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0:00Hallo und herzlich willkommen. Heute
0:02begeben wir uns mal auf eine Reise in
0:04ihren Mund und zwar mit der Präzision
0:06eines Zahnarztes. Das klingt fast ein
0:08bisschen bedrohlich.
0:09Nein, gar nicht. Wir haben hier nämlich
0:11ein Fachskript für angehende
0:13Zahnmediziner vor uns und das befasst
0:15sich nur mit einem Thema. Prophylaxe.
0:18Genau.
0:19Unsere Mission heute ist also wir räumen
0:21mal mit dem Mythos auf, dass Prophylaxe
0:24nur Zähne polieren bedeutet.
0:26Absolut. Wir wollen die komplette
0:28Verteidigungsstrategie dahinter
0:29entschlüsseln und mal schauen, wie Sie
0:32vom passiven Patienten zum aktiven
0:34Manager ihrer eigenen Mundgesundheit
0:36werden können.
0:37Exakt. Und wir decken dabei sozusagen
0:39die Taktik der Profis auf. Das ist ein
0:41bisschen wie beim Schach. Man muss die
0:43Züge des Gegners, also Karies und
0:45Parodontites, vorhersehen.
0:47Okay,
0:48wir schauen uns an, wie ihr Zahnarzt
0:50eine individuelle Risikobewertung
0:52erstellt, welche Hightech Waffen bei der
0:55Reinigung zum Einsatz kommen.
0:58Hightech Waffen.
0:59Ja, und am Ende enthüllen wir noch einen
1:01ziemlich genialen Trick, der das Bohren
1:03oft überflüssig macht.
1:04Okay, dann lass uns mal mit der großen
1:06Strategie anfangen, der wie du sagst
1:08Kriegskarte gegen Karius. Das Krypt
1:11unterteilt die Prävention ja in
1:13verschiedene Stufen.
1:14Mhm.
1:15Das klingt sehr militärisch. Was
1:17verbirgt sich denn dahinter?
1:18Na ja, stellen Sie sich weniger als
1:20Stufen vor, sondern mehr als
1:21Verteidigungslinien.
1:23Die erste und allerwichtigste Linie ist
1:25die primäre Prävention. Primär, also
1:27das, was zuerst kommt.
1:29Genau. Hier geht es darum, den Feind gar
1:31nicht erst auf den Plan zu rufen. Das
1:33sind die Dinge, die sie selbst in der
1:35Hand haben. Eine zuckerarme Ernährung,
1:37gründliche Hygiene, Fluride.
1:39Die tägliche Routine im Grunde.
1:41Richtig. Laut Skript beginnt das sogar
1:44schon bei Schwangeren, um zu verhindern,
1:46dass Karies Bakterien überhaupt erst an
1:48das Kind weitergegeben werden. Also die
1:51unsichtbare Mauer, die man jeden Tag
1:53selbst aufbaut, aber keine Mauer ist ja
1:56perfekt. Was ist denn dann die zweite
1:58Verteidigungslinie?
1:59Das ist die sekundäre Prävention. Hier
2:02hat der Gegner die erste Linie schon
2:04durchbrochen, aber wir erwischen ihn
2:06ganz früh.
2:07Ah, okay.
2:08Das ist die klassische Prophylaxe, wie
2:09wir sie eigentlich kennen. Die
2:11regelmäßige Kontrolle, bei der Zahnarzt
2:14nach Schwachstellen sucht, die
2:15professionelle Zahnreinigung, die
2:17feindliche Stellungen räumt.
2:19Mhm. Oder eine Fisurenversiegelung, die
2:22eine Einfallsschneise schließt.
2:23Verstehe.
2:24Exakt. Hier wird aktiv eingegriffen,
2:27damit eine kleine Schwachstelle eben
2:29nicht zum großen Disaster wird. Und wenn
2:31noch das nicht reicht, wenn der Schaden
2:33schon da ist,
2:34tja, dann sind wir in der terziären
2:35Prävention, dem Wiederaufbau nach der
2:38Schlacht.
2:38Also Füllungen, Kronen,
2:40das sind dann Füllungen, Kronen,
2:42Zahnersatz. Man repariert, was zerstört
2:45wurde. Das Ziel der gesamten modernen
2:48Zahnmedizin ist es natürlich, diese
2:49dritte Linie niemals erreichen zu
2:51müssen.
2:52Das ist klar. Bevor wir aber tiefer in
2:55die Taktiken eintauchen, müssen wir ja
2:57den Gegner kennen. Das Skript spricht
2:59von Plug. Aber nicht als Essensreste,
3:02sondern als oralen Biofilm. Das klingt
3:07bedrohlicher.
