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0:00Hallo und herzlich willkommen. Heute
0:01nehmen wir Sie mit auf eine Reise ähm in
0:04eine Welt, die direkt unter unserem
0:05Lächeln verborgen liegt,
0:07die Welt der Parodontologie.
0:09Genau. Und unsere Karte für diese
0:11Erkundung ist ein Auszug aus einem
0:13Fachskript für Zahnmediziner. Aber keine
0:16Sorge, das wird hier keine Vorlesung.
0:18Nein, auf keinen Fall.
0:20Stellen Sie sich lieber vor, Sie sitzen
0:21heute selbst im Behandlungsstuhl,
0:23bekommen eine ja überraschende Diagnose
0:26und wir gehen jeden Schritt gemeinsam
0:28mit Ihnen durch. vom ersten Verdacht bis
0:31zu dem Plan, wie sie ihre Zähne wirklich
0:33ein Leben lang behalten können.
0:35Und jede gute Reise beginnt ja mit der
0:37Landschaft. In unserem Fall ähm der
0:39Zahnhalteapparat,
0:41das Parodont. Genau. Und das ist so viel
0:43mehr als nur das Zahnfleisch, das wir
0:45sehen.
0:46Ein ganzes System,
0:47ein hochkomplexes System, das unsere
0:49Zähne fest im Kiefer verankert. Die
0:52beste Analogie ist eigentlich das
0:54Fundament eines Hauses.
0:55Okay, das ist ein gutes Bild. Da haben
0:57wir den Alviolaknochen, also das
0:59knöcherne Zahnfach, das ist quasi die
1:02Baugrube.
1:03Dann das Wurzelzement, das die
1:05Zahnwurzel umgibt wie eine
1:07Schutzschicht.
1:08Und dann kommt, so wie ich das gelesen
1:09habe, das coolste Teil,
1:11ja, das Desmodont. Das sind tausende
1:14winzige Faserbündel, die den Zahn fednd
1:17im Knochen aufhängen, eher wie die
1:19Stoßdämpfer eines Autos.
1:21Ah, okay.
1:22Und abgedichtet wird das Ganze dann
1:24durch die Gingiva, also das Zahnfleisch.
1:26wirklich geniales System, aber wie jedes
1:29Fundament kann es natürlich auch
1:30angegriffen werden,
1:32leider. Ja.
1:32Und da wollen wir mal ansetzen, noch
1:34bevor wir über die Behandlung sprechen.
1:36Wie fängt der Ärger denn überhaupt an?
1:38Was ist der wahre Ursprung einer
1:40Parodontitis?
1:41Das ist die entscheidende Frage, denn
1:43der Anfang, der ist schleichend und äh
1:46unsichtbar. Alles beginnt damit, dass
1:49ich nach jedem Zähne putzen sofort ein
1:51hauchdünner Schutzfilm auf die Zähne
1:53legt.
1:54Das Pellicle. Genau. Aus
1:55Speichelproteginen an sich ist das noch
1:58harmlos, aber es ist auch die perfekte
2:01Anlegestelle für Bakterien, die wir ja
2:03alle im Mund haben.
2:05Milliarden davon, die heften sich da an
2:07und fangen an sich zu vermehren. Und das
2:10ist kein zufälliger Haufen, sondern eine
2:12hochorganisierte Gemeinschaft, ein
2:15Biofilm.
2:15Man muss sich das also wie eine Stadt
2:17vorstellen.
2:18Eine Stadt, ja, mit Versorgungs und
2:20Entsorgungskanellen,
2:22geschützt durch eine Schleimmatrix.
2:24Das ist das, was wir Plag nennen.
2:26Und diese Bakterienstadt wird dann zum
2:28Problem, wenn sie nicht regelmäßig
2:30abgerissen wird. Genau. Also durchs
2:32Zähne putzen.
2:33Exakt.
2:34Wenn die Plage nämlich länger bleibt,
2:36lagern sich Mineralien aus dem Speichel
2:39ein. Sie verhärtet sich
2:41zu Zahnstein.
2:42Richtig. Und jetzt kommt der Wendepunkt.
2:45Diese Bakterienmasse reizt das
2:47Zahnfleisch. Das Immunsystem reagiert,
2:50schickt Abwehrtruppen und die Folge ist
2:52eine Entzündung. Das Zahnfleisch wird
2:55rot, schwillt an, blutet vielleicht.
2:57Das ist dann die Gingivitis.
2:59Genau.
