Free YouTube Transcribe

Video transcript

Burnout-Gesellschaft: Warum wir alle ständig erschöpft sind! | Terra Xplore mit Jasmina Neudecker

Terra Xplore · 4,195 words · 20 min read

Want to search this transcript, jump the video from any line, or download it as TXT, SRT, or VTT?

Open in the transcript tool

Full transcript

Intro

0:07Mein Leben war ein Hürdenlauf.

0:08Also ich bin von einer Hürde zur nächsten und zur nächsten.

0:11Ich habe mir nie die Zeit genommen, zu regenerieren.

0:17Burnout.

0:20Das ist doch so ein Begriff,

0:22da haben wir alle gleich ein Bild, oder?

0:24Aber was bedeutet es eigentlich, wirklich ausgebrannt sein,

0:27auszubrennen?

0:28Und woran merke ich, ob ich da auf dem besten Weg hin bin?

0:31Als ich auf die Arbeit gegangen bin,

0:33habe ich mir innerlich gewünscht, dass mich ein Bus überfährt,

0:35dass ich nicht auf die Arbeit gehen muss.

0:39Ich will mich heute damit beschäftigen, dass es doch so wirkt,

0:41als seien unser aller Batterien immer leerer.

0:45Was treibt uns denn zu einem Leben,

0:47das in der völligen Erschöpfung endet?

0:50Was sind die Faktoren, die uns wirklich die Energie rauben?

0:52Und wie laden wir die Batterien wieder auf?

0:56Let’s Xplore!

1:06Ich habe eine Befragung aus dem Jahr 2023 gesehen,

1:08die mich ehrlich gesagt irgendwie ganz schön geschockt hat.

1:11Da haben nämlich nur 20 % der Befragten gesagt,

1:15dass sie für sich selbst gar kein Risiko sehen,

1:18ein Burnout zu kriegen.

1:1980 % haben die Gefahr für sich zwischen leicht und schwer eingeschätzt.

1:24Das ist schon irgendwie eine heftige Bestandsaufnahme für mich.

1:27Um besser zu verstehen, was da dahinter steckt.

1:30Treffe ich jetzt eine Frau, die das selber erlebt hat.

1:33Fatma.

Wie kam es bei Fatma zum Burnout?

1:35Die 33-jährige ist seit fast drei Jahren

1:37als People- und Projektmanagerin selbstständig,

1:40zurzeit in Frankfurt.

1:46Hallo! Darf ich euch stören? Seid ihr fertig?

1:50Schön dich zu sehen.

1:52Ich freu mich auch dich mal in Real Life kennenlernen.

1:55Wir sprechen ja heute über das Thema Burnout.

1:58Was bedeutet denn das für dein Leben?

2:02Also ich glaub

2:03Burnout hat einfach mein Leben komplett umgeworfen.

2:07Ich stand am Anfang meiner Karriere

2:09und habe gedacht, jetzt starte ich endlich durch.

2:11Jetzt bin ich endlich angekommen,

2:13habe einen Job, bin in eine neue Stadt gezogen, verdiene

2:16jetzt Geld, endlich mal und dann hat es mir so komplett

2:21den Boden unter den Füßen gerissen

2:23und das hat echt was mit mir gemacht.

2:26Wann waren denn so die ersten Symptome,

2:28wo du gemerkt hast, da ist jetzt, da passiert gerade was mit mir.

2:31Ich habe, während

2:32ich Vollzeit gearbeitet habe, noch die Masterarbeit geschrieben,

2:36habe da einen Anruf

2:36von meinem Professor bekommen, der dann gesagt hat:

2:38“Du musst innerhalb von zwei Monaten abgeben,

2:41sonst suchst du dir ein neues Thema und einen neuen Prof.”

2:43Und das hat mich dann dazu geführt, dass ich dann komplett

2:47zusammengebrochen bin.

2:48Und als ich auf die Arbeit gegangen bin,

2:50habe ich mir innerlich gewünscht, dass mich ein Bus überfährt,

2:53dass ich nicht auf die Arbeit gehen muss.

2:56Und das war schon so ein Warnzeichen.

2:58Aber ich habe das überhört, weil ich einfach so in diesem Trudel war.

3:04Ja. Und ich habe gemerkt,

3:05dass ich die Reißleine ziehen muss.

3:08Als ich in meiner Ein-Zimmer-Wohnung stand und eine Panikattacke bekommen hab.