3:08Das ist es auch. Stellen Sie sich das
3:10nicht wie lose Krümel vor,
3:12sondern
3:13sondern wie eine festorganisierte
3:15Bakterien WG, die auf ihrem Zahn eine
3:18richtige Festung baut. Dieser Biofilm
3:21ist extrem hartnäckig, hat eine eigene
3:24Infrastruktur und eine ganz klare
3:26Mission, den Zahn anzugreifen und zu
3:29demineralisieren.
3:30Eine Bakterienfestung.
3:32Okay. Und diese Festung greift ja nicht
3:35nur mit Karies an. Ich sehe hier noch
3:38drei Begriffe, die alle nach Abnutzung
3:40klingen. Abrasion, Erosion und
3:43Attrition. Das wird ja auf den einen
3:45Topf geworfen.
3:46Genau. Aber die Ursachen sind völlig
3:47verschieden und damit natürlich auch die
3:49Verteidigungsstrategie.
3:51Okay.
3:51Abrasion ist mechanischer Verschleiß von
3:54außen. Der Klassiker, sie schrubben mit
3:56zu viel Druck oder einer Zahnpasta mit
3:58zu groben Putzkörpern
4:00und fallen sich quasi den Zahn weg.
4:01Ja, man fallt sich regelrecht
4:03keilförmige Defekte in den Zahnhals.
4:06Erosion hingegen ist ein chemischer
4:08Angriff. Hier löst Säure den Schmelz
4:10auf, die aber nicht von Bakterien kommt.
4:13Also z.B. Z.B. Magensäure.
4:14Magensäure bei Reflux oder der ständige
4:17Schluck Cola oder Smoothie.
4:18Und Attrition ist dann der Abrieb von
4:20Zahn auf Zahn. Das passiert beim
4:22Knirschen, dem Bruxismus.
4:24Alles klar. Okay, jetzt kommen wir ja
4:26für mich zum spannendsten Teil. Bisher
4:29war das ja alles Theorie, aber wie wird
4:32daraus jetzt mein ganz persönlicher
4:34maßgeschneiderter Vorsorgefahrplan?
4:37Mhm.
4:38Wie liest der Zahnarzt aus meinem Mund,
4:41was ich wirklich brauche? Das ist
4:43Detektivarbeit mit System. Es beginnt
4:46mit der Erhebung von Indizs, also
4:48Messwerten. Und zwei davon sind wirklich
4:51entscheidend, um Sie zu verstehen. Der
4:53API und der PBI.
4:55API und PBI. Das klingt jetzt sehr
4:59technisch. Was verraten die dem Zahnarzt
5:01über mich?
5:02Das ist der entscheidende Punkt. Der
5:04API, der Approximalraum Plugindex ist
5:07wie ein Blitzerfoto.
5:08Ein Blitzerfoto?
5:10Ja. Er erwischt sie, wenn Sie heute
5:12morgen in den Zahnzwischenräumen
5:13geschludert haben. Ist der Plack? Ja
5:16oder nein? Eine Momentaufnahme.
5:18Und der PBI,
5:19aber der PBI, der Papillenblutungsindex,
5:21der die Blutungsneigung misst, der ist
5:23wie ein Langzeitkg.
5:25Ah,
5:26der lügt nicht. Er verrätt den Zahnarzt,
5:28wie ehrlich sie mit der Zahnseide in den
5:30letzten Wochen waren. Blutendes
5:32Zahnfleisch ist im Grunde ein stiller
5:34Alarm, den viele überhören, aber er
5:38zeigt eine chronische Entzündung an.
5:40Verstehe. Das Blitzerfoto für die
5:42Tagesform und das EKG für den
5:44Lebenswandel. Und wenn diese Daten dann
5:46da sind,
5:47dann werden auf die Belege angefärbt mit
5:49diesen lila Tabletten oder Lösungen, die
5:51Sie vielleicht aus der Kindheit kennen.
5:53Oh ja.
5:54Und das ist nicht zur Demütigung
5:55gedacht, sondern um ihn selbst die Augen
5:58zu öffnen. Ah, da komme ich also nie
6:00hin. Das ist die Grundtage für den
6:03wichtigsten Schritt, die Motivation. Und
6:05daraus leitet sich dann die ganz
6:07konkrete Waffen und Taktikschulung ab,
6:09sozusagen.
6:10Ganz genau.
6:11Bleiben wir mal bei der Waffenschulung.
6:13Das Skript erwähnt die Basstechnik, eine
6:15rüttelnde Bewegung. Aber mal ehrlich,
6:17wer hat morgens um 6:30 Uhr die
6:19Konzentration, das an jeden Zahn perfekt
6:21umzusetzen?
