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0:01In unserer Familie muss beispielsweise nie jemand gesagt haben, dass traurig zu sein nicht gut ist.
0:08Allein die Tatsache, dass wir nie oder nur selten jemanden in unserer Familie weinen gesehen haben,
0:16oder wenn wir es gesehen haben, es der Person unangenehm war – allein diese
0:22Tatsache reicht aus, dass wir in uns schmerzhaft verinnerlicht haben, dass
0:27wir fröhlich erwünschter sind als traurig.
0:31[Musik]
0:35Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast
0:38„Psychologie trifft Spiritualität“ – ein Podcast für eine neue Begegnung mit Dir selbst.
0:47Wie schön, dass Du hier mit mir bist.
0:49Mein Name ist Maria Sanchez und wie Du meiner Ankündigung vor zwei Wochen entnehmen konntest,
0:56musste ja leider die letzte Folge ausfallen – auch wenn der Grund ein ganz wunderbarer war, nämlich
1:04dass ich, wie ich Euch über Social Media ja beschrieben hatte, mit den Hörbuchaufnahmen meines
1:10neuen Buches „Der blinde Fleck“ früher als ich ursprünglich geplant hatte, beginnen konnte.
1:16Und da sich zeitlich leider nicht beides unterbringen ließ, war es im letzten Monat für mich deshalb leider nicht möglich,
1:26eine Podcastfolge aufzunehmen. Umso mehr freue ich mich aber heute ein Thema aufzugreifen, was Ihr Euch in
1:34einer Umfrage bei Instagram von mir gewünscht habt – nämlich das Thema „Transgenerationstrauma“.
1:42Es ist ein großes Thema, das uns alle betrifft, und gern möchte ich mich aus verschiedenen Blickwinkeln diesem
1:51Thema nähern, sodass diese Folge sowohl für diejenigen unter Euch interessant sein kann,
1:57die sich erstmalig diesem Thema nähern, als auch für diejenigen unter Euch, die bereits über ein
2:04Vorwissen verfügen. Ich wünsche Dir viel Freude und vor allem nährende Momente beim Hören.
2:12[Musik]
2:17Zu Beginn möchte ich erst einmal eine kurze Definition geben, was denn eigentlich ein Transgenerationstrauma ist.
2:26Wie der Name schon sagt, ist es ein Trauma, das nicht nur in der persönlichen Geschichte eines Menschen zu finden
2:34ist, sondern das sich über Generationen erstreckt. Gern möchte ich Dir ein Beispiel nennen, um es ein
2:41bisschen greifbarer zu machen.
2:44Es kann sein, dass Deine Großeltern einen Krieg erlebt haben und damit verbunden leider auch
2:51Traumatisches erfahren haben. Wenn dieses Trauma nicht von ihnen aufgearbeitet wurde, ist es
2:58möglich, dass diese große Verletzungsspannung und die damit einhergehenden Phänomene,
3:05zum Beispiel eine große Angst, an die nächste Generation weitergegeben wird.
3:11Mit anderen Worten:
3:13Obwohl Du selbst den Krieg nicht erlebt hast, kannst Du die immense Angst, die damit einherging,
3:21geerbt haben. Hat man das ganze bis vor einigen Jahren noch für Unsinn gehalten, ist es heutzutage
3:28gut wissenschaftlich belegt, dass es diese Phänomene gibt. Wie diese Weitergabe geschehen
3:35kann, hat verschiedene Möglichkeiten.
3:39Auf einen psychologischen Aspekt werde ich gleich noch genauer eingehen, aber vorab ist mir wichtig,
3:46zu sagen, dass man heute weiß, dass sich ein nicht aufgearbeitetes Trauma auch
3:52auf unser Erbgut auswirken kann und sogenannte epigenetische Veränderungen hervorrufen kann.
