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Die Reise der Menschheit (1/3 ) | Ganze Folge Terra X

Terra X History · 4,559 words · 21 min read

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0:00Terra X - Die Reise der Menschheit: Aufbruch - 29.04.2018

0:07Seit es Menschen gibt, sind sie unterwegs.

0:12Die Reise der Menschheit hat die Welt, wie wir sie kennen, geformt.

0:19Denn mit den Menschen verbreiten sich Kultur, Gene, Tiere, Pflanzen

0:24und Know-how.

0:28Es sind oft erzwungene Reisen.

0:30Viele aber auch voller Hoffnung auf der Suche nach einem besseren Leben.

0:41Angefangen hat diese Geschichte vor etwa 60.000 Jahren.

0:44Als der Mensch aus Afrika auszog und seine Reise in die Welt antrat.

1:06Was habe ich mit den Wanderungen der Menschheit zu tun?

1:10Gucken Sie mich doch an: ein durchschnittlicher Mitteleuropäer.

1:14Norddeutsch seit Generationen.

1:17Aber immerhin einer, der schon viel von der Welt gesehen hat.

1:21Ich war in 120 Ländern und habe jede Menge kulturelle Vielfalt erlebt.

1:26Wie kommt es, dass wir alle anders aussehen, anders leben,

1:30an andere Dinge glauben?

1:32Wo hat das alles seinen Anfang genommen?

1:36Denn ob ich nun in New York oder in Tokyo unterwegs bin:

1:40Ich bin einer von über 7,5 Milliarden Menschen,

1:43die sich eine gemeinsame Geschichte teilen.

1:47Ich folge den Fußspuren des Menschen rund um den Globus.

1:51Und den großen Wellen seiner Wanderungen.

1:55Gleich am Anfang steht für mich eine der beeindruckendsten Erkenntnisse.

2:00Denn egal, wen ich auf meiner Reise treffe:

2:02Genetisch sind sie alle meine Cousins und Cousinen.

2:06Und die hier übrigens auch.

2:09Und das erklärt sich so:

2:11Wir alle haben zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern

2:15und so weiter.

2:17Die Zahl unserer Ahnen wächst durch die Zweierpotenz schnell an.

2:21Wir sind also Verwandte durch die Geschichte.

2:24Und unsere Vorfahren sind auch die Vorfahren anderer.

2:29Durch die Wanderungen des Menschen

2:31verästeln sich die Stammbäume über den ganzen Planeten.

2:37"We are family" ist also gar kein Hippie-Traum,

2:40sondern einfach nur Realität.

2:42Denn wenn man ungefähr 2500 Generationen zurückgeht,

2:45dann trifft man auf die Urahnen von uns allen.

2:49Und die lebten damals in Afrika.

2:53Vor etwa 300.000 Jahren erscheint eine neue Spezies auf der Erde.

2:59Homo sapiens, der moderne Mensch.

3:04Er lebt als Jäger und Sammler und weitet seine Jagdgründe stetig aus.

3:11Hinter der nächsten Bergkette, jenseits eines Flusses

3:14wartet vielleicht besseres Klima, mehr Wild oder einfach ein Abenteuer.

3:27Was kommt, wenn man einfach weiterwandert?

3:36Anfangs ist der Mensch zu Fuß unterwegs.

3:38Neues Terrain erobert er sich mühsam Schritt für Schritt.

3:42Doch von Generation zu Generation dringt er weiter vor.

3:47Vor etwa 60.000 Jahren verlässt er den afrikanischen Kontinent.

3:52Mit etwa 50 Kilometern pro Generation schiebt sich

3:56die menschliche Besiedlung über Berge, Flüsse und das offene Meer.

4:05Nichts hält Homo sapiens auf.

4:08Auch nicht andere Frühmenschen.

4:12Denn er vermehrt sich schneller und ist ihnen überlegen.

4:17Durch höhere Sprachfertigkeit, technisches Geschick,

4:20assoziatives Denken und soziales Empfinden.

4:27Homo sapiens ist die Menschenform, die sich weltweit durchsetzen wird.

4:42In Europa ist es der Neandertaler, auf den die Neuankömmlinge treffen.

4:53Lange nahm man an,

4:55Homo sapiens habe diese Frühmenschen schlicht verdrängt.

5:01Genetische Untersuchungen haben aber ergeben,

5:04dass sich der moderne Mensch mit dem Neandertaler gepaart hat.

5:10Diese Menschenform gehört also bereits mit in unseren Stammbaum.

5:16Heute tragen die meisten Menschen noch durchschnittlich

5:19anderthalb bis zwei Prozent Neandertaler-Erbgut in sich.

5:25Es ist der wohl früheste Nachweis, dass durch die Wanderungen

5:29der Menschen sich ihre Gene veränderten.

5:32Und somit auch ihr Aussehen.

5:37Mit jeder neuen Region, in die der Mensch vordringt,

5:41erweitert sich auch sein geistiger Horizont.

5:47In den Höhlen des französischen Chauvet

5:50finden sich beeindruckende Zeugnisse aus der Zeit um 30.000 v. Chr.

5:59Die damaligen Menschen können ihre Lebenswelt komplex

6:02und wunderschön wiedergeben.

6:04Und ihre Nachkommen durch ihre Kunst daran teilhaben lassen.