6:23Ja,
6:24ist eine elektrische Zahnbürste da nicht
6:26einfach die, na ja, idiotensicherere
6:28Lösung?
6:28Eine sehr berechtigte Frage. Die
6:30elektrische Zahnbürste nimmt einem
6:32tatsächlich viel von der korrekten
6:34Bewegung ab. Das Skript unterscheidet
6:36hier ja auch schön zwischen den
6:37oszillierenden runden Köpfen
6:38und den Schlzahnbürsten
6:40und den Schallzahnbürsten, die zehn mal
6:41schneller schwingen. Die können anfangs
6:43kitzeln fast wie ein Schwarm Ameisen im
6:45Mund.
6:47Aber die Reinigungsleistung ist
6:48phänomenal. Die Basstechnik mit der Hand
6:50ist jedoch die hohe Kunst, weil man den
6:53Borstendruck und den Winkel perfekt
6:55steuern kann, besonders am kritischen
6:56Zahnfleischsaum.
6:57Verstehe. Und was ist mit der
6:59Achillesfse der meisten Leute? dem
7:01Zahnzwischenräumen, Zahnseide,
7:03Bürstchen. Wann nehme ich da was?
7:06Die Regel ist eigentlich ganz einfach.
7:08Wo es passt, ist das Bürstchen König.
7:11Okay,
7:11besonders bei größeren Lücken, wie sie
7:13oft im Alter oder bei Parodontitis
7:15entstehen, ist eine Interdentalbürste
7:17unschlagbar. Die klassische Zahnseide
7:20ist der Spezialist für sehr enge
7:22Kontaktpunkte, wo sonst nichts
7:23durchkommt.
7:24Und was ist mit Superfloss? Und für
7:26Spezialfälle wie Brücken oder
7:28Zahnspangen gibt es dann das Superfloss
7:30mit einem flauschigen Mittelteil.
7:32Die richtige Waffe für die richtige
7:34Lücke zu wählen ist oft wichtiger als
7:36die Technik selbst.
7:37Okay, fassen wir die Erkenntnisse für
7:39den Alltag mal zusammen. Die Deutsche
7:41Gesellschaft für Zahn, Mund und
7:43Kieferheilkunde, die DGZMK,
7:46bündelt das Ganze in sieben Maßnahmen.
7:49Richtig.
7:49Teilen wir sie mal auf. Was ist mein Job
7:52und was ist der Job des Profis? Ihr Job
7:54besteht aus drei zentralen Hebeln.
7:57Erstens, die absolute Basis, zweimal
8:01täglich Zähne putzen mit einer
8:02fluoridhaltigen Zahnpasta.
8:05Das Skript betont hier den Gehalt von
8:071000 bis 1500 ppm Fluorid.
8:10Das ist wie die tägliche Impregnierung
8:12für den Zahnschmelz.
8:13Genau. Zweitens, die Ernährungslenkung.
8:17Und hier ist die Frequenz der
8:19Zuckerangriffe entscheidender als die
8:21Gesamtmenge.
8:22Das heißt
8:23lieber eine Tafel Schokolade auf einmal
8:25als zehn einzelne Bonbons über den Tag
8:27verteilt. Jeder Bonbon startet einen
8:30neuen Säureangriff.
8:31Und der dritte Punkt für zu Hause klingt
8:33ja fast zu schön, um wahr zu sein.
8:35Kaugummi kauen,
8:36ja, aber nur zuckerfreie. Und der Effekt
8:39ist clever, wie die Quelle erklärt. Das
8:42Kauen ist wie ein Turbo für die
8:44Speichelproduktion. Ah, okay.
8:46Mehr Speichel spült nicht nur besser,
8:48ist doch voller Mineralien und
8:49neutralisiert die Säuren nach dem Essen
8:51viel schneller. Das ist eine Art
8:53biologisches Resetprogramm für den
8:54Mundraum.
8:55Das sind also die drei Hebel, die ich
8:57selbst in der Hand habe. Und welche
9:00professionellen Powerups kann der
9:02Zahnarzt dann zuschalten?
9:03Das sind vier weitere Maßnahmen. Die
9:06vierte ist das Individual
9:07Prophylaxeprogramm, also die
9:09maßgeschneiderte Strategie, die wir
9:10gerade besprochen haben.
9:11Mhm. Die fünfte ist die zusätzliche
9:14Floridierung in der Praxis. Das ist die
9:16Intensivkur. Ein hochkonzentrierter
9:18Lack, quasi ein kugelsicherer
9:20Schutzschild, der für Wochen hält.