4:01Damit ist gemeint, dass ein Trauma unsere Genregulation verändern kann, das heißt – sehr vereinfacht gesagt –
4:10ein Trauma kann beeinflussen, wie unsere Gene abgelesen werden, also welche Gene an- oder abgeschaltet sind.
4:19Was da im Einzelnen biologisch in unserem Körper geschieht, ist eine faszinierende Sache,
4:27und es lohnt sich für diejenigen unter Euch, die daran Interesse haben, mehr über diesen
4:32biologischen Faktor zu erfahren, sich darüber im Internet tiefergehend zu informieren.
4:39Da ich in diesem Podcast aber den Schwerpunkt auf etwas anderes als auf den biologischen Aspekt legen möchte, steige
4:47ich hier an dieser Stelle nicht tiefer auf diesen interessanten Aspekt ein, sondern erwähne ihn vor
4:54allem deshalb, weil heutzutage wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass ein Trauma neben dem
5:02immensen generationsübergreifenden psychologischen Effekt eben auch nachweislich einen biologischen Effekt hat.
5:11Von einer Warte aus betrachtet ist das ja auch vollkommen logisch, denn wie sollte
5:16die psychologische Ebene von der biologischen getrennt sein? Aber das bemerkenswerte ist, dass
5:24man dies heute auch wissenschaftlich anerkennt. Und warum ist mir das so wichtig zu betonen?
5:31Weil die Wissenschaftler:innen, die bereits
5:34vor Jahren auf diesen generationsübergreifenden Einfluss aufmerksam gemacht haben, damals als
5:41Spinner abgetan wurden, und man erst heute weiß, dass sie recht hatten. Pionier:innen haben es
5:49leider oft schwer und durchleben nicht selten harte und schwierige Zeiten, und mir ist wichtig, einmal
5:58für sie hier aufzustehen und ihnen Anerkennung und Respekt zu zollen.
6:04Und nun lade ich Dich ein, mit mir den Blick auf etwas zu richten, was ich hier – wie eben schon kurz erwähnt – zu diesem
6:12Thema in den Fokus stellen möchte – wissend, dass man hierzu natürlich auch noch weitere Aspekte
6:20betrachten kann. Wenn von einem transgenerationalen Trauma gesprochen wird, dann meint man damit in
6:26der Regel ein Trauma, was innerhalb einer Familienlinie weitergegeben wird. Wie das am
6:33Anfang erwähnte Beispiel mit unseren Großeltern. Also unser Opa war im Krieg, hat dort Furchtbares,
6:41Grausames erlebt, hat danach aufgrund seiner Traumatisierung nicht darüber sprechen können,
6:47geschweige denn das Trauma aufgearbeitet, und wir entwickeln nun beispielsweise als Enkel:in
6:55daraus resultierend Symptome, wie zum Beispiel eine große Angst, ohne – so die Annahme – ohne,
7:04dass ein konkretes traumatisches Erlebnis in unserem Leben als Enkel:in stattgefunden hat.
7:11Manchmal gibt es Ausrichtungen, die versuchen dann Rituale
7:16durchzuführen, um – um bei unserem Beispiel zu bleiben – dem Opa seine
7:22Verletzungsspannung zurückzugeben.
7:26Warum ich dies in Bezug auf einen Heilungsweg in der Tiefe für problematisch halte und warum aus
7:32meiner Erfahrung heraus wir in Bezug auf dieses Thema einen umfangreicheren Blick benötigen,
7:39um heilsame Schritte gehen zu können, möchte ich Dir gern im Folgenden näherbringen. Dafür möchte
7:46ich gern einen größeren Bogen spannen.
7:51Als Menschen sind wir Wesen, die sowohl ganz individuell, ganz persönlich für sich
7:57als Individuum stehen als auch gleichzeitig eingebettet sind in ein größeres Feld.
8:06Dieses größere Feld hat verschiedene Ausrichtungen und auf zwei dieser Ausrichtungen möchte ich gern in
8:14dieser Podcastfolge zu diesem Thema eingehen.