6:11Sie erlernen aber auch praktisches.

6:14Stellen Werkzeuge wie den Faustkeil her.

6:17Oder die Nähnadel, mit der sie sich wärmende Kleidung anfertigen.

6:26Es sind Erfindungen, die die Menschen weiterbringen.

6:36Vor 15.000 Jahren ist der moderne Mensch

6:39dann auf allen bewohnbaren Erdteilen angekommen und heimisch geworden.

6:45Noch sind es weltweit nur ein paar Millionen.

6:48Und die Gruppen haben nahezu keinen Kontakt zueinander.

6:53Doch sie passen sich ihren neuen Umgebungen ungeheurer schnell an.

7:00Welche Wege die Menschen genau nahmen,

7:03wird in der Forschung bis heute diskutiert.

7:05Beim Aufbruch in Afrika gehen die Wege vermutlich

7:09zunächst nach Nord und Süd.

7:11Über die arabische Halbinsel nach Osten.

7:13Von dort nach Asien und Europa.

7:16Der Sprung nach Australien gelingt.

7:19Und über die damals noch begehbare Beringstraße

7:22werden schließlich Nord- und Südamerika erreicht.

7:25Für seine Weltreise braucht der Mensch nur 2000 Generationen.

7:32Eine beeindruckende Leistung.

7:35Aber was braucht man für so eine Wanderschaft?

7:38Klar, ein paar gesunde Beine, Neugierde, Abenteuerlust.

7:41Aber was noch?

7:43Man braucht Kommunikation, um abzustimmen, wer, wann, wohin geht.

7:48Und in unseren Breiten braucht man Schuhe.

7:53Der Schuh ist eine der einfachsten,

7:56aber genialsten Erfindungen der Menschheit.

7:59Denn ein Großteil Europas

8:00ist im Winter einfach mit Eis und Schnee bedeckt.

8:04Und mit nackten Füßen kommt man da nicht weit.

8:09Die ältesten Schuhe, die in Europa überdauert haben, die trug Ötzi.

8:16Der Mann aus dem Eis war vor etwa 5300 Jahren in den Alpen unterwegs.

8:22Die Menschen seiner Zeit lebten damals von Landwirtschaft.

8:26Aber auch vom Sammeln und von der Jagd.

8:28Vielleicht war Ötzi auf der Suche nach Wild

8:31so hoch in die Berge gestiegen.

8:35Er fand dort den Tod.

8:41Das ewige Eis konservierte ihn gut. Ein Glück für die Wissenschaft.

8:46Seine Mumie ist älter als die Steinkreise von Stonehenge

8:50und die Gizeh-Pyramiden.

8:52Für die Forschung eine wahre Fundgrube.

8:55Denn Ötzi ist der einzige Steinzeit-Mensch,

8:57der mit seiner Ausstattung geborgen wurde.

9:00Inklusive frostfester Schuhe.

9:02Ein frostfester Schuh in der Steinzeit. Kann das wirklich sein?

9:06Sagen Sie mal, Herr Paulsen, ist das jetzt nur 'ne Theorie,

9:09dass der frostfeste Schuhe hatte?

9:11Oder hatte der wirklich so tolle Treter?

9:14Mit ziemlicher Sicherheit. Der Boden war überall hart.

9:17Da musste man natürlich

9:19die empfindlichen Füße etwas schützen.

9:21Aus wie vielen Materialien bestand denn der Ötzi-Schuh?

9:24Wir haben erst mal die Sohle, die bestand aus Bärenfell.

9:28Schön kuschelig.

9:30Dann hatten wir Leder für die Stränge hier.

9:32Dann hatten wir Bast, Lindenbast, das war das Innenskelett des Schuhs.

9:37Da haben wir dann ganz weiches Stroh, was dazwischen gesteckt war.

9:42Das ist so was wie die warme Socke.

9:44Rundherum war dann noch ein Leder, das Oberleder.

9:48Damit das Ganze dann zusammenhielt, und das war warm.

9:51Lassen Sie uns mal einen nachbauen.

9:54Dann kann ich selber mal Ötzis Schuhe anprobieren.

9:59Eine ziemliche Fummelei, diese Schneeschuhe aus der Steinzeit.

10:07So, bitte schön.

10:11Ötzis Gehhilfe.

10:14Ist ja auch irgendwie typisch,

10:16dass der älteste Schuh Europas ausgerechnet aus Italien kommt.

10:20Jetzt muss nur noch ein bisschen Stroh rein als Isolator.

10:24Ist auch schön weich.

10:27So, das sieht kuschelig aus. Bitte schön.

10:30Vielen Dank.

10:32Jetzt bin ich ja mal gespannt. Rein in den Ötzi-Schuh.

10:36Sitzt ganz gut.

10:38Darf ich ein paar Schritte gehen?

10:42Nur ein kleiner Schritt für mich,

10:44aber ein großer Sprung für die Menschheit.

10:47Denn ohne wärmende Schuhe

10:48wäre die Besiedlung von Kaltgebieten unmöglich gewesen.

10:53Die gute Ausstattung half, um anzukommen.

10:55Doch um wirklich heimisch zu werden, brauchte der Mensch die Evolution.

11:00Was das Aussehen der Menschen mit Migration zu tun hat,

11:04erfahre ich in Halle im Landesmuseum für Vorgeschichte.