9:21Einen Schutzschild von Profi. Klingt
9:23gut. Und was kommt noch?
9:25Die sechste Maßnahme ist für besondere
9:27Härtefälle. Die chemische
9:28Biofilmbeeinflussung.
9:30Die chemische Keule.
9:31Das ist sozusagen die chemische Keule.
9:33Ja, meist ein Lack mit Chlorhexidin CHX,
9:37der die Bakterienfestung für eine Weile
9:40lah legt. Das ist aber nichts für den
9:42Dauergebrauch, sondern für
9:43Risikosituationen wie durchbrechende
9:46Weisheitszähne.
9:47Und die siebte
9:49und die siebte Maßnahme ist die
9:51Frisurenversiegelung, der geniale Trick,
9:53auf den wir gleich noch genauer schauen
9:55werden.
9:55Perfekt. Aber davor noch zur PCR, der
9:58professionellen Zahnreinigung. Was genau
10:01passiert da eigentlich so Schritt für
10:02Schritt? Es ist ein präzise
10:04choreografierter Prozess. Es startet oft
10:07mit einer desinfizierenden Spülung, um
10:09die Keimzahl im Mund von Anfang an zu
10:11senken. Dann kommt die Grobreinigung,
10:15das Entfernen der harten Belege, also
10:17Zahnstein.
10:18Moment mal, dafür werden ja auch diese
10:19Pulverstrahlgeräte eingesetzt. Ich habe
10:21gehört, die können ziemlich aggressiv
10:23für den Zahnschmelz sein. Stimmt das
10:25oder ist das ein Mythos?
10:27Eine sehr berechtigte Sorge und genau
10:29deshalb unterscheidet das Skript hier so
10:31penibel. Das klassische Pulver auf
10:34Natrium Bikarbonatbasis, quasi
10:36Backpulver, ist tatsächlich nur für
10:39hartnäckige Verfärbungen auf gesundem,
10:42dickem Schmelz gedacht. Für alles
10:44andere, besonders für empfindliche
10:46Zahnhelse oder die Reinigung unter dem
10:48Zahnfleisch, gibt es heute super sanftes
10:51Glyzinpulver.
10:52Glyzinpulver?
10:53Ja, das sind winzige abgerundete
10:55Partikel. Der Unterschied im Gefühl und
10:58in der Schonung ist riesig. Das ist gut
11:00zu wissen. Was passiert nach dieser
11:02Grobreinigung?
11:03Dann kommt das Fine Tuning. Die Politur.
11:06Mit kleinen Bürstchen und Pasten wird
11:08jede Zahnoberfläche spiegelglatt
11:10poliert.
11:11Warum ist das so wichtig?
11:12Der Gedanke dahinter ist, auf einer
11:14glatten Eisfläche können sich neue
11:16Bakterien viel schlechter festhalten als
11:18auf einer rauen Bergwand.
11:20Macht Sinn. Danach folgt die gründliche
11:22Reinigung der Zwischenräume und zum
11:24krönenden Abschluss wird als Schutz die
11:26Fluoridierung aufgetragen, um den
11:28Schmelz zu stärken.
11:30Und für wen ist so eine PCR nicht nur
11:32nice to have, sondern absolut notwendig?
11:35Das Skript ist da sehr klar. Für jeden
11:38Patienten mit Parodontitis ist sie
11:40überlebenswichtig, um die Krankheit in
11:42Schach zu halten.
11:43Okay?
11:43Aber auch in der Schwangerschaft bei
11:45Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen.
11:48Man weiß heute, dass die Entzündungen im
11:50Wund gesamten Körper belasten können. Da
11:53wird die PCR zu einem wichtigen Baustein
11:55der Allgemeingesundheit.
11:56Das bringt mich jetzt zu diesem Punkt,
11:58den Sie vorhin als genialen Trick
12:00bezeichnet haben. Die
12:01Frisurenversiegelung.
12:03Das klingt ja fast zu einfach. Man
12:04pinselt was drauf und die Karias hat
12:06keine Chance mehr.
12:08Im Prinzip ja, es ist ein Schutzlack für
12:10die gefährdeten Stellen im Mund. Die
12:13tiefen Grübchen und Furchen, die
12:15Fissuren auf den Kauflächen der
12:17Backenzähne,
12:18weil man dit der Bürste nicht hinkommt.
12:20Genau, da kommen die Borsten der
12:22Zahnbürste nicht rein, aber die
12:24Bakterien schon. Man schließt diese
12:26Schlupfwinkel also präventiv mit einem
12:28dünnflüssigen Kunststoff.