3:12Dein Herz rast so schnell, dass du nicht mehr weißt,

3:15also dass du das Gefühl hast, dass du stirbst.

3:17Und da habe ich mir gedacht okay,

3:19da stimmt irgendwas nicht.

3:21Wie fühlt sich das an, in diesem Zustand zu sein?

3:24Also bei mir war es so,

3:28deine Gedanken kreisen die ganze Zeit.

3:30Du kannst nicht schlafen.

3:31Du hast enorm, bist erschöpft.

3:33Und damals hatte ich das

3:34große Glück, dass mein damaliger Exfreund da war,

3:36der dann gesagt hat, wir müssen am nächsten Tag direkt zum Arzt.

3:39Und die Ärztin hat mich nur angeschaut und gesagt:

3:42“Sie haben Burnout.”

3:43Hat sie das direkt so...

3:44Sie hat der direkt mich angeschaut, und gesagt:

3:46“Sie haben Burnout.” Und das war wie so ein Schlag ins Gesicht.

3:51Was hast du in dem Moment gedacht?

3:54Der erste Gedanke war nicht: Okay, wie kann ich heilen?

3:57Sondern: Wie sage ich das meiner Familie?

4:00Wie sag ich das meinem Umfeld?

4:01Und wie kann ich das vor meinem Arbeitgeber verstecken?

4:04Wovor hattest du Angst?

4:08Dass mich Leute direkt labeln und sagen:

4:10“Die ist nicht belastbar.”, oder: “Was stimmt mit der nicht?”.

Wie entsteht Burnout?

4:19Eins der Kernsymptome von Burnout ist Erschöpfung.

4:23Laut der medizinischen Klassifizierung ist Burnout

4:26keine eigenständige Krankheit.

4:28Es ist eher etwas, das unser Risiko

4:30für Erkrankungen wie Depressionen oder eine Angststörung erhöht.

4:33Das hängt auch explizit

4:35mit chronischem Stress am Arbeitsplatz zusammen.

4:38Die beiden anderen Kernsymptome, sind eine zynische

4:41Abgrenzung vom Job und auch ein Leistungseinbruch.

4:44Dazu kommt es natürlich nicht einfach so.

4:46Ich will hier in Jena,

4:47mit der Biopsychologin Veronika Engert darüber sprechen,

4:50wie ein Burnout eigentlich entsteht.

4:59Wie kann ich mir denn vorstellen,

5:03wie der Weg bis zu dieser totalen Erschöpfung ist?

5:08Es gibt verschiedene Phasenmodelle im Burn out,

5:10aber das Vier-Phasen-Modell ist sehr einfach

5:12und kann das sehr schön zeigen, wie man aus dieser anfänglichen

5:16Superproduktivität, Idealisierung

5:19der Arbeit, die man macht und da ganz viel investieren

5:22und wirklich da drin aufgehen

5:24und sich damit identifizieren,

5:27in eine Phase kommt,

5:28wo das Ganze dann beginnt, anstrengend

5:30und weniger belohnend zu werden,

5:32aber man immer noch vollen Input gibt.

5:33Also immer noch alles, was man so hat investiert,

5:37um am besten auch wieder zurück zu diesem idealisierten Zustand zu kommen.

5:41Und in der dritten Phase

5:44setzen dann diese typischen Symptome ein,

5:46dass man beginnt kraftlos zu werden und das nicht mehr schafft,

5:49seine ganze Energie zu investieren.

5:52Bis es dann in der vierten Phase eben ein voller Burnout ist

5:54und man gar nicht mehr funktioniert.

5:56Was unterscheidet denn ein Burnout dann am Ende

5:58noch von einer schweren Depression?

6:01Also ein Burnout kann auch zu

6:02einer Depression führen.

6:05Und begrifflich ist das,

6:06wird das Ganze auch nicht sauber getrennt, muss man wirklich sagen.

6:09Also ich habe so den Eindruck,

6:10dass man gerne Burnout sagt und Depression meint.

6:13Aber Burnout hat sozusagen

6:16den besseren Namen, weil dahinter steckt.

6:17Na ja, man hat ja vorher ganz viel geleistet.

6:19Das haben ja viele Leute auch so im Kopf.