11:08Dort treffe ich Prof. Johannes Krause.

11:10Er ist Direktor am Max-Planck-Institut

11:13für Menschheitsgeschichte.

11:15Und kann aus historischer DNA Migrationsgeschichte herauslesen.

11:19Dafür haben er und seine Kollegen

11:21tausende DNA-Proben früher Europäer untersucht.

11:27Für mich sehen diese beiden Schädel ja fast identisch aus.

11:31Aber Sie sagen, die haben völlig verschiedene Geschichten.

11:35Diese Jäger und Sammlerin hier,

11:37die hatte eine dunkle Hautfarbe, aber blaue Augen.

11:40Ein Phänotyp, den wir heute so gar nicht in Europa kennen.

11:43Sie hatte eine Hautfarbe,

11:45ähnlich wie Menschen im heutigen Afrika südlich der Sahara.

11:49Aber blaue Augen, so wie heute auch viele Europäer.

11:52Wohingegen diese frühe Ackerbäuerin

11:54eine relativ helle Haut hatte, aber dunkle, braune Augen.

11:58Woher wissen Sie, wie die ausgesehen haben?

12:00In diesen Schädeln steckt immer noch ein bisschen von dem Erbmaterial,

12:05von der DNA.

12:06Wir sind spezialisiert, diese DNA aus den Knochen zu holen.

12:10Zu analysieren und dann die Gene uns anzuschauen,

12:13die für diese Phänotypen zu kodieren.

12:16Da gibt's ein Gen, das haben heute viele Europäer.

12:18Ungefähr 70 % aller Europäer.

12:21In Mitteleuropa finden wir das, das verursacht blaue Augen.

12:24Und das hatte auch schon diese Person vor 8000 Jahren.

12:27Wie ist es zu der hellen Haut gekommen?

12:30Die helle Haut ist zum Teil in Europa entstanden.

12:33Ein anderes ist wahrscheinlich mit diesen Ackerbauern

12:36aus dem Nahen Osten eingewandert.

12:38Die haben sich dann auch vermischt.

12:40Es kam zu einer genetischen Vermischung zwischen den Ureuropäern

12:44und dieser einwandernden Bevölkerung aus Anatolien.

12:47Zunehmend wurden die Menschen heller in ihrer Hautfarbe.

12:50Das lag wohl daran,

12:52dass sie sich an das Leben in Europa anpassen mussten.

12:55An den Ackerbau, mit wenig Fleisch oder Fisch in der Nahrung.

12:59Gleichzeitig an die geringen Lichtbedingungen in Europa.

13:02Dunkel ist die Haut in Regionen mit starkem Sonnenlicht.

13:06So schützt sie besser vor der UV-Strahlung.

13:08Nimmt die Sonne ab, wird die Haut heller.

13:11Sie erlaubt so auch

13:13die einfachere Produktion des lebenswichtigen Vitamins D.

13:16Die Wanderungen der Menschheit haben viele Spuren hinterlassen,

13:21die in unserem Genom verewigt sind.

13:24Wie ist das bei mir?

13:26Heute reicht schon eine Speichelprobe,

13:28um das zu überprüfen.

13:32Ich habe einen Gentest machen lassen.

13:37Der ist seit den 80ern möglich.

13:41Damals wurde von Genetikern eine Methode entwickelt,

13:44wie sich die Abstammung eines Menschen

13:47mit Hilfe der Mitochondrien zurückverfolgen lässt.

13:50Mitochondrien sind so etwas wie die Kraftwerke einer Zelle.

13:54Und werden immer von der Mutter vererbt.

13:59Jedes Mitochondrium enthält einen winzigen Strang DNA.

14:04In dieser DNA steht dann die gesamte spezifische Erbinformation.

14:12Kann man also an meinem Gentest sehen, wo meine Vorfahren lebten?

14:20Das steht in meinen Genen. Also, 34 % nordwesteuropäisch.

14:25Was haben wir hier? Gut 20 % skandinavisch.

14:2720 % französisch-deutsch, 10 % britisch-irisch, finnisch.

14:32Bisschen was vom Balkan, Südeuropa, Aschkenazi, also jüdisch.

14:37Macht 100 % Dirk Steffens. Aber was erzählt mir das denn jetzt?

14:42Was es Ihnen im Prinzip sagt, ist: Sie sind Europäer.

14:45Das ist vielleicht für Sie keine große Überraschung.

14:48Aber wir wissen, dass die Europäer sehr eng miteinander verwandt sind.

14:52Wir sind im Prinzip alle dieses genetische Potpourri

14:55unterschiedlicher europäischer Populationen.

14:58Wie finden Sie's denn, wenn Menschen ihre DNA sequenzieren lassen,

15:02so individuell?

15:04Es ist 'ne Form von Stammbaumkunde.

15:06Die Menschen sind interessiert an ihren Vorfahren.

15:09Es gibt viele Menschen, die haben ihren Familienstammbaum.

15:12Der geht dann aber häufig nur auf eine Person zurück.

15:16Aber in jeder Generation verdoppeln sich unsere Vorfahren.

15:19Über 200 Jahre haben wir 1000 Vorfahren,

15:22über 400 Jahre haben wir eine Million Vorfahren.

15:24Über 600 Jahre haben wir eine Milliarde Vorfahren.