8:18Einmal ist da die Ausrichtung, dass wir – wie eben schon kurz berichtet – in einer Familienlinie stehen.
8:26Man könnte sagen, bei diesem über uns als Individuum hinausreichenden Feld werden, wenn wir
8:34unseren Blick speziell auf die Verletzungen richten, diese Verletzungen von Generation zu
8:40Generation direkt emotional weitergegeben.
8:46Denn jede tiefere, nicht geheilte Verletzung unserer Eltern aus ihrer Biografie hat einen
8:54direkten Einfluss auf uns als Kind. Das hast Du vermutlich auch schon mal gehört,
9:00denn wir leben in einer Zeit, in der diese Art von Wissen im Hinblick auf die Eltern-Kind-Beziehung
9:07sich glücklicherweise mehr und mehr verbreitet.
9:12Das Entscheidende dabei ist jedoch, aus welchem Blickwinkel schauen wir darauf. Auf diese neue
9:18Sichtweise möchte ich unter anderem ja auch gern in meinem Podcast immer wieder aufmerksam machen.
9:26Aber zurück zum Thema: In unserer Familie muss beispielsweise nie jemand gesagt haben,
9:33dass traurig zu sein nicht gut ist.
9:36Allein die Tatsache, dass wir nie oder nur selten jemanden in unserer Familie weinen gesehen haben,
9:44oder wenn wir es gesehen haben, es der Person unangenehm war – allein diese Tatsache reicht aus,
9:52dass wir in uns schmerzhaft verinnerlicht haben, dass wir fröhlich erwünschter sind als traurig.
10:00Wie ich in der Vergangenheit schon oft betont habe, können uns unsere Eltern – ganz gleich,
10:06wie sehr sie uns grundsätzlich lieben – können uns unsere Eltern nur den authentischen Beziehungsraum
10:12zur Verfügung stellen, den sie sich selbst geben können. Haben unsere Eltern kein gutes
10:20Verhältnis zu ihrer Wut, werden sie unserer Wut kein authentisches Daseinsrecht geben können.
10:27Sie werden unserer Wut keinen authentischen emotionalen Landeplatz zur Verfügung stellen können, was
10:36bedeutet, dass wir in der prägenden Zeit unserer Kindheit selbst ebenfalls kein gutes Verhältnis,
10:44keine gute Beziehung zu unserer Wut und damit zu einem Teil unserer selbst aufbauen können.
10:52Die Tatsache, dass unsere Eltern zu bestimmten Emotionen in sich kein gutes Verhältnis haben, hat natürlich
11:01wiederum mit ihrer Biografie zu tun, also damit, dass schon ihre Eltern ihnen kein Daseinsrecht für ihre
11:08emotionale Vielfalt geben konnten. In Bezug auf die transgenerative Weitergabe von Verletzungen
11:16geht es also nicht nur um offensichtliche traumatische Erlebnisse, sondern um ein emotional
11:25tief verletztes Familienfeld, in das wir als Kind hineingeboren werden und deren Verletzungen
11:33wie eine Staffel bei einem Staffellauf von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dies ist eine sehr
11:43folgenreiche Angelegenheit, denn wir können uns nicht ausreichend in unserem Wesenskern verkörpern.
11:51Das hat – wie ich in verschiedenen Publikationen bereits erwähnt habe – sehr weitreichende
11:59psychologische und spirituelle Folgen, denn wir bleiben
12:05am tiefsten Punkt unserer durch unsere Biografie entwickelten Persönlichkeit unverbunden.
12:11In oberen Ebenen kann uns dies mitunter gar nicht auffallen, aber
12:17durch unsere hartnäckigsten Symptome und deren Erkundung können wir dies ganz klar erfühlen.