6:22Vom Prinzip ist eine Depression eine psychische Störung,

6:25bei der man sich sehr stark auf die Symptomatik konzentriert,

6:30die oft auch überlappend ist, mit dem Burnout

6:32aber gar nicht so stark

6:34die Ursachen im Vordergrund stehen, während der Burnout,

6:36da ist es eben so ganz klar die Ursachen sind zu viel

6:40Arbeit, zu viel Verantwortung, zu viel von sich geben.

6:45Ich finde es so spannend, weil in dieser Situation

6:47ganz viel arbeiten zu müssen

6:50oder ganz viel Stressfaktoren, die an einem zehren zu haben,

6:53sind ja sehr viele Menschen.

6:55Warum kriegt denn der eine ein Burnout und der andere nicht?

6:59Dieser besondere Ehrgeiz

7:00und Perfektionismus ist zum Beispiel

7:02ganz klar ein Risikofaktor.

7:04Das fängt ja auch oft sehr, sehr früh an und hat Ursachen

7:07in der Kindheit, dass man das Gefühl hat, man wird nicht gesehen

7:11und man, man muss den Eltern zeigen,

7:14wie gut man ist.

7:15Oder man muss es den Lehrern zeigen

7:17oder man muss es der ganzen Welt zeigen.

7:18Im Endeffekt dieses

7:20Beweisen wollen, wie gut man ist

7:22und dass man es wert ist.

7:24Also wenn Erschöpfung so ein Kernsymptom von dem Burnout ist,

7:27was würdest du sagen, ist denn so die Hauptursache,

7:30die ganz konkret zu dieser Erschöpfung führt?

7:33Das ist im Endeffekt der Stress,

7:35den wir haben, den wir uns machen, der,

7:38der heutzutage eins der Hauptrisikofaktoren äußerlich ist,

7:44dafür, dass wir in diesen Strudel geraten.

Wie ausgebrannt und gestresst fühlen sich die Menschen in Frankfurt?

7:49Das Ding ist ja Stress ist etwas,

7:50was wir nicht einfach so aus unserem Leben verbannen können.

7:53Wir haben Familie, wir haben gesagt, wir haben Freunde.

7:55Workouts, Selbstentwicklung.

7:57Es stresst mich schon wieder, wenn ich nur darüber nachdenke.

7:59Ich will mich jetzt hier in der Frankfurter Innenstadt

8:01mal mit ein paar Menschen darüber unterhalten, wie ausgebrannt,

8:04sie sich eigentlich so fühlen.

8:05Und dafür habe ich was vorbereitet.

8:12Entschuldigung, haben Sie kurz Zeit?

8:15Alle im Stress.

8:18Gestresste Leute in Frankfurt.

8:20Keine Zeit, ge?

8:21Ja. Ja, ja.

8:25Arbeit. Arbeit. Arbeit.

8:27Also, ich habe da ein paar Streichhölzer.

8:31Die haben so unterschiedliche Level

8:32an abgebrannt sein.

8:34Wo siehst du dich denn da so mit deinem Energielevel?

8:37Ich würde sagen, ich habe heute auch echt einen guten Tag,

8:39tatsächlich vom Energielevel und mein Stress ist gerade wieder

8:42ein bisschen weniger geworden, deswegen würde ich

8:46wahrscheinlich sagen, eher da so.

8:46Geh ruhig mal hier so, ja?

8:48Ja. Das wär deiner? Ok.

8:50Ja, ich merk schon, dass Stress schnell mir so zusetzt.

8:54Das merkt man schon auch so mit Arbeit und Uni relativ viel.

8:58Wenn du dich mit 25 hier siehst, hast du denn manchmal Angst?

9:01Weißt du? Ja, auf jeden Fall.

9:07Ja? Ganz voller Energie.

9:10Ja doch.

9:11Und fühlst du dich dann nicht manchmal gestresst?

9:14Natürlich. Aber?

9:16Es kommt auf die Phase an,

9:19Wenn ich dir sage, dass ein Viertel der Deutschen

9:21sich häufig gestresst fühlt.

9:22Was denkst du dann?

9:24Mich wundert es, dass es nur ein Viertel ist.

9:26Echt? Ja, ich bin ja selber aus Spanien.

9:28Und wenn ich jetzt mal die spanische,

9:29die deutsche Arbeitsmentalität vergleiche dann...

9:32Mich wundert’s, dass das nur ein Viertel ist, sagen wir es so.

9:35Und was glaubst du,

9:36können wir zum Beispiel von der spanischen Mentalität lernen?