12:30Also reine Vorsorge, bevor überhaupt
12:32etwas passiert ist. Nicht nur. Und hier
12:35wird es wirklich faszinierend, wie
12:36unsere Quelle betont. Man kann damit
12:39nicht nur vorbeugen,
12:40sondern
12:41wenn man eine Karius im absoluten
12:43Frühstadium entdeckt, einen sogenannten
12:45Whitpot, also eine Entkalkung ohne Loch,
12:49kann man diese Stelle versiegeln. Das
12:51nennt man Karius Arretierung.
12:53Karius Arretierung.
12:54Man sperrt die Bakterien quasi unter dem
12:56Lack ein, schneidet sie von ihrer
12:58Nahrungszufuhr ab und die Karies kommt
13:01zum Stillstand. Das ist ja unglaublich.
13:03Man muss also nicht sofort bohren,
13:05sondern kann die Carihungern.
13:09Wann geht das und wann nicht mehr?
13:10Die Indikation ist ein Zahn mit tiefen
13:12Fissuren bei einem generell erhöhten
13:14Karies Risiko oder eben diese beginnende
13:16Lesion. Die Kontraindikation ist
13:18logisch, wenn der Zahn noch gar nicht
13:19ganz aus dem Zahnfleisch raus ist, kann
13:21man ihn nicht trocken legen
13:22und der Lack würde nicht halten.
13:24Richtig? Und natürlich, wenn schon ein
13:26richtiges Loch im Dentin ist, dann hat
13:27das Aushungern keinen Zweck mehr. Dann
13:29muss der Schaden repariert werden.
13:31Und wie läuft das praktisch ab? Klingt
13:33nach Präzisionsarbeit.
13:34Ist es auch. Zuerst wird die Kauffläche
13:37perfekt gereinigt und mit Watterollen
13:38und Sauger absolut trocken gelegt.
13:41Eintroffenspeichel kann alles ruinieren.
13:43Okay,
13:44dann wird der Schmelz in den Grübchen
13:46mit einer milden Säure für einige
13:48Sekunden angezt. Das klingt brutal,
13:50schafft aber nur eine mikroskopisch
13:52rauhe Oberfläche, damit der Lack sich
13:54festkrallen kann.
13:55Und das sieht man dann auch. Ja, nach
13:57dem Abspülen sieht der Bereich, so
13:59beschreibt es Skript, kreidig weiß aus.
14:02Das ist also das Startsignal für den
14:04Lack.
14:04Genau. Dann fließt der Versiegler in die
14:07Fisuren, wird mit Blaulicht ausgehärtet,
14:10man prüft, ob der Biss noch stimmt,
14:12poliert kurz und floridiert zum Schluss
14:14die umliegenden Bereiche. Ein kleiner
14:16Eingriff mit riesiger Wirkung.
14:18Fassen wir zusammen. Prophylaxe ist also
14:21eine hochkomplexe Strategie. Sie beginnt
14:23bei der Risikoanalyse mit cleveren
14:25Indizes wie dem Blitzer Foto API und dem
14:28Langzeit EKG PBI.
14:30Mhm.
14:31Sie nutzt Hightech Instrumente von
14:32sanften Glyzinpulvern bis zu
14:35Schallzahnbürsten und gipfelt in
14:37intelligenten Schutzmaßnahmen wie der
14:39Frisurenversiegelung.
14:40Die wichtigste Erkenntnis für Sie ist
14:41dabei vielleicht der Paradigmenwechsel.
14:44Es geht nicht mehr primär ums
14:45Reparieren, sondern um ein aktives
14:48Management von Risiken.
14:50Genau.
14:50Wenn Sie verstehen, warum ihr
14:51Zahnfleisch brutet oder warum eine
14:53Versiegelung vorgeschlagen wird, werden
14:55Sie vom passiven Befehlsempfenner im
14:57Behandlungsstuhl zum mündigen Partner
15:00für Ihre Gesundheit.
15:01Und hier ist ein letzter Gedanke zum
15:02Mitnehmen, der das Ganze wirklich auf
15:04den Punkt bringt. Das Skript zeigt
15:06eindrücklich, dass man eine beginnende
15:07Karies durch Versiegelung einfach
15:09einsperren und stoppen kann.
15:11Absolut. Das stellt die alte Idee vom
15:14Bohren und Füllen völlig in den
15:15Schatten. Vielleicht ist die
15:17fortschrittlichste Behandlung eben nicht
15:19immer die, die Gewebe entfernt, sondern
15:21die, die eine Lesion mit minimalem
15:24Aufwand intelligent in Schach hält.