3:00Was ich hier ganz wichtig finde und so
3:01steht es auch in unseren Unterlagen. In
3:03diesem Stadium ist der Schaden noch
3:05vollkommen reversibel.
3:07Absolut.
3:08Man könnte sagen, es brennt nur auf der
3:10Wiese vor dem Haus. Wenn man das Feuer
3:12löscht, wächst das Gras nach.
3:13Perfektes Bild.
3:15Bei manchen Menschen aber da springt der
3:17Funke über wegen genetischer
3:20Veranlagung, Rauchen, Stress,
3:22also Risikofaktoren.
3:23Genau. Dann greift die Entzündung von
3:26der Wiese auf das Hausfundament über.
3:28Sie frisst sich in die Tiefe, zerstört
3:31die Stoßdämpferasern und den
3:32Kieferknochen.
3:33Und das ist der Moment, in dem aus der
3:36reversiblen Gingivitis die irreversible
3:39Parodentitis wird. Ja, das Fundament
3:42bröckelt und dieser Schaden, der kommt
3:44von alleine nicht wieder zurück.
3:46Okay, das ist eine ernüchternde, aber
3:48sehr klare Ausgangslage. Das Problem ist
3:50ja, man bemerkt diesen Übergang von
3:52Wiesebrenn zu Fundament bröckelt selbst
3:55kaum.
3:55Genau.
3:56Wie findet ein Zahnarzt das also heraus,
3:58bevor es, sagen wir zu spät ist?
4:00Dafür gibt es ein geniales
4:01Frühwahnsystem, das alle zwei Jahre zum
4:04Einsatz kommen sollte.
4:05Der PSI,
4:06der parodontale Screening Index kurz
4:09PSI. Dabei wird das Gebiss in sechs
4:11Bereiche aufgeteilt und mit einer
4:13speziellen Sonde die Tiefe der
4:15Zahnfleischtaschen gemessen.
4:17Aber es wird nur der jeweils
4:18schlechteste Wert pro Bereich notiert.
4:20Richtig, das geht also recht schnell.
4:22Dauert nur wenige Minuten. Ja.
4:25Lassen Sie uns diese PSI Werte mal
4:27übersetzen. Das sind ja nicht nur
4:29Zahlen, das ist quasi ein Ampelsystem
4:32für die Gesundheit ihres Zahnfleischs.
4:33Ein sehr gutes Bild. Ja.
4:35Code null wäre tiefgrün. Alles super.
4:38Richtig. Keine Blutung, nichts.
4:41Code 1 bedeutet, es blutet bei der
4:43Sondierung. Das ist dann die gelbe
4:45Ampel, ein klares Zeichen für eine
4:47aktive Gingebeietes.
4:49Die Wiese brennt, um bei ihrem Bild zu
4:50bleiben, aber hier können Sie das Ruder
4:52noch selbst herumreißen
4:53mit besserer Montigine.
4:55Genau.
4:56Bei Code 2 kommt zur Blutung dann noch
4:59ein Störfaktor dazu. Meist Zahnstein
5:01oder vielleicht überstehende
5:02Füllungsränder.
5:03Die Ampel ist immer noch gelb, aber äh
5:06schon eher orange. Ja. Hier braucht es
5:09zusätzlich eine professionelle
5:11Zahnreinigung. Und jetzt kommt der
5:13entscheidende Punkt.
5:15Der Moment, an dem die Ampel auf rot
5:16springt.
5:17Genau, das ist Code 3. Hier sind die
5:20Taschen schon über 3in mm tief
5:23und bei Code 4
5:24sogar über 6 mm. Das ist der
5:27unmissverständliche Alarm.
5:29Das heißt, der Zerstörungsprozess hat
5:31wahrscheinlich schon den Knochen
5:32erreicht.
5:33Sehr wahrscheinlich. Das ist der
5:35Wendepunkt, an dem Sie es nicht mehr
5:37alleine schaffen. Ab hier ist eine
5:39systematische Therapie unausweichlich.
5:42Okay, die rote Ampel leuchtet, der Alarm
5:45schrillt. Nehmen wir an, bei Ihnen wurde
5:47Code 3 oder 4 festgestellt. Jetzt
5:50beginnt die eigentliche Detektivarbeit,
5:52oder?
5:52Absolut. Das beginnt mit einem
5:55intensiven Gespräch, der Anamnese.
5:57Und die ist zwei geteilt, habe ich
5:58gelesen.
5:59Wichtig. zuerst die Allgemeinde
6:01Anamnese. Und hier wird es für viele
6:04überraschend. Wir fragen sie nach
6:06Krankheiten, die scheinbar gar nichts
6:08mit dem Mund zu tun haben.