9:38Ich persönlich würde sagen, was ich an Spanien so sehr mag ist,

9:40dass es okay ist, auch mal zu sagen Jetzt ist Schluss.

9:45Also, ich würde gern wissen,

9:48wie hoch ist dein Energielevel,

9:50wie ausgebrannt fühlst du dich?

9:52Also, jetzt fühle ich mich wieder so.

9:55Ja? Jetzt fühle ich mich wieder gut.

9:57Vor ein paar Monaten war es auf jeden Fall schlimm.

10:00Warum? Ach, verschiedene Gründe.

10:02Aber es war auf jeden Fall der Stress auf der Arbeit.

10:05Und die Arbeitszeiten und fehlende Wertschätzung.

10:09Da denkst du dir irgendwann, ne komm.

10:12Wie wir in Bayern sagen: Leckt’s mich am Arsch.

10:16Genau! Und das hast du dann gemacht.

10:19Ja, genau. Und dein Leben verändert.

10:21Cool.

10:22Also war selbstgewählte Arbeitslosigkeit

10:24und bin jetzt aber wieder bald im neuen Job

10:28und werde dann aber versuchen,

10:30ein bisschen achtsamer mit allem umzugehen.

10:35Wo seht ihr euch denn hier?

10:37Also seid ihr noch voller Energie

10:39oder fühlt ihr euch vielleicht schon ausgebrannt?

10:42Und was sind so die Faktoren, die euch die Energie rauben?

10:45Und wie verhindert ihr, dass ihr von dem Zustand in den geratet?

10:48Also wie laden ihr die Batterien auch wieder auf?

10:51Schreibt mir das total gerne mal in die Kommentare

10:53und lasst uns auch gerne ein Abo da.

Wie raubt uns Stress unsere Energie?

10:58Stress und schlechte Gesundheit

11:00hängen eng miteinander zusammen.

11:02Aber wie genau ist da der Mechanismus?

11:04Und was ist Stress eigentlich?

11:06Psychologisch gesehen kann man sagen:

11:08Stress, das ist eine unangenehme Situation, in der wir das Gefühl haben,

11:12dass unsere Ressourcen nicht ausreichen,

11:13um den Anforderungen gerecht zu werden.

11:16Und diese Situation,

11:18die verändert auch Prozesse in unserem Körper.

11:20Biologisch gesehen ist ein akuter Stressreiz

11:23erst mal nicht so schlimm.

11:24Unser Körper reagiert darauf, indem er quasi uns

11:27in die Situation versetzt, mit der potenziellen Gefahr auch umzugehen.

11:31Also unser Nervensystem und Hormone wie Cortisol und Adrenalin

11:34versetzen den Körper in einen aktivierten Zustand, die Muskeln

11:37werden besser durchblutet, das Herz schlägt schneller usw.

11:40Auf Dauer gesehen ist aber ein solcher Zustand

11:43für den Körper natürlich anstrengend und das kann uns schaden.

11:50Bei Stressphasen,

11:51die eben wirklich enorm lange andauern.

11:53Und das tun die ja, also selbst wenn die Stressoren nicht so massiv sind,

11:57was im Körper passiert ist das gleiche

11:59wie bei massiveren Stressoren,

12:02dass wir immer diese erhöhten Stresshormone haben.

12:09Und das führt im Endeffekt dazu,

12:12dass die Stressachse sich sozusagen runter reguliert.

12:15Hormone sind ja die Botenstoffe, die dann an Rezeptoren

12:18binden, um zum Beispiel bestimmten Organen ein Signal zu geben.

12:21Jetzt machen wir mal ein bisschen mehr Herzschlag oder ein bisschen weniger

12:25und der Körper kann das regulieren,

12:27wenn er merkt, da sind die ganze Zeit, ganz viel Botenstoffe,

12:29dann werden die Rezeptoren

12:30einfach so, dass sie nicht mehr so doll darauf reagieren,

12:32um wieder mehr Gleichgewicht herzustellen.

12:34Um diese Homöostase nennt man das,

12:36um diese Balance aufrechtzuerhalten.

12:38Das heißt, ich komme dann eigentlich von einem Zustand,

12:41ich habe Mikro-Stressoren um mich herum.

12:43Ich sage jetzt mal den Stau,

12:44den merkt man vielleicht gar nicht, dass der so doll Stress ist.

12:46Aber ist er dann doch. Daily Hassles.

12:48Daily Hassles.

