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13- Zahnchirurgie einfach erklärt! 🦷 Extraktion, Osteotomie & Komplikationen | FSP Zahnmedizin 🇩🇪

Dental Learning is Fun · 1,853 words · 9 min read

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0:00Herzlich willkommen zu unserer heutigen

0:01Analyse. Wir werfen heute einen sehr

0:04genauen Blick auf die zahnärztliche

0:06Chirurgie und stützen uns dabei komplett

0:09auf das achte Kapitel ihrer Unterlagen.

0:12Hallo auch von meiner Seite.

0:14Wir gehen da ja quasi den Lebenszyklus

0:16eines Problems durch. Erst muss etwas

0:18raus, dann versucht man etwas zu retten

0:21und am Ende schauen wir, wie man etwas

0:23völlig Neues erschafft.

0:24Genau. Und es geht darum, die Logik

0:27dahinter zu verstehen, dass Begriffe wie

0:29Extraktion oder Resektion am Ende ähm

0:32einfach verständlich werden und man

0:34weiß, was da eigentlich passiert.

0:35Fangen wir doch direkt beim Klassiker

0:37an, der Zahnextraktion. Für die meisten

0:40klingt das ja simpel. Spritze, Zange,

0:42raus, fertig. Ja, die Vorstellung ist

0:45weit verbreitet,

0:46aber als ich die Liste der möglichen

0:47Komplikationen in den Unterlagen gesehen

0:49habe, dachte ich mir, Moment mal, was

0:51kann denn alles passieren, während der

0:53Zahnarzt da im Werk ist?

0:55Da gibt es einiges. Man arbeitet ja auf

0:57engstem Raum, oft mit ziemlicher Kraft.

1:00Das Offensichtlichste sind Verletzungen

1:02der Weichteile,

1:03also Wange oder Zunge.

1:05Genau, man rutscht mal ab. oder was

1:08häufiger vorkommt, der Zahn bricht, die

1:10Krone splittert ab und ein Stück Wurzel

1:13bleibt stecken.

1:14Und das macht es dann komplizierter,

1:16deutlich. Dann muss man anfangen zu

1:18operieren, um den Rest rauszubekommen.

1:20In den Unterlagen stehen aber auch noch

1:22gravierendere Dinge. Kieferfraktur z.B.

1:24Richtig. Das ist zwar selten, aber ein

1:27bekanntes Risiko. Besonders bei den

1:29oberen Backenzähnen gibt es den

1:31sogenannten Tubira Abriss. Das ist ein

1:34Knochenteil hinter dem letzten Zahn, der

1:36abbrechen kann.

1:37Und der Unterkiefer kann wirklich

1:39brechen?

1:39In Extremfällen? Ja. Oder er ränkt sich

1:42aus, eine Luxation, wenn der Mund

1:44einfach zu lange, zu weit offen ist. Ein

1:46Punkt hat mich aber wirklich stutzig

1:48gemacht, die Eröffnung der Kieferhöhle,

1:52diese Mundantrumverbindung

1:55MAV, die Vorstellung, dass da nur eine

1:58dünne Wand ist, ist schon speziell.

2:02Ja, das ist faszinierende Anatomie. Bei

2:05vielen Menschen ragen die Wurzeln der

2:08oberen Backenzähne direkt in die

2:10Kieferhöhle hinein.

2:12Und dazwischen ist fast nichts.

2:14Manchmal nur eine papierdünne

2:16Knochenlamelle, manchmal auch nur

2:18Schleimhaut. Wenn man den Zahn zieht,

2:20ist eine Verbindung dann quasi

2:22vorprogrammiert.

2:24Das ist aber doch ein bekanntes Risiko,

2:26oder? Damit rechnet der Behandler.

2:28Absolut. Das hat man auf dem Schirm. Es

2:30ist auch nicht alltäglich, aber es kommt

2:32vor. Man testet das dann sofort.

2:34Wie denn?

2:35Mit dem sogenannten Nasenblasversuch.

2:38Sie halten sich die Nase zu und

2:39versuchen ganz sanft durch die Nase zu

2:41pusten

2:42und dann

2:42hört man was genau. Wenn es zischt oder

2:45Luftbläschen aus der Wunde kommen, ist

2:47die Verbindung da. Dann wird die Öffnung

2:50sofort mit einem kleinen

2:51Schleimhautlappen dicht vernäht.

2:53Und was muss man dann als Patient

2:55beachten?

2:56Das ist das A und O. Die wichtigste

2:58Regel: Auf gar keinen Fall die Nase

3:01schneuzen.