15:28Das heißt ja, dass Prince Charles mit den Vorfahren

15:31seiner Königsfamilie vor 1000 Jahren nicht enger verwandt ist als ich.

15:35Das kann gut sein.

15:37Wenn ich mir vorstelle, dass ein Adliger einen Stammbaum hat,

15:40der bis ins 10. oder 11. Jahrhundert zurückgeht.

15:43Dann bin ich wahrscheinlich genauso eng mit dieser Person verwandt.

15:47Da steht immer ein Name ganz oben.

15:49Genau. Die eine Person, die dort 1640 in irgendeinem Kirchenbuch

15:53stand und irgendwo in Regensburg geboren ist.

15:56Und man denkt: Meine Familie kommt aus Regensburg.

15:59Aber in Wirklichkeit fehlen einem tausende von Verwandten.

16:02Solche Analysen zeigen einem, dass man überall Verwandte hat.

16:06Suchen Sie sich eine beliebige Person aus der Geschichte aus.

16:09Je früher diese lebte, umso wahrscheinlicher ist es,

16:13dass sie auch zu Ihren Vorfahren gehört.

16:15Die Helden genauso wie die Bösewichte.

16:18Es zeigt jedenfalls, dass es keine ganz eindeutige Zuordnung gibt.

16:23Dass es jetzt nicht die 99,9 % Deutsch oder Englisch gibt.

16:27Alle Zentraleuropäer sind eine Mischung.

16:30Es gibt keine direkte Grenze

16:32zwischen den Bevölkerungsgruppen in Zentraleuropa.

16:37Ob blaue Augen oder braune, helle Haut oder dunkle,

16:40glatte Haare oder krause:

16:42Wir haben genetische Spuren von überall her.

16:45Die Wanderungen der Menschheit sind in unserer DNA verewigt.

16:49So gesehen trägt jeder von uns

16:52die gesamte Geschichte der Menschheit in sich.

16:57Wir sehen anders aus und sprechen ganz unterschiedliche Sprachen.

17:03Denn überall, wo sich menschliche Gemeinschaften herausbildeten,

17:07entwickelten sie ihre eigenen Formen der Kommunikation.

17:12Die Menschen erfanden zum Beispiel neue Worte für ihre Umgebung.

17:16Oder sie verloren solche, die sie nicht mehr brauchten.

17:21Heute scheint die Welt geprägt von einem babylonischen Sprachengewirr.

17:28Fünf Finger meiner Hand.

17:30Five fingers of my hand.

17:33* Sie sprechen in ihren Sprachen. *

17:41Cinq doigts de ma main.

17:44Five fingers from my hand.

17:46Schwer zu glauben, aber alle diese Sprachen sind miteinander verwandt.

17:51Der Evolutionsbiologe Professor Russel Gray

17:54hat tausende Sprachsamples gesammelt und ausgewertet.

17:57Was können wir daraus lernen?

18:00All diese verschiedenen Sprachen

18:03müssen einen gemeinsamen Ursprung haben.

18:05All diese Worte

18:07können auf eine gemeinsame Herkunft zurückverfolgt werden.

18:11Wenn ich mir das hier anhöre. - Ja.

18:13Das hier. * Fremde Sprache ertönt. *

18:16Und das hier.

18:17Für mich klingt das völlig verschieden.

18:20Woher wissen Sie, dass es zu einer Sprachfamilie gehört?

18:24Hier kommen unsere Erkenntnisse über Lautverschiebungen ins Spiel.

18:28Wir wissen, dass das ursprüngliche protoindoeuropäische Wort für "fünf"

18:33so etwa wie "pinque" lautete.

18:35Es hatte also ein p am Anfang.

18:37Und wir wissen, dass in den germanischen Sprachen

18:40das p zum f wurde.

18:42Wir können das nicht nur bei dem Wort "fünf" sehen,

18:45sondern auch bei vielen anderen Wörtern.

18:48Das sind für uns wirklich starke Beweise dafür,

18:51dass diese Sprachen miteinander verwandt sein müssen.

18:54Was sehen wir noch?

18:56Wenn wir diese Untergruppen zurückverfolgen,

18:59können wir z.B. die romanische Sprachfamilie

19:01ungefähr 2000 Jahre zurückverfolgen.

19:03Wenn wir weiter zurückgehen zu den immer weiter entfernten Wurzeln,

19:07dann gehen wir ungefähr auf 8000 Jahre zurück.

19:10Diese frühe gemeinsame Sprache, davon gehen Gray und seine Kollegen aus,

19:14hatte ihren Ursprung im heutigen Armenien.

19:17Von wo sie sich in drei Hauptrichtungen verteilt hat:

19:20Westlich über Anatolien nach Europa.

19:22Nördlich in die pontische Steppe und östlich bis nach Indien.

19:26Weltweit sprechen heute 2/3 der Menschen

19:29eine indoeuropäische Sprache.

19:31Sie hat etwa 400 Ableger.

19:32Doch es gibt noch andere große Sprachfamilien auf der Welt.

19:36Innerhalb derer existieren heute fast 7000 Einzelsprachen.

19:41Sie haben sich über Jahrtausende differenziert.

19:45Durch Kontakt mit anderen Sprachen,

19:47aber auch durch Abspaltung und Isolation.