12:49Ja, okay, sehr schön.

12:51Dann habe ich erst

12:53zu viel Energie.

12:54Das muss irgendwo hin und dann geht der Körper runter.

12:58Im Endeffekt als Schutzfunktion. Als Schutzfunktion, okay.

13:01Wenn ich dann aber wieder Energie brauche für irgendwas,

13:04kriege ich sie nicht so leicht zugänglich.

13:06Genau. Das kann man schon auch wieder umstellen,

13:08das System. Aber das dauert eben und das ist nichts,

13:11was man so einfach kontrolliert.

13:13Dann muss man eben wirklich auch was das Leben verändern.

13:16Was würdest du denn sagen, sind die Sachen, die uns eigentlich

13:18mit am meisten stressen

13:21Unkontrollierbarkeit und überhaupt Neuartigkeit.

13:25Und ganz zentral ist,

13:27dass es das eigene Ego bedroht.

13:31Also wenn dieses Bild, das ich von mir gerne

13:34nach außen tragen will,

13:37wenn das bedroht wird.

13:41Und das ist ja eigentlich

13:42von viel abhängig, was ich gar nicht kontrollieren kann.

13:44Auf jeden Fall.

13:45Wenn ich meinen Arbeitsplatz verliere oder?

13:48Also das habe ich ja gar nicht so in der Hand,

13:50dieses Bild unbedingt.

13:53Warum fällt es Menschen denn so schwer,

13:56wenn sie schon merken, sie haben vielleicht erste Symptome

13:58auszusteigen aus diesem Stress- Leistungskreislauf?

14:02Also es gibt ganz viele Facetten,

14:03unter denen wir das jetzt betrachten können.

14:05Jemand, der ständig auf sich selbst achtgibt und sagt:

14:07“Na, jetzt brauche ich aber ne Pause.” Der wird halt auch schnell

14:11als jemand wahrgenommen,

14:13der nicht genug gibt.

14:15Und und das, das will man,

14:18muss man erst mal aushalten, das potenziell zu sein.

14:22Dann ist es aber glaube ich auch,

14:23dass man am sich gewöhnt an diesen, an diese Schnelligkeit.

14:28Wahrscheinlich kennen viele dieses befriedigende Gefühl

14:32von der To-do-Liste was wegzustreichen.

14:34Und manchmal ist es ja sogar geht es ja sogar so weit,

14:37dass, was auf der To-do-Liste nicht drauf steht

14:39und ich habe es gerade gemacht und dann muss ich es draufschreiben,

14:40Damit ich es wegstreichen kann. Ja, das mach ich auch.

14:43Oh Gott, ich fühle mich ertappt.

14:46Also das sind eben

14:47die Momente, wo man sich selbst bestätigen kann.

14:51Ich habe zwar wahnsinnig Stress, aber ich habe auch das geschafft

14:53und das geschafft und das geschafft und das geschafft.

14:55Und wenn das plötzlich wegfällt, dann,

14:57dann fällt man schon auch in so ein Loch.

Was waren die Gründe für Fatmas Burnout?

15:08Wenn man über Burnout liest, dann findet man ja auch raus,

15:11dass das eigentlich so ein Prozess ist, von total hohes Engagement

15:15bis hin zu dieser, diesem Erschöpfungszustand.

15:18Wie würdest du da so deine Reise beschreiben?

15:21Also ich glaube, um irgendwie meine Reise verstehen zu können,

15:25muss man so ein bisschen auch in die Kindheit zurückgehen.

15:27Also ich habe türkisch-kurdische Wurzeln

15:30und bin in der Türkei auf die Welt gekommen.

15:33Als ich drei Jahre alt war, beschlossen

15:35meine Eltern nach Deutschland zu kommen,

15:36um uns einfach ein besseres Leben zu ermöglichen.

15:39Und so sind halt meine Eltern damals mit zwei kleinen Kindern,

15:42mit mir und meiner jüngeren Schwester zwei Koffern

15:45und 500 Mark in der Tasche nach Deutschland gekommen und...

15:51Ja...So...

15:57Also wenn man sich das mal vorstellt,

15:59die sind in ein Land gekommen, wo sie weder die Sprache

16:01kannten noch die Kultur und

16:05so haben wir halt zehn Jahre

16:07in einem Asylantenheim gelebt und ich glaube,

16:09das macht halt auch was mit einem,

16:11wenn man halt

16:13weiß, okay,

16:14die Eltern sind für dich

16:15also für uns nach Deutschland gekommen

16:18und dann muss man halt,

16:21also was heißt muss, man übernimmt halt so viel Verantwortung.