12:25Die Tatsache, nicht in unserer emotionalen Ganzheit
12:30landen zu können, führt zu einer sehr schmerzhaften und sehr tiefgreifenden,
12:37vielschichtigen Verletzung, die ich – wie einige von Euch ja auch aus meinen Büchern wissen – die
12:44Urverletzung oder das Urtrauma nenne.
12:48Ohne hier näher darauf einzugehen, weil es den zeitlichen Rahmen sprengen würde,
12:55möchte ich nur für diejenigen, die meine Arbeit noch nicht kennen, kurz erwähnen, dass ich mit der
13:01Urwunde oder mit dem Urtrauma nicht ein Bindungs- oder Entwicklungstrauma meine, sondern eine Ebene,
13:09die noch darunter liegt.
13:13Wenn an manchen Stellen gesagt wird, dass ein Transgenerationstrauma bis vier Generationen
13:19zurückreicht, dann halte ich das für unsinnig, da unsere Familienlinie ja nicht erst vor vier
13:26Generationen begonnen hat, sondern schon viel älter ist, und Traumata, die unsere Ahnen vor
13:34vier Generationen zurück erlebt haben, natürlich ebenfalls im Erfahrungsfeld unserer Familie
13:41gespeichert ist.
13:42Es gab ja nicht nur den Zweiten Weltkrieg, sondern auch schon Kriege davor. Und unser Großvater,
13:49der vielleicht leider im Zweiten Weltkrieg traumatische Erlebnisse erleiden musste,
13:56hatte davor mit Eltern, die aus dem Ersten Weltkrieg kamen, wahrscheinlich keine Eltern,
14:03die emotional harmonisch und ausgeglichen waren. Sie waren ebenfalls schon traumatisiert.
14:11Deshalb möchte ich dafür plädieren, dass wir den
14:14Begriff „Transgenerationstrauma“ weiterfassen, als wir es vielleicht an manchen Stellen bisher tun.
14:24Aus diesem familiären Feld geschaut, liegt der Staffelstab – wie ich eben meinte – jetzt bei uns.
14:32Vielleicht sind wir die erste Person in unserer familiären Linie, die etwas aus dieser familiären
14:40Verletzung zu sich nehmen kann, die nicht mehr bereit ist, im ewigen automatisierten,
14:49emotional leidvollen Teufelskreis zu bleiben und so ihr Leben zu leben. Irgendjemand aus der
14:58familiären Linie wird irgendwann an einer Stelle beginnen müssen, emotional stehen zu bleiben.
15:06Mit allem, was dann dazu gehört:
15:09Mit den Vorwürfen an die Eltern oder an vorherige Generationen oder an das Leben an sich,
15:16mit den Seiten in einem, die sagen: „Ich will es nicht haben.“ und so weiter. Das Wichtige ist,
15:24es beginnt mit Dir, für Dich und mit Dir.
15:30Die Begleitung zu Deinen biografisch verletzten Seiten, Deine Biografie ist das Nadelöhr,
15:38durch das es zu gehen gilt, denn in Dir, in Deiner Biografie ist alles enthalten. Da wir in ein
15:47verletztes Familienfeld hineingeboren wurden und wir dadurch emotional nicht landen konnten, haben
15:55wir – obwohl wir nicht wie unser Opa einen Krieg direkt erlebt haben – dennoch direkten Kontakt
16:04zu diesem familiären verletzten Erfahrungsfeld, denn wir stehen diesbezüglich in einer Linie.
16:13In uns taucht es auf – ob durch Symptome, durch Träume oder durch andere Phänomene. Es beginnt
16:22ganz persönlich mit uns.
16:27Zu sagen, ich gebe es an meinen Opa zurück, ist auf einer Ebene absurd,
16:32denn er könnte natürlich genauso sagen „Ich gebe es an meinen Vater zurück oder an das grausame
16:39Schicksal.“, wenn er Furchtbares erlebt hat. So kann sich nie etwas entwickeln,
16:45so kann nie etwas heilen. Emotionales Heilen hat ja nicht damit zu tun, dass etwas weggehen soll,
16:55sondern dass wir reifen.