3:02Ah. wegen des Drucks.

3:03Exakt. Jeder Druck, auch niesen mit

3:06zugehaltenem Mund, würde die Naht sofort

3:08wieder aufreißen.

3:09Okay, der Zahn ist draußen, der Eingriff

3:12ist vorbei, aber die eigentliche Arbeit

3:14für den Patienten fängt ja oft erst an.

3:17Es gibt da dieses Phänomen in den

3:18Unterlagen, die trockene Alveole. Das

3:21klingt furchtbar.

3:22Das ist es auch. Das ist eine der

3:24schmerzhaftesten Komplikationen

3:25überhaupt.

3:26Was passiert da genau?

3:28Stellen Sie sich das Blutgerinsel vor,

3:30das sich in dem leeren Zahnfach bildet.

3:32Dieses Koagulum.

3:33Mhm.

3:34Das ist quasi ein biologischer

3:36Wundverband, ein Pfropf, der den extrem

3:39empfindlichen Knochen darunter schützt.

3:41Und bei der trockenen Alveole ist er

3:43weg.

3:44Genau. Er löst sich auf oder wird

3:46rausgespült und dann liegt der

3:48Kieferknochen blank.

3:49Autsch.

3:50Und ein freiliegender Knochen schreit

3:52förmlich vor Schmerz. Die Ursachen sind

3:54oft rauchen, direkt nach dem Eingriff

3:57oder zu starkes Spülen.

3:58Und die Symptome,

3:59die sind sehr typisch. Dre vier Tage

4:02nach dem Ziehen fangen plötzlich

4:04unerträgliche Schmerzen an und oft

4:06riecht es auch sehr unangenehm.

4:08Und die Therapie, die in den Unterlagen

4:09steht, die klingt ja erstmal paradox.

4:12Man soll die Wunde noch mal aufkratzen,

4:13um eine neue Blutung zu erzeugen.

4:15Das ist eine exzellente Frage, weil es

4:17sich total widersprüchlich anfühlt.

4:19Ja, warum macht man das?

4:21Die Logik ist aber zwingend. Ohne dieses

4:23Blutgrinsel gibt es keine Heilung. Der

4:25Körper braucht einen zweiten Versuch.

4:27Also wird unter Betäubung der Knochen

4:29ganz vorsichtig angekratzt, bis es

4:31wieder blutet,

4:32um ein neues Koagulum zu bilden.

4:34Exakt. Und dann legt man oft noch einen

4:36medikamentösen Streifen ein, der den

4:38Schmerz lindert.

4:39Das heißt, die Verhaltensregeln für Sie

4:41als Patient sind eigentlich ganz einfach

4:43abzuleiten.

4:44Absolut.

4:45Am ersten Tag nicht spülen, kein Kaffee,

4:48nicht rauchen, keine Anstrengung und

4:50kühlen.

4:51Genau. Mit feuchtkalten Umschlägen. Der

4:54Patient hat es da wirklich zu einem

4:55großen Teil selbst in der Hand. Okay,

4:57verlassen wir mal das Feld der

4:59Extraktion. Was ist, wenn man einen Zahn

5:01unbedingt erhalten will? Dann kommen wir

5:03zur Wurzelspitzenresektion

5:05der WSR.

5:06Richtig, das ist sozusagen der letzte

5:08Versuch, der Plan B, wenn eine normale

5:11Wurzelbehandlung nicht funktioniert hat,

5:12die Entzündung an der Wurzelspitze also

5:14nicht weggeht. Genau. Das Ziel ist es

5:17chirurgisch von außen an diese

5:19Problemzone heranzukommen, die

5:21Wurzelspitze zu kappen und das

5:23Entzündungsgewebe zu entfernen.

5:25Das klingt nach einem mikrochirurgischen

5:27Eingriff. Wie läuft das ab?

5:29Das ist es auch. Man klappt das

5:30Zahnfleisch weg, um den Knochen

5:32freizulegen. Dann bohrt man ein kleines

5:35Fenster in den Knochen direkt über der

5:37Wurzelspitze

5:38und dann wird die Spitze gekappt

5:40um etwa 3 mm. Ja, das nennt man

5:42Ressektion. Dann wird das entzündete

5:45Gewebe drumherum ausgekratzt. Und ganz

5:47wichtig ist oft der retrograde

5:49Verschluss.

5:50Was ist das?

5:50Man dichtet den Wurzelkanal von der

5:52frisch geschnittenen Spitze her mit

5:54einem speziellen Zement ab, damit keine

5:56Bakterien mehr rausknen.