6:09Z.B.
6:11Diabetes Melitus ist ein enormer
6:14Risikofaktor, weil er die
6:16Entzündungsreaktion im Körper massiv
6:18verstärkt. Auch
6:19Herzkreislauferkrankungen,
6:21Rauchen, sogar chronischer Stress
6:24spielen eine riesige Rolle. Moment, da
6:26muss ich kurz einhaken. Viele denken
6:28doch, der Mund seh irgendwie ein
6:30abgetrennter Bereich. Sie sagen jetzt:
6:32"Stress im Job kann meine Zähne
6:34lockern."
6:36Ja, der Zusammenhang ist immens. Stress
6:39schwächt das Immunsystem und das kann
6:41dazu führen, dass die Abwehrreaktion im
6:44Zahnfleisch aus dem Ruder läuft.
6:47Wahnsinn.
6:48Das gleiche gilt für bestimmte
6:49Medikamente. Es gibt Blutdrucksenker
6:52oder Medikamente gegen Epilepsie, die
6:55als Nebenwirkung zu
6:56Zahnfleischwucherungen führen können.
6:58Und wenn der Behandler das nicht weiß,
7:00interpretiert er den Befund.
7:03Der Mund ist das Fenster zum Körper und
7:06umgekehrt.
7:07Das ist ein starkes Bild und nach dem
7:09Blick auf den ganzen Körper kommt dann
7:11der Zoom in den Mund.
7:13Richtig. mit der speziellen Anamnese,
7:16wie putzen Sie, benutzen Sie Zahnseide,
7:18haben Sie selbst schon Zahnfleisch
7:20bluten oder Mundgeruch bemerkt?
7:22Und die Familie ist auch wichtig,
7:24ganz wichtig, die Familienanamnese
7:27haben ihre Eltern oder Geschwister
7:29frühzähne durch Lockerung verloren? Das
7:32ist ein starker Hinweis auf eine
7:33genetische Komponente.
7:35Okay. Nach all den Fragen kommt dann die
7:37eigentliche Untersuchung, die
7:39Beweismittelsammlung sozusagen.
7:41Genau.
7:42Da gibt es einen Fachbegriff, der immer
7:44wieder auftaucht. Äh, der klinische
7:46Attachment Verlust. Das klingt furchtbar
7:49kompliziert,
7:49kann man aber ganz einfach erklären. Das
7:51ist nämlich die wichtigste Messgröße
7:52überhaupt. Stellen Sie sich eine
7:54Schildkröte vor, die ihren Kopf
7:56einzieht. Okay. Die Schildkröte,
7:59der sichtbare Tarnfleischrückgang, die
8:01Rezession ist der Teil des Halses, den
8:04man schon sehen kann.
8:06Mhm.
8:06Die Sondierungstiefe ist, wie tief man
8:09mit einer Sonde neben dem Hals in den
8:12Panzer hineinmessen kann.
8:13Ah, und der Attachment Verlust
8:16ist beides zusammen. Die gesamte Strecke
8:19vom Panzerrand bis zu der Stelle, wo der
8:22Kopf wirklich am Körper angewachsen ist.
8:24Das ist der wahre unwiderbringliche
8:27Verlustanhalt.
8:28Das ist eine super Eselsbrücke. Und was
8:30ist mit der Fokationsbeteiligung?
8:32Das klingt ja fast noch dramatischer.
8:34Das ist es auch. Das betrifft nur die
8:36Backenzähne mit mehreren Wurzeln.
8:38Die Fokation ist also die Gabelung, wo
8:40sich die Wurzeln teilen.
8:41Genau. Und wenn der Knochen so weit
8:44abgebaut ist, dass diese Gabelung frei
8:47liegt, wird es kritisch. Bei Grad 1 kann
8:50man mit der Sonde gerade so
8:52hineintasten.
8:53Und bei Grad 3,
8:54das ist der schlimmste Fall, da ist die
8:57Fokation komplett durchgängig. Man kann
8:59die Sonde von einer Seite des Zahnes zur
9:01anderen durchschieben.
9:03Wow. Man kann also quasi einen Tunnel
9:05durch den Zahn bohren, wo eigentlich
9:07Knochen sein sollte. So kann man es sich
9:09vorstellen. Ja,
9:10das macht das Ausmaß der Zerstörung sehr
9:12bildlich und all das wird dann noch mit
9:14einem Rönkenbild abgeglichen.