19:50Im 16. Jahrhundert gab es die höchste Vielfalt an Sprachen: fast 15.000.

19:55Heute wird von den meisten Menschen Chinesisch gesprochen.

19:58Dann folgen Spanisch und Englisch.

20:04Deutsch steht an zehnter Stelle.

20:06In ein paar Jahrzehnten, so schätzt man,

20:09wird es nur noch etwa 100 Sprachen geben.

20:13Obwohl meine Familie schon eine Ewigkeit in Norddeutschland lebt,

20:17habe ich offenbar einen Migrationshintergrund.

20:20Meine Sprache, meine Gene, meine helle Haut.

20:22All das sind die Ergebnisse einer Wanderungsbewegung.

20:26Die in Afrika begonnen hat.

20:28Und auf jedem Kontinent, den die Menschen besiedelt haben,

20:32ist diese Entwicklung dann ein bisschen anders verlaufen.

20:35Beginnend um etwa 10.000 v. Chr.

20:37vollzieht sich weltweit eine kulturelle Revolution:

20:41Der Mensch wird sesshaft.

20:42Er domestiziert Tiere, kultiviert Pflanzen.

20:45Und er fängt an, sich Häuser zu bauen.

20:50Jeder für sich auf seinem Kontinent.

20:53Jeder mit dem, was ihm zur Verfügung steht.

20:58In der Andenwelt domestizieren die Menschen Lamas und Alpakas.

21:03Und sie bauen Kartoffeln an.

21:11In Europa wird der Hund zum frühen Begleiter.

21:17Und Getreide zur wichtigsten Nutzpflanze.

21:24So werden aus Jägern und Sammlern allmählich Bauern.

21:31In Asien ist das Schwein eines der wichtigsten Haustiere.

21:35Und die primäre Kulturpflanze ist der Reis.

21:51Auch in Afrika lassen sich die Menschen langsam dauerhaft nieder.

21:56Ohne wirklichen Kontakt zueinander

21:58tun Menschen auf allen Kontinenten Ähnliches.

22:02Weit voneinander entfernt, ohne im Austausch miteinander zu stehen.

22:06Beginnen sie überall,

22:08ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte aufzuschlagen.

22:15* Ruhige Musik *

22:27Im 10. Jahrtausend v. Chr.

22:29beginnt es in der Region des "Fruchtbaren Halbmonds".

22:33Die Sesshaftwerdung in China folgt etwa 2000 Jahre später.

22:38Auch in Neuguinea, in Mexiko, in Südamerika, Afrika

22:42und Nordamerika siedeln die Menschen nun dauerhaft.

22:47* Musik *

22:53Mit der Sesshaftwerdung häuft der Mensch nun auch Besitz an.

23:05Er beansprucht Land, bestellt einen Acker, baut ein Haus.

23:16Nichts davon kann er so einfach mitnehmen.

23:29Der ehemalige Jäger und Sammler wird immobiler.

23:42Das wäre ein möglicher Zeitpunkt gewesen,

23:45an dem die Wanderung des Menschen endet.

23:48Aber das kann ja nicht sein.

23:50Unsere Ur-Ur-Ur-Urahnen müssen irgendeinen triftigen Grund

23:54gehabt haben, um weiterzuziehen.

23:56Und um den in Erfahrung zu bringen,

23:59bin ich gerade auf dem Weg ins Neue Museum.

24:02Die haben eine Riesen-Abteilung nur für Vor- und Frühgeschichte.

24:06Und die Leute, die sich auskennen.

24:08Hier in Berlin treffe ich den Archäologen Bernhard Heeb.

24:12Als die Menschen dann sesshaft wurden, bedeutet das,

24:15dass es überhaupt keine Migration mehr gab?

24:18Nein, Sesshaftwerdung war ein sehr langer Prozess.

24:22Der über Generationen, Jahrhunderte, Jahrtausende abgelaufen ist.

24:25Die Leute haben sich ja nicht auf einmal auf den Weg gemacht.

24:29Sondern immer in kleineren Gemeinschaften

24:32auf der Suche nach neuem Lebensraum, besserem Ackerboden.

24:35Oft auch nach Rohstoffen.

24:37Behilflich waren dann auch immer Erfindungen.

24:40Erfindungen erleichterten das Leben ungemein.

24:43Was für Erfindungen haben dafür eine große Rolle gespielt?

24:46Die Erfindung der Bronze und alles, was damit zusammenhängt:

24:50Rohstoffgewinnung, Verarbeitung, Distribution.

24:53Vielleicht die erste und auch wichtigste Erfindung.

24:56Bronze wurde damals oft in Form eines Beils gehandelt.

24:59Ähnlich wie heute Gold-Barren.

25:02Was ist denn so besonders an Bronze?

25:05Bronze ist eine interessante und eine wichtige Weiterentwicklung

25:09von reinen Kupfer-Artefakten.

25:11Weil man durch die Zugabe von Zinn zu Kupfer

25:14ein wesentlich härteres Metall bekommt.

25:17Die Verarbeitung für den Handwerker ist einfacher.

25:20Was hat das jetzt mit Mobilität, mit Migration zu tun?

25:24Der Rohstoff ist sehr begehrt.

25:26Kupfer und Zinn liegen ja nicht einfach vor der Haustür rum.

25:30Man musste die teilweise

25:31durch ganz Europa transportieren, um sie zum Handwerker zu bekommen.

