloren, bitte gib
20:23mir Orientierung."
20:25Sondern wir erleben dann mit anderen
20:28gemeinsam Liebe in einer erwachseneren
20:31Form.
20:33Diese eröffnet uns so viel mehr an
20:36Möglichkeiten.
20:39Wenn wir dies noch nicht können, dann
20:42macht das gar nichts. Du brauchst nicht
20:45anders zu sein, als du gerade bist.
20:48Das Entscheidende ist immer der größere
20:51Bogen und dieser bedeutet, dass ich
20:55selbstständig schwimmen lerne, um die
20:57Vielpracht meines Seins zu leben. Ich
21:01kann dann selbständig schwimmen, wo ich
21:03es möchte oder wo es notwendig ist. Ich
21:06kann mich treiben lassen mit anderen.
21:10Ich kann mich an einer Boe, an anderen
21:12festhalten.
21:14Ich kann mir mit anderen ein Boot holen
21:17und so weiter. Alles aus der Sicherheit
21:20heraus, dass ich auch selbständig
21:23schwimmen kann. Ich muss es nicht, aber
21:26ich könnte.
21:28Das eröffnet auch einen völlig anderen
21:31Wirraum, auch mit anderen, da er den
21:35Wirraum mit uns selbst mit einschließt.
21:40Erst das Wechselspiel zwischen "Ich bin
21:43als Mensch eine Insel und ich bin
21:47gleichzeitig keine Insel und umgekehrt
21:50macht das Ganze erst vollständig:
21:53Ich bin keine Insel. Ich lebe mich mit
21:56anderen Menschen. Ich teile Leid. Ich
21:59teile Freude. Ich teile Nähe. Ich mute
22:02mich anderen zu. Ich erlebe
22:05Verschmelzung im Namen der Liebe und ich
22:07erlebe Autonomie im Namen der Liebe, je
22:11nachdem, was gerade dran ist, innerhalb
22:14eines Vierraumes.
22:16Und ich bin eine Insel. Ich brauche
22:20emotional intime Zeit mit mir selbst,
22:24nicht nur äußerlich, sondern auch
22:26innerlich, um mich selbst kennenlernen
22:29zu können,
22:30Schritt für Schritt. Denn nur ich selbst
22:34kann diese tragfähigste Beziehung in
22:37meinem Leben, nämlich die Beziehung zu
22:40mir selbst pflegen und vertiefend
22:43erweitern.
22:44Wie eine reale Beziehung im Außen pflege
22:48ich meine Beziehung nach innen.
22:52Darüber hinaus ist diese tiefe Beziehung
22:55mit mir selbst also nicht das Zimmer der
22:58Selbstregulation,
23:00sondern das Universum der
23:02Selbstbegegnung,
23:03auch das Tor zu einer viele Ebenen
23:08unseres Menschseins umfassenden gesunden
23:11Spiritualität.
23:13Diese schließt alles in mir mit ein.
23:16Jede Angst, jede Traurigkeit, jede
23:20Freude und so weiter, wirklich alles.
23:25Hier ist ein Verbindungspunkt,
23:28wo die Psychologie, die Spiritualität
23:31trifft.
23:32Was dies bedeutet, darüber möchte ich in
23:35eine der nächsten Folgen sprechen.
23:39Zum Abschluss möchte ich dir gerne noch
23:41eine Frage stellen.
23:43In der Regel pflegen wir die Beziehung
23:46zu anderen Menschen. Dafür verabreden
23:49wir uns mit ihnen und schenken einander
23:52für diesen Kontakt gemeinsame Zeit.
23:56Wie oft aber verabreden wir uns
23:59eigentlich mit uns selbst, um uns
24:01innerlich näher zu kommen, um uns
24:04kennenzulernen?
24:07Bei den meisten Menschen ist das
24:09Verhältnis nicht besonders ausgeglichen.
24:12Wie ist es bei dir?
24:15Wie oft verabredest du dich für ein
24:18Kennenlernen mit dir selbst im
24:20Verhältnis zu den Verabredungen mit
24:23anderen?
24:25Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir
24:27in den Kommentaren darüber berichten
24:29magst und dich vielleicht ja auch mit
24:32anderen Menschen [musik] darüber
24:34austauschen magst.
24:36Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit
24:39und [musik] für dein Vertrauen. Ich
24:41hoffe, dass dir diese Podcast Folge als
24:45Impuls für deinen eigenen Weg dienen
24:47kann und [musik]
24:49sage von Herzen bis zum nächsten Mal.
24:53Deine Maria Sanchez.
24:56[musik]
24:58Du möchtest mehr über Maria Sanchez
25:00herangehensweise erfahren? Erlerne die
25:03emotionale Selbstbegleitung.
25:06Weitere Informationen findest du unter
25:09www. Mariaasanchez.de. [musik]
25:11De.
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25:18möchtest, damit sie noch mehr Menschen
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