5:58Die große Schwierigkeit ist hier aber

5:59die Lage, oder? Man arbeitet ja in der

6:01Nähe von Nerven und anderen Strukturen.

6:04Exakt. Das ist das Hauptrisiko. Im

6:06Oberkiefer ist es wieder die

6:08Kieferhöhle.

6:09Die kennen wir ja schon. Genau. Und im

6:12Unterkiefer ist es der große

6:14Unterkiefernerv, der nervus alveolaris

6:16Inferior,

6:17der für das Gefühl in Lippe und Kinn

6:19zuständig ist.

6:20Richtig, der verläuft auf den

6:22unmittelbarer Nähe zu den Wurzelspitzen.

6:25Ihn zu reizen oder zu verletzen ist das

6:27größte Risiko.

6:29Mit welcher Folge?

6:30Das kann zu einem Taubheitsgefühl in der

6:32Unterlipe und am Kinn führen. Meistens

6:35vorübergehend, in ganz seltenen Fällen,

6:37aber auch dauerhaft.

6:39Okay, vom gezielten Eingriff kommen wir

6:41jetzt zu etwas, das eher im Verborgenen

6:43wächst. Züsten. Im Rönkenbild steht da

6:46oft nur scharf begrenzte Aufhellung.

6:49Man kann sich eine Züste wie einen

6:50kleinen luftdichten Ballon vorstellen,

6:53der sich ganz langsam im Knochen

6:54aufblädht.

6:55Ein Ballon?

6:56Ja, ein Hohlraum gefühlt mit

6:58Flüssigkeit. Und die Hülle dieses

7:00Ballons, der Züstenbalk, produziert

7:03immer mehr Flüssigkeit. Dadurch steigt

7:05der Druck und die Züste verdrängt

7:07langsam den Knochen.

7:08Und wie wird man diesen Ballon wieder

7:09los?

7:10Es gibt zwei grundsätzliche Wege. Der

7:12Radikale ist die Zystektomie.

7:15Man schält den ganzen Ballon, den

7:17Züstenbalk komplett raus und näht zu.

7:20Der Körper fühlt das Loch dann wieder

7:21mit Knochen auf.

7:22Und der schundere Weg,

7:24die Zystomie. Da schneidet man ein

7:26großes Fenster in die Züste und macht

7:28sie zu einer Art Nebenbucht der

7:30Mundhöhle.

7:31Ah, man lässt den Druck ab. Genau. Der

7:33Druck ist sofort weg, das Wachstum

7:35stoppt und der Knochen kann langsam von

7:37unten wieder nachwachsen.

7:38Von diesem schön gekapselten Problem

7:40kommen wir jetzt zum Gegenteil der

7:42ungebremsten Ausbreitung. Odontogene

7:45Infektionen, also Abzesse.

7:47Absolut. Da ist nichts mehr gekapselt.

7:49Der Eiter sucht sich unaufhaltsam seinen

7:51Weg.

7:52Wie läuft das ab?

7:53Es startet an der Wurzelspitze, frisst

7:55sich durch den Knochen und sammelt sich

7:57dann unter der extrem

7:58schmerzempfindlichen Knochenhaut. Das

8:01ist die Phase mit den pochenden

8:02Schmerzen.

8:03Ganz schlimm. Ja. Und wenn der Druck zu

8:05groß wird, bricht der Eiter durch und

8:07liegt dann unter der Schleimhaut. Das

8:09ist dann die klassische dicke Backe.

8:11Und die muss man aufschneiden, also

8:13inzidieren. Das klingt furchtbar, aber

8:16die Erleichterung muss ja riesig sein.

8:18Die ist unmittelbar. In dem Moment, wo

8:20der Alter abfließen kann, ist der

8:22Druckschmerz weg.

8:24Das ist aber der Punkt, an dem es noch

8:25lokal ist. Gefährlich wird es, wenn es

8:28sich ausbreitet, oder? Ja, wenn die

8:30Infektion in die Weichteilräume des

8:32Halses die sogenannten Logen wandert.

8:34Was sind da die roten Flaggen? Wann wird

8:35es richtig gefährlich?

8:37Da müssen alle Alarmglocken angehen.

8:40Erstens, Funktionsstörungen,

8:43eine Kieferklemme, wenn man den Mund

8:44nicht mehr aufbekommt.

8:46Okay.

8:47Schluckbeschwerden und im schlimmsten

8:49Fall Atemnot.

8:51Zweitens, der Allgemeinzustand,

8:53hohes Fieber, Schüttelfrast, wenn man

8:56sich richtig krank fühlt.