25:36Dadurch sind Menschen auch gereist und haben das Material mitgenommen.

25:41Das bedingt Mobilität, Austausch und auch Migration.

25:44Und dadurch ist dann die Welt in Bewegung geraten.

25:48Die Welt, in der Kupfer und Bronze 'ne große Rolle gespielt haben,

25:51wie jetzt Europa oder die mediterrane Welt, ja.

25:54Es hat eine kulturelle Dynamik angestoßen.

25:57Die das Leben in Teilen so verändert hat,

26:00wie vorher nur die Landwirtschaft und die Sesshaftwerdung.

26:04Die Legierung aus Kupfer und Zinn wird vor mehr als 5000 Jahren

26:08in Vorderasien entdeckt.

26:13Bronze war allen früheren Werkstoffen weit überlegen.

26:16Denn es lässt sich bei niedrigerer Temperatur schmelzen.

26:20Und ist nach dem Erstarren viel härter

26:22als andere bis dahin bekannte Materialien.

26:30Das machte diese neue Legierung so begehrt.

26:33Für Schwerter und Schmuck, Pflugscharen und Äxte.

26:40Erneut brechen Menschen von zu Hause auf.

26:42Verlassen ihre Regionen als Händler oder Fachkräfte.

26:46Die Lebenswelten von Menschen, die vorher meist isoliert

26:50voneinander existiert haben, beginnen, sich zu berühren.

26:53Von Mesopotamien bis zu den britischen Inseln

26:56entsteht so aus dem Bedarf nach Bronze

26:59ein riesiger Wirtschafts- und Migrationsraum.

27:06Auch für den Bau des Steinkreises im südenglischen Stonehenge

27:10brauchte man vor 4300 Jahren Fachleute aus der Metallindustrie.

27:18Manche von ihnen kamen damals von sehr weit her.

27:29Der "Bogenschütze von Amesbury" ist ein solcher Arbeitsmigrant.

27:34Sein Grab liegt nicht weit von dem Steinkreis,

27:36an dem er wahrscheinlich mitgebaut hat.

27:39Die Grab-Beigaben zeugen von seinem hohen Ansehen:

27:42Man fand einen Amboss, Hauer von Ebern als Polierwerkzeuge

27:46und Pfeilspitzen.

27:50Woher der Mann ursprünglich stammte,

27:53hat die chemische Untersuchung seiner Zähne gezeigt.

27:57Die Analyse der Sauerstoff-Isotope im Zahnschmelz hat ergeben:

28:02Dieser Mann kam aus der Alpenregion.

28:06Seine Geschichte zeigt,

28:08wie Auswanderer schon vor tausenden von Jahren Know-how verbreitet haben.

28:14Neben der Bronze beschleunigte noch eine weitere Erfindung

28:18Migration und den Transfer von Wissen.

28:21Im Neuen Museum in Berlin führt mich Bernhard Heeb zu einem weiteren,

28:26kleinen Stück Metall mit großer Bedeutung: der Trense.

28:29Man geht davon aus, dass zu Ende des 3. Jahrtausends

28:33die ersten Formen im südrussischen, im Süd-Ural entstanden sind.

28:37Dort, wo die weiten Steppen sind.

28:39Und von dort aus im Sinne der Reiterei,

28:42um große Strecken schnell zu überqueren.

28:45Es bis nach Europa geschafft haben, als Innovation.

28:48Und wie hat das funktioniert,

28:50wenn die eine Kultur das schon hatte, und die andere nicht?

28:54Wahrscheinlich hat man beobachtet,

28:56dass es einen Vorteil beim Reiten gebracht hat.

28:59Man kann das Tier besser lenken.

29:02Man kann auch dadurch in größeren Zusammenhängen reiten.

29:05Mehrere Pferde nebeneinander in Phalanxen.

29:07Und hatte dadurch eine größere Kontrolle über das Tier.

29:10Und sobald jemandem der Vorteil offensichtlich war,

29:13hat man's sicher auch übernommen.

29:15Ideen breiten sich über riesige Entfernungen aus.

29:19Weil der Bronzezeitmensch nicht nur mobil,

29:21sondern auch erstaunlich schnell wird.

29:26Mit dem Pferd überwinden Reiternomaden, Boten und Krieger

29:30nun Distanzen von bis zu 100 Kilometern am Tag.

29:40Handels-Karawanen durchziehen ganze Kontinente.

29:43Und bringen die Gruppen miteinander in Kontakt.

29:52Und auf Flüssen sind die Menschen nun mit dem Boot unterwegs.

29:56Und erreichen Gegenden,

29:57die sich auf dem Landweg nur schlecht bereisen lassen.

30:05Sogar das Mittelmeer lässt sich schon zu dieser Zeit

30:08in nur wenigen Tagen überqueren.

30:13Transportsysteme, Techniken der Landwirtschaft und Formen

30:17der Kommunikation haben sich in den getrennten Welten

30:21im Detail zwar anders herausgebildet.

30:23Die großen Ideen haben Menschen aber überall:

30:30Alle treiben Handel.

30:32Erst Tauschhandel, später erfinden sie eine Form von Geld.

30:41Alle komponieren Musik, erschaffen Kunst, entwickeln eine Religion.

30:52Und überall bilden sich gesellschaftliche Hierarchien heraus.