9:16Unbedingt. Das Rönkenbild ist der Blick
9:18aufs nackte Fundament. Hier sehen wir
9:21den Knochenverlauf und können genau
9:22unterscheiden, baut sich der Knochen
9:24überall gleichmäßig horizontal ab oder
9:27haben wir an einzelnen Stellen tiefe
9:30vertikale Krater
9:31und all das zusammen, Gespräch,
9:33Messungen, Rönkenbild ergibt am Ende die
9:36präzise Diagnose
9:37und den Schlachtplan.
9:38Okay, der Schleichtplan steht: "Die
9:40Diagnose ist klar, der Schaden erfasst.
9:43Wie sieht der Gegenangriff aus? Wie
9:45stoppt man diesen Prozess?"
9:47Der Gegenangriff heißt antiinfektiöve
9:50Therapie. Das Ziel ist die Infektion zu
9:53stoppen und die Ursache, also den
9:55Biofilm so gründlich wie möglich zu
9:57entfernen.
9:59Das beginnt aber nicht mit Instrumenten,
10:00oder?
10:01Nein, es beginnt mit einem Gespräch. Die
10:04absolute Grundlage ist die Aufklärung.
10:06Ihnen als Patient muss klar sein,
10:09Parodontitis ist eine chronische
10:10Erkrankung,
10:11also nicht heilbar im Sinne von einmal
10:14behandelt und für immer weg. Genau. Sie
10:16ist manag Diabetes und der Erfolg hängt
10:19zu 90% von ihrer Mitarbeit.
10:22Das klingt als würde der Zahnarzt einen
10:24großen Teil der Verantwortung direkt an
10:26den Patienten zurückgeben.
10:28Das ist die einzige Chance auf
10:29langfristigen Erfolg,
10:30weil sie als Patient jeden Tag am Ball
10:32bleiben müssen.
10:33Richtig. Der Zahnarzt kann die Zähne ein
10:35paar mal im Jahr professionell reinigen,
10:38aber Sie sind derjenige, der die
10:39Bakterien an den restlichen 362 Tagen im
10:42Schach halten muss.
10:44Deshalb auch die Motivation und
10:45Instruktion am Anfang.
10:47So ist es. Wir färben die Plack an und
10:49zeigen Ihnen ganz genau. Schauen Sie
10:52hier an dieser Stelle kommen Sie mit
10:53Ihrer Technik nicht hin. Erst wenn das
10:56sitzt, gehen wir in die Tiefe.
10:57Und diese Tiefe ist dann das, was viele
11:00als geschlossene Küretage oder
11:02Tiefenreinigung kennen.
11:03Genau. Zuerst kommt das supraingivale
11:06Depridoman, also die professionelle
11:08Zahnreinigung, alles oberhalb des
11:11Zahnfleisches. Und dann der
11:12entscheidende Schritt,
11:14das Sub ging die Wale Depriom. Mit
11:16feinen Instrumenten werden die
11:18Wurzeloberflächen unterhalb des
11:20Zahnfleischrands in den Taschen von
11:22Zahnstein und dem Biofilm gereinigt und
11:24geglättet, quasi die Grundsanierung des
11:27kontaminierten Fundaments.
11:29Und danach wächst der verlorene Knochen
11:32dann wieder nach?
11:33Leider nein. Das ist ein häufiges
11:36Missverständnis. Der Knochen wächst
11:38nicht nach.
11:39Was passiert dann? Das Ziel ist eine
11:42reparative Heilung. Durch die Reinigung
11:44wird die Entzündung gestoppt und das
11:46Zahnfleisch kann sich wieder eng und
11:48gesund an die Wurzeloberfläche anlegen.
11:51Es bildet sich eine Art innere Narbe,
11:53ein sogenanntes langes Saumepitel.
11:55Genau. Es versiegelt die Tasche nach
11:57unten hin. Die Tasche ist anatomisch
12:00zwar noch da, aber sie ist sauber und
12:02nicht mehr entzündet. Sie ist
12:04stillgelegt.
12:05Und das wird dann überprüft.
12:06Nach einigen Wochen messen wir alles
12:08erneut nach. Das ist die Reevaluation
12:11und schauen, wo wir Erfolg hatten.
12:13Aber wenn die Krankheit chronisch ist,
12:14kann sie ja jederzeit wieder auflammen.
12:16Was verhindert, dass das Ganze in dem
12:18Jahr wieder von vorne losgeht?