16:58Und das hat immer etwas mit uns ganz persönlich zu tun und damit, dass die Liebe uns findet,
17:07nicht in einer verklärten Form, sondern in ihrer ganzen reichhaltigen Palette.
17:14Heilung geschieht nicht, indem etwas weggeht – das ist nur der Versuch einer inneren Amputation–,
17:23sondern indem etwas dazu kommt, eben Liebe.
17:29Statt es zurückzugeben, möchte ich gern dafür plädieren, dass wir behutsam lernen,
17:35den verletzten Seiten, die sich in uns zeigen, authentisch zu begegnen, mit allem, was dabei in
17:43unserem Inneren aufkommt: mit der Traurigkeit, mit der Wut, mit der Scham, mit der Angst, mit allem,
17:52was aufkommt.
17:54Wir können lernen, dem zu begegnen. Es beginnt mit uns. Indem Du es ganz für Dich selbst tust,
18:04tut es sich automatisch auch für das Familienfeld. Jeder, der schon mal
18:11Familienaufstellungen gemacht hat, hat dieses Phänomen vielleicht schon erleben können.
18:16Das Problem beim Familienstellen ist nur – auch
18:21wenn ich in keinster Weise schmälern möchte , dass es für manche Menschen ein sehr dienliches
18:26Tool in ihrem Toolkoffer sein kann – das Problem beim Familienstellen ist, das in der Regel kein
18:34emotionales Reifen von uns als Individuum damit einhergeht. Es wird etwas im System geändert,
18:44was – wie gesagt – für manche Menschen als ein Durchgangszimmer sehr unterstützend sein kann,
18:51aber – das ist zumindest meine Erfahrung in der Arbeit mit Menschen, die mitunter sehr viele
18:57Familienaufstellungen gemacht haben – aber wir reifen nicht als Individuum. Das individuelle
19:05Bewusstsein entwickelt sich nicht.
19:09Zurück zum Thema: Nach Dir werden Deine Kinder und Deine Enkelkinder den Generationsstab in ihren
19:19Händen halten. Und es wird an ihnen liegen, für eine weitere Entwicklung zu sorgen oder für eine
19:26Stagnation. Wir Menschen haben an dieser Stelle die Wahl. Solltest Du keine Nachfahren haben,
19:34dann landet der Stab im allgemeineren Bewusstsein. Und damit sind wir bei der zweiten Ausrichtung des
19:43größeren Feldes, von dem ich eingangs sprach.
19:47Vielleicht kurz zur Erinnerung: Ich hatte davon berichtet, dass Du ein ganz individuell
19:53verkörpertes Wesen bist und gleichzeitig auch Teil eines größeren Feldes mit verschiedenen
20:02Ausrichtungen. Wir Menschen sind in vielerlei Hinsicht von unserem Bewusstsein her faszinierende Wesen.
20:11Wir sind in unserem Leben ganz individuell unterwegs und gleichzeitig eingebettet in
20:19etwas Größeres. Etwas, das über unser in der Regel individuell empfundenes Leben hinausreicht. Eine
20:30der Ausrichtungen dieses größeren Feldes haben wir uns eben schon kurz angeschaut,
20:35nämlich das familiäre Feld, also dass Du in einer familiären Linie stehst.
20:41Für die Annäherung an die andere Ausrichtung,
20:45die ich in dieser Folge im Hinblick auf unsere transgenerationalen Verletzungen in den Blick
20:52nehmen möchte, möchte ich Dich zu folgender Sichtweise einladen. Dadurch, dass wir als
20:59lebendiges, verkörpertes Wesen ja in der Gegenwart leben, sind wir automatisch die Brücke zwischen
21:07Vergangenheit und Zukunft.