31:01Es entstehen Reiche.

31:02Auf deren Gebiet ist es für die Menschen sicherer und leichter,

31:07den Wohnort zu wechseln.

31:08Es gibt bessere Infrastruktur

31:10und zunehmend ähnliche Regeln und Gebräuche.

31:14Das gilt für das Reich der Pharaonen genauso

31:17wie für das despotisch regierte Babylon.

31:20Das zahlreiche Völker des Nahen Ostens

31:22in einem Großreich zusammenführt.

31:29Und es gilt auch für das Perserreich,

31:32dessen Herrscher ihren Untertanen mit Toleranz entgegentreten.

31:39Mit dem Beginn der klassischen Antike

31:42mehren sich für Europa die Schriftquellen,

31:45sodass wir nun viel häufiger wissen, wer wo siedelte.

31:49Und warum die Menschen ihre Regionen verließen.

31:58Eines der bedeutendsten Imperien ist das Römische Reich.

32:03Während seiner größten Ausdehnung

32:06leben dort etwa 100 Millionen Menschen.

32:08Das ist fast die Hälfte der damaligen Weltbevölkerung.

32:15Das Imperium ist ein riesiger Migrationsraum.

32:19Erschlossen durch gepflasterte Straßen,

32:21die die Mobilität des einzelnen vereinfachen.

32:26Die moderne Infrastruktur ist nicht nur einfach praktisch,

32:30sie ist auch ein Luxus, der viele Menschen anzieht.

32:34Die Römer bauen insgesamt über 100.000 km Straßen

32:38und verbinden den ganzen Kontinent.

32:42Für die Strecke von Rom nach Gibraltar braucht man nur 14 Tage.

32:46Und von Konstantinopel bis nach Schottland sogar nur zwölf.

32:55Das Imperium bringt verschiedene Völker zusammen.

33:01Sie werden vereint durch einheitliches Recht, durch Steuern,

33:05Währung und Militär.

33:11Die Bürger können sich frei und einfach bewegen, Handel treiben

33:15und umziehen, wohin sie wollen.

33:18So lockt das Römische Reich Millionen von Menschen an.

33:22Aber nicht nur allein die Stabilität macht es so attraktiv,

33:26sondern auch sein Komfort:

33:30Frisches Wasser wird direkt in die Städte geleitet

33:33für die vielen Brunnen und Thermen.

33:36Und es wird für Unterhaltung gesorgt.

33:40Für Einwanderer ist es möglich, das römische Bürgerrecht zu erlangen.

33:45Sie können beispielsweise als Rekruten in der Armee dienen

33:49und müssen Steuern bezahlen.

33:51Auch Handwerker und Händler kommen von überall her nach Rom.

33:55Ihre Waren sichern den hohen Lebensstandard der Hauptstadt.

33:59Rom ist die multikulturellste Metropole ihrer Zeit.

34:02Doch nicht alle kommen freiwillig.

34:04Hunderttausende werden als Sklaven ins Reich deportiert.

34:09Sie sind Kriegsgefangene, die in den Städten verkauft werden.

34:13Doch auch sie werden in der Regel schnell integriert.

34:21Das will mir die Archäologin Carlotta Caruso an einem Beispiel erläutern.

34:26Und führt mich durch die römischen Thermen von Kaiser Diocletian

34:30zu einem ganz besonderen Grabstein.

34:38Das ist das Grab von Gaio Geminio Salvio,

34:41einem reichen und freien Römer, der einige Sklaven hatte.

34:46Zwei seiner ehemaligen Sklaven haben seine Beerdigung organisiert

34:50und diesen Grabstein aufgestellt.

34:53Jetzt versuch ich mal, zu lesen, okay?

34:56Ficarunt Gaius Geminius Caritu Libertus.

34:59Libertus heißt doch "freigelassen". Ist das ein Freigelassener?

35:04Genau. Der "libertus" und die "liberta",

35:06die sogar die Ehefrau des verstorbenen Salvi war.

35:10Sie sind ganz typisch für die römische Gesellschaft.

35:13Kriegsgefangene, also Sklaven, die aus aller Welt kamen,

35:17konnten freigelassen und dann sogar Bürger Roms werden.

35:21Theoretisch war es möglich,

35:22vom Sklaven zum Millionär zu werden. Das ging.

35:26Ja, das war möglich.

35:27Rom schränkte freigelassene Sklaven nicht ein, sondern integrierte sie.

35:32Ab der zweiten Generation wurden sie dann echte Bürger.

35:36Und durften am politischen Leben teilnehmen.

35:39Sie konnten Reichtum und politische Macht erlangen. Warum auch nicht?

35:43Doch ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. wankt das Römische Imperium.

35:48Ein Reich, in das 1000 Jahre lang die Menschen eingewandert sind.

35:55An seinen Grenzen formieren sich immer größere Gruppen,

35:58die hineinwollen.

36:00Im Norden erst germanische Völker, im Osten dann slawische.

36:04Sie alle überschreiten die langen Grenzen des Reiches.

36:08Es ist der Beginn der "Völkerwanderung".

36:14Viele Neuankömmlinge verhandeln mit den Römern.

36:17Bekommen Land zugewiesen und leisten dafür Kriegsdienst.

36:23Ihre Gründe zu wandern sind vielfältig.