12:20Hier kommt die wichtigste Phase für den
12:22Langzeiterfolg, die unterstützende
12:25Parodontitistherapie,
12:26die Opt, also die lebenslange Nachsorge.
12:30Genau.
12:30Okay. Jetzt höre ich schon einige
12:32unserer Zuhörer denken, lebenslang alle
12:34paar Monate zur Reinigung, das klingt
12:37wie ein Geschäftsmodell. Ein
12:38verständlicher Gedanke.
12:40Wie überzeugen Sie einen skeptischen
12:41Patienten, dass es nicht nur ein teures
12:43Abo ist, sondern absolut notwendig,
12:46indem wir es mit einer anderen
12:48chronischen Krankheit vergleichen. Ein
12:50Diabetiker misst ja auch nicht einmal
12:52seinen Blutzucker, stellt ihn ein und
12:54ist dann wieder wie vorher.
12:56Nein, klar.
12:56Er muss sein Leben lang kontrollieren,
12:59messen und seine Lebensweise anpassen.
13:01Die UPT ist genau das für die
13:03Parodontitis. Es ist ein Kontroll und
13:06Wartungsprozess. Das Risiko für ein
13:08Wiederauflammen bleibt also dauerhaft
13:10bestehen.
13:11Immer in diesen UPTSitzungen wird der
13:14Zustand neu bewertet, nachgemessen,
13:17remotiviert und gezielt an den Stellen
13:19gereinigt, die wieder Probleme machen.
13:21Und die Frequenz ist individuell,
13:24ja, alle 3, 6 oder 12 Monate. Das hängt
13:29vom Risiko ab. Ein Raucher braucht viel
13:31engmaschigere Termine als einen
13:33topfitter Nichtraucher mit perfekter
13:35Mundhygiene.
13:36Und wenn selbst diese intensive Therapie
13:39nicht ausreicht, wenn es besonders
13:41aggressive Bakterien sind oder die
13:42Knochendefekte zu tief,
13:44dann haben wir weitere Werkzeuge im
13:46Kasten. Bei schweren Formen kann eine
13:49begleitende Antibiotikherapie sinnvoll
13:51sein, um die hartnäckigten Keime im
13:53ganzen Körper zu bekämpfen.
13:55Und es gibt auch chirurgische
13:56Möglichkeiten.
13:57Ja, die korrektive Therapie. Da kann man
14:00dann Unter gründlicher reinigen oder
14:03sogar versuchen mit regenerativen
14:05Verfahren verloren gegangenen Knochen
14:07wieder aufzubauen.
14:08Fassen wir diese wirklich intensive
14:10Reise einmal zusammen. Wir sind
14:12gestartet bei einem perfekten Fundament
14:14für unsere Zähne.
14:15Mhm.
14:15Wir haben gesehen, wie eine
14:17anfangshmlose Entzündung zu einer
14:19ernsten chronischen Erkrankung werden
14:21kann, die dieses Fundament
14:22unwiderbringlich zerstört.
14:24Ein schleichender Prozess. Der Weg
14:25zurück erfordert eine systematische
14:27Detektivarbeit, eine intensive
14:29Grundsanierung und vor allem die
14:31lebenslange Verpflichtung zur Wartung.
14:33Ja, das ist der Kern.
14:34Der Schlüssel liegt also wirklich in
14:36dieser Partnerschaft zwischen Ihnen als
14:38aufgeklärt Patienten und dem Praxisteam.
14:41Besser kann man es nicht sagen. Und ich
14:42möchte Ihnen einen letzten Gedanken aus
14:44unseren Quellen mitgeben, der das Ganze
14:45vielleicht noch mal in ein neues Licht
14:47rückt.
14:48Oh ja, gerne.
14:49Dort steht, dass die Parodontitis nicht
14:51nur durch die Bakterien ausgelöst wird,
14:53sondern maßgeblich durch die
14:55damit einhergehenden Abwehrmechanismen
14:57des Immunsystems.
14:58Genau. Denken Sie mal darüber nach. Die
15:01Krankheit ist nicht einfach ein Angriff
15:02von außen. Sie ist zu einem riesigen
15:05Teil eine Reaktion, oft eine
15:07Überreaktion unseres eigenen Körpers.
15:10Der Verteidiger, unser Immunsystem, wird
15:12selbst Teil des Zerstörungsprozesses.
15:14Richtig? Und das wirft doch eine
15:16spannende Frage auf. Was bedeutet es für
15:19unser Verständnis von Gesundheit, wenn
15:21unser eigener Schutzmechanismus zu einem
15:23unserer größten Probleme werden kann?