21:10In uns treffen diese beiden zeitlichen Strömungen zusammen. Und wenn Du Dich in Bezug auf
21:18Verletzungen, auf traumatische Verletzungen der Vergangenheit nicht nur in einer Linie mit Deiner
21:25Familie siehst, was eine Bewusstseinsentwicklung betrifft, sondern Dir für einen Moment bewusst
21:32machst, dass Du aus einem größeren Blickwinkel geschaut, mit vielen anderen Menschen zeitgleich
21:40auf diesem Planeten lebst und demzufolge auch Teil eines noch darüber hinausgehenden
21:46größeren Feldes bist, das manche Menschen manchmal auch als Menschheitsfamilie bezeichnen,
21:54dann wird deutlich, dass Du damit automatisch auch diesbezüglich einen Stab in der Hand hältst.
22:03Wir Menschen
22:05entwickeln uns auch als Menschheitsfamilie ebenfalls transgenerativ weiter. Wir tragen
22:14bestimmte Verletzungen auch als Menschheitsfamilie in uns und mit uns. Die transgenerative Geschichte
22:22von uns als Menschheitsfamilie ist ja nicht gerade eine friedliche, eine verletzungsfreie Geschichte,
22:30sondern auch da gibt es ja sehr viel an traumatischen Verletzungen.
22:35Auch dieses Erbe tragen wir in uns, zum Beispiel
22:40als kulturelles Erbe. Wir entwickeln uns auch hier an bestimmten Punkten weiter beziehungsweise
22:48an anderen Punkten stagnieren und kreisen wir. Wir nehmen den Stab zu uns oder eben nicht.
22:58Jeder von uns ist somit Teil eines sich – auch
23:02im größeren Kontext – entwickelnden Bewusstseins. In Deutschland war beispielsweise vor noch nicht
23:10so vielen Jahren das Schlagen von Kindern legitim, auch in der Schule. Obwohl auch heute leider noch
23:20vieles im Argen liegt, ist es zumindest heute per Gesetz verboten, Kinder zu schlagen.
23:27Hier gab es im größeren Feld eine punktuelle
23:32Entwicklung. Die größere Zahl der Kinder wurde früher, was körperliche Gewalt betraf, noch viel
23:40schlimmer behandelt als heute – auch wenn leider heutzutage noch viel zu viele Kinder leiden. Was
23:47ich damit sagen möchte, ist: Wir sind auch was die transgenerativen Traumata der Menschheitsfamilie
23:54betrifft, in einer Entwicklung.
23:58Und es nützt nicht viel, dass wir uns wünschen, dass wir mehr Mitgefühl oder Achtsamkeit
24:05füreinander entwickeln. Was wir brauchen, ist ehrliche Emotionsarbeit. Das ist der Boden,
24:14der uns im Hinblick auf transgenerative Traumata wirklich langfristig trägt.
24:21Da reicht keine Distanzierung oder Beruhigung, denn das ermöglicht noch kein Daseinsrecht für
24:30die verletzten Seiten.
24:32Du bist als Mensch, der in unserer Zeitdimension lebt, automatisch auch Teil einer Bewegung
24:41von menschlichem Bewusstsein. Und auch hier beginnt es bei Dir. Du bist das Zentrum.
24:49Das meine ich in keinster Weise
24:53im Sinne eines „Du solltest Dich unbedingt entwickeln“-Drucks, denn das ist das Gegenteil
24:58von Entwicklung, sondern im Sinne einer zutiefst liebevollen Einladung, emotional stehen zu dürfen,
25:08wo Du tatsächlich stehst. Ich möchte es aus tiefem Herzen immer wiederholen:
25:15Du brauchst nicht anders zu sein.
25:18Wenn wir von hier aus noch mal auf uns als Teil der Menschheitsfamilie blicken,
25:25dann stellt sich doch die Frage: Wie wollen wir in einer friedlicheren Welt leben, wenn wir nicht
25:32mal unseren durch Verletzungen aufgeladenen Seiten in uns selbst begegnen können? Unseren gierigen,
25:42rachsüchtigen, egoistischen Seiten genauso wie den ängstlichen, sich schämenden und so weiter.