36:25Das Klima oder lokale Konflikte lassen Gruppen aufbrechen,

36:29die wiederum andere in Bewegung setzen.

36:32Eine Kettenreaktion ist die Folge.

36:39Doch es sind nicht komplette Völker, die gesammelt umherziehen.

36:43Sondern vielmehr Gruppen, die mal in Bewegung sind

36:46und mal an einem Ort bleiben.

36:49Einige tun sich zusammen, lösen sich aber dann auch wieder auf.

36:53So verschieben sich die ethnischen Grenzen innerhalb Europas.

36:57Es ist eine Zeit der Transformation.

37:06Die allermeisten Gruppen wollen ins Römische Reich,

37:09das ein besseres Leben und Sicherheit verheißt.

37:12Doch wie lange noch?

37:19Die Grenzen des Imperiums im Norden und Osten

37:22halten die Einwanderer nicht länger ab.

37:25Wälle und Wehranlagen werden aufgegeben.

37:34Eine innere Krise Roms tut ihr übriges.

37:37Das Imperium hält dem Druck von außen nicht mehr stand

37:40und kollabiert.

37:43Und auch außerhalb Europas ist die Welt in Bewegung.

37:47In dieser Zeit besetzen in China asiatische Nomadengruppen

37:51den Norden des Kaiserreichs.

37:52Und lösen eine Wanderungs-Bewegung in Asien aus.

37:59In Mittelamerika bauen die Maya damals große Kult-Stätten.

38:03Ihre Hochkultur übt einen großen Einfluss

38:06auf die umliegenden Bevölkerungen aus.

38:14Und in Polynesien werden die letzten unbewohnten Inselgruppen

38:18im Pazifik besiedelt.

38:20Noch gibt es keinen direkten Austausch zwischen Asien und Amerika,

38:24zwischen Amerika und Europa.

38:29Mit dem Ende Roms geht ein Reich unter,

38:32das Jahrhunderte mit und durch Einwanderung funktioniert hat.

38:40Die einstmals wandernden Gruppen kommen jetzt an.

38:44Und gründen eigene Reiche

38:46auf den Territorien des ehemaligen Imperiums.

38:58Von Roms einstiger Größe zeugen heute nur noch die Ruinen.

39:09Wie immer in der Geschichte war das Ende auch ein Anfang.

39:13Der Beginn von etwas Neuem.

39:15Die Franken füllen nun das Machtvakuum in der Mitte Europas.

39:21Karl der Große schmiedet mit Schwert und Kreuz

39:25im Mittelalter ein neues Reich.

39:27Er wird zum mächtigsten Mann in Europa.

39:29Und lässt sich im Jahr 800 zum Kaiser krönen.

39:35Unter seinen Nachfolgern dehnt sich das Reich

39:38immer weiter in den Osten aus.

39:43In diese Gebiete ziehen Hunderttausende Menschen und bleiben.

39:49Im Süden und Westen allerdings expandiert eine andere Macht.

39:59Ausgehend von Mekka verbreitet sich ab dem 8. Jh. n. Chr.

40:03der Islam bis ins heutige Marokko.

40:07Im Jahr 711 beginnen muslimische Truppen

40:10mit der Eroberung der iberischen Halbinsel.

40:13Die einstigen germanischen Eroberer

40:16werden nun selbst zu Eroberten.

40:21Den Armeen folgen zivile Einwanderer nach al-Andalus.

40:25Wo sie gemeinsam mit den christlichen und jüdischen Einwohnern leben.

40:31Zusammen erschaffen sie eine Hochkultur,

40:34die Jahrhunderte Bestand hat.

40:39Das Wissen der arabischen Welt kommt nach Europa.

40:42Sei es in der Architektur, in der Astronomie.

40:50Oder in der Medizin.

40:57Die aus Arabien mitgebrachten chirurgischen Instrumente

41:01und Verfahren revolutionierten die Heilkunst.

41:04Auch auf der iberischen Halbinsel.

41:06Teilweise finden sie bis heute Verwendung.

41:11Das Gleiche gilt für die Mathematik und die Philosophie,

41:15die vom arabischen Osten nach Europa kamen.

41:18Es ist ein ungeheurer Entwicklungssprung.

41:21Ausgelöst durch Wanderungen von Menschen.

41:25Doch mit dem 15. Jahrhundert endet diese Blütezeit.

41:31Die Königin von Spanien erobert die iberische Halbinsel zurück.

41:35Vertreibt alle Mauren und Juden.

41:40Isabella ist nun die mächtigste Frau Europas.

41:43Sie träumt von den Reichtümern Indiens.

41:46Und gibt mutigen Männern den Auftrag,

41:48im Westen den Seeweg in den fernen Osten zu suchen.

41:581492 beginnt mit 87 Abenteurern ein neues Zeitalter.

42:08Schweinehirten und Totschläger, die statt der Kerkerhaft

42:12die Fahrt ins Ungewisse wählen,

42:14wagen sich über die ihnen bekannten Grenzen hinaus.

42:29Christoph Kolumbus und die ihm nachfolgenden Seefahrer und Entdecker

42:34wollen die Welt für ihre Herrscher erobern.

42:36Und lösen damit die nächste große und weltweite Migrationsbewegung aus.

42:49Untertitel im Auftrag des ZDF, 2018

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