8:57Und hier wird in den Unterlagen ja klar

8:59zwischen Abszess und Flickmone

9:01unterschieden.

9:02Das ist die entscheidende

9:03Unterscheidung. Ein Abszess ist Eiter in

9:06einer Kapsen. Eine Flegmone ist eine

9:08diffuse, sich bretthart und rasend

9:11schnell ausbreitende Infektion ohne jede

9:13Kapse.

9:14Die breitet sich einfach im Gewebe aus.

9:17Flächig. Ja, das ist die absolute rote

9:20Linie, da gibt es keine Diskussion. Das

9:22ist ein intensiv medizinischer Notfall.

9:25Ab ins Krankenhaus.

9:26Damit sind wir am Ende unserer Reise

9:28angekommen bei der Rekonstruktion, das

9:31Implantat. Viele denken da ja an eine

9:33einfache Schraube.

9:35Das wird der Sache überhaupt nicht

9:36gerecht. Ein modernes Implantat besteht

9:39aus drei Teilen. Dem Implantatkörper

9:41selbst, der Titanwurzel, die im Knochen

9:44festwächst.

9:45Osteointegration nennt man das. Genau.

9:48Dann kommt der Aufbau des Abutment, das

9:50aus dem Zahnfleisch ragt und darauf dann

9:52die eigentliche Krone, also die

9:54Suprakonstruktion.

9:56Bei der Einheilung gibt es ja zwei

9:58völlig verschiedene Wege, so wie es in

9:59den Unterlagen steht.

10:00Richtig, gedeckt und offen. Bei der

10:03gedeckten Methode wird das Implatat

10:05eingesetzt und das Zahnfleisch komplett

10:07drüber zugenäht. Es halt dann monatelang

10:09geschützt im Knochen.

10:11Man braucht aber einen zweiten Eingriff,

10:12um es freizulegen.

10:14Korrekt. Vorteil ist der maximale

10:16Schutz. Nachteil sind zwei OPs

10:18und die Alternative,

10:19die offene einseitige Einheilung, da

10:22schaut von Anfang an ein kleiner

10:23Metallpfosten, ein Gingivarformer aus

10:25dem Zahnfleisch raus.

10:27Man spart sich also den zweiten

10:28Eingriff.

10:29Ja, aber man hat ein potenziell höheres

10:31Infektionsrisiko und lebt eben

10:33monatelang mit diesem Metallteil im

10:35Mund.

10:36Und auch wenn alles gut geht, gibt es

10:37Spätkomplikationen. Die Periimplantitis,

10:41das klingt sehr nach Parodontitis. Das

10:43ist die exakte Parallele. Es ist die

10:45Parodontitis des Implantats. Eine

10:47Entzündung, die den Knochen um das

10:49Implantat herum abbaut. Mit den gleichen

10:51Ursachen,

10:52sehr ähnlichen, bakterielle Belege, also

10:55mangelnde Hygiene, aber auch Überlastung

10:57oder genetische Faktoren. Im schlimmsten

11:00Fall verliert man das Implantat wieder.

11:02Das bedeutet also, ein Implantat ist

11:04kein wartungsfreies Bauteil. Auf gar

11:06keinen Fall, das ist ein großer

11:08Irglaube. Es braucht mindestens so viel,

11:10wenn nicht sogar mehr und

11:12professionellere Pflege als ein eigener

11:14Zahn.

11:14Wir haben heute also eine Reise durch

11:17die zahnärztliche Chirurgie gemacht, von

11:19der Extraktion über den Rettungsversuch

11:22bis zur Rekonstruktion.

11:24Es ist ein Feld von äh sehr präzisen

11:28kalkulierten Eingriffen.

11:29Absolut. Und das bringt uns vielleicht

11:32zu einem letzten Gedanken. Die

11:34Unterlagen beschreiben ja sehr genau die

11:36Risiken des Handelns, also die

11:38Komplikationen bei einem Eingriff.

11:40Mhm.

11:41Aber viel seltener spricht man über die

11:42Risiken des Nichthandelns, die

11:45Infektion, die zur Flegmone wird, der

11:47Knochen, der nach einem Zahnverlust

11:49immer weiter schwindet.

11:50Das ist ein interessanter Punkt.

11:52Das wirft eine spannende Frage zur

11:54Risikowahrnehmung auf. Finden Sie nicht?

11:56Wie wägen wir ein konkretes, aber meist

11:58geringes Operationsrisiko gegen die

12:01schleichenden, aber potenziell viel

12:03größeren Gefahren des Abwartens ab?

12:05Eine Frage, die weit über die

12:06Zahnmedizin hinausgeht.

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