25:49Wie soll das gehen? Ich möchte die
25:53Entwicklung unserer Menschheitsfamilie nicht nur auf die persönliche innere Ebene reduzieren. Das
25:59würde der Lösung des Problems allein nicht gerecht werden. Das wäre viel zu eindimensional gedacht.
26:07Aber ohne den Blick auf unser individuelles Reifen werden die transgenerativen Verletzungen nicht in
26:16der Tiefe heilen können.
26:19Wir werden – wie wir ja auch schon erlebt haben – nur eine scheinbare Sicherheit im Außen erfahren.
26:26Sobald sich die äußeren Umstände ändern – wie wir ja leider gerade wieder erleben – drohen
26:32die verletzten Seiten in uns, zum Beispiel die unbewusste Angst und/oder die unbewusste Wut,
26:41das innere Ruder zu übernehmen, und verleitet uns zu mitunter gefährlichen Projektionen im Außen.
26:49Wir sind im Hinblick auf
26:51Verletzungen aus vorherigen Generationen auch Teil eines Bewusstseinsreifungsprozesses, der auch über
27:01unsere Familiengeschichte hinausgeht. Und gern möchte ich sogar noch einen Schritt weitergehen
27:07und aus meiner Erfahrung heraus sagen, dass dieses Reifen unseres Bewusstseins auch einen tiefen
27:16spirituellen Aspekt beinhaltet.
27:19Wenn das Leben, Gott, das Höhere, das Universum oder wie immer wir es nennen wollen, in uns ist,
27:27es also letztlich ein großes Bewusstsein gibt, zwar mit unterschiedlichen Ebenen, aber letztlich
27:34ein großes Bewusstsein gibt, dann ist jede Entwicklung, die wir individuell vollziehen, jedes
27:43Abholen unserer selbst, egal an welchem inneren Ort wir uns befinden – ob er dunkel oder hell ist,
27:50ob es sich um unsere Angst, unsere Vergeblichkeit, unseren Hass oder um was auch immer handelt, dann
27:58ist jede heilsame Begegnung in uns selbst nicht nur etwas, was uns Schritt für Schritt langsam in
28:06höhere Bewusstseinsebenen bringt, sondern auch etwas, das wir in das gesamte Bewusstseinsfeld
28:14hineinbringen.
28:16Jedes Individuum auf seine Weise. Mit anderen Worten: Wir tragen durch die heilsame Hinwendung
28:25zu unseren biografischen Verletzungen und damit zu unseren transgenerationalen Traumata dazu bei,
28:34dass das Gesamtbewusstsein sich ebenfalls entwickelt.
28:38Das Höhere, das Leben, der Kosmos, Gott
28:42oder wie immer Du es nennen magst, atmet nicht nur in Dir, sondern Du atmest auch in ihm. Dein Werden
28:54ist sein Werden. Das Leben, das Universum oder Gott ist nicht statisch oder fertig, sondern
29:04in Entwicklung. Und Du bist Teil davon.
29:09Es beginnt in Dir – genau dort, wo Du emotional gerade stehst.
29:16Es beginnt in Dir und mit Dir. Wenn wir den Begriff „Transgenerationstrauma“ auch unter
29:25diesen erweiterten Blickwinkel betrachten, kann sich ein größeres Bild zu entfalten beginnen.
29:31In diesem Sinne wünsche
29:33ich Dir von Herzen alles Gute und freue mich auf unsere nächste Begegnung. Deine Maria Sanchez.
29:45Du möchtest mehr über Maria Sanchez‘ Herangehensweise erfahren? Erlerne die
29:50emotionale Selbstbegleitung. Weitere Informationen findest Du unter www.mariasanchez.de.
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30:22wirst Du über neue Podcastfolgen dann auch immer als erstes informiert. Herzlichen Dank.