16:24Auch im Kindesalter, weil du bist

16:26die erste, die die Sprache lernt.

16:28Also als Kind lernt man in Sprache einfacher

16:31und dann

16:33geht man mit den Eltern zu Ärzten

16:36im Grundschulalter und übersetzt man Briefe.

16:38Oder man geht zu seinen eigenen Elternabenden.

16:42Und ich glaube, das macht halt auch was mit einem,

16:44wenn man als Kind schon so viel Verantwortung übernimmt.

16:48Nicht, dass man Eltern das mehr aufgesetzt haben

16:51oder bewusst gemacht haben, um Gottes Willen.

16:54Aber du hast halt einfach,

16:56weil du halt merkst, okay deine Eltern können die Sprache nicht,

16:58deswegen machst du es. Heute können sie die.

17:00Ich bin auch sehr froh darüber, aber das macht halt was mit einem.

17:03Und du kriegst halt das Gefühl, du gehörst nicht dazu und du bist

17:05Mensch zweiter Klasse.

17:11Ist das nicht auch so ein zweischneidiges Schwert?

17:13Man will eigentlich was erreichen und dabei

17:16vergisst man vielleicht, Pausen zu machen oder...

17:19Total. Wie siehst du das heute?

17:21Also ich würde sagen, mein Leben war ein Hürdenlauf.

17:24Also ich bin von einer Hürde zur nächsten und zur nächsten.

17:26Ich hab mir nie die Zeit genommen zu regenerieren.

17:30Ich habe es aber auch nicht gelernt.

17:31Ich glaube, das ist auch.

17:31So ein bisschen ein kulturelles Ding, wenn man mal betrachtet,

17:35dass meine Eltern andere Sorgen hatten, statt sich

17:38um ihre psychische Gesundheit irgendwie zu kümmern, oder?

17:42Ja, also ich kenn sehr wenige Menschen,

17:44die aus meiner Kultur kommen oder stammen,

17:47die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Jasmina lädt Menschen in Frankfurt zum Energietanken und Nichts tun ein

17:50Regenerieren,

17:51mal eine Pause machen, nichts tun.

17:54Eigentlich klingt das ja so leicht,

17:56aber wie oft machen wir das in unserem Alltag wirklich?

17:59Wir probieren es hier, in der Frankfurter Innenstadt mal aus.

18:07Na gut,

18:07dann stelle ich mal den Timer

18:09und du darfst tagträumen.

18:24Drei Minuten sind länger als man sich es vorstellt.

18:25Schon, ne?

18:27Ja, schon.

18:28Ich hätte jetzt gesagt, das wären sechs, sieben Minuten gewesen, so.

18:30Ja.

18:32Wie fühlst du dich denn jetzt, nach den drei Minuten

18:34irgendwie anders als vorher?

18:38Ja, bestimmt.

18:38Also, ich glaube, man nimmt sich im Alltag schon wenig Zeit.

18:41So in der Gesamtheit, glaube ich, würde ich...

18:43nehme ich mir schon vor, oder

18:45würde ich das glaube ich gerne ändern.

18:47Ja, mal mehr

18:49eine aktive Pause zu machen.

18:50Vielleicht eher eine Aktivität,

18:54die mich wirklich erholt.

18:55Und das tut das Handy oder soziale Medien

18:58natürlich nur sehr, sehr, sehr bedingt.

19:00Man muss aber mit sich selber klarkommen.

19:02Also Gedanken kommen lassen und gehen lassen.

19:06Sehr wichtig.

19:08Ich glaube, dass das viele Menschen nicht können

19:10und nicht gelernt haben.

19:11Ich auch teilweise nicht. Und dann...

19:14Man hat ja wenig Entspannungsphasen.

19:16Also viele Menschen greifen zum Sport eben

19:20viele auch zum Alkohol. Also hier in Frankfurt

19:22ist das ein großes Ding, nach Feierabend dann was trinken zu gehen

19:26und das stresst den Körper ja nur noch mehr.

19:42Wann macht man denn mal so

19:43wirklich gar nichts?

19:46Meistens ist es doch so,

19:47dass wir selbst unsere Ruhepausen noch versuchen zu optimieren, oder?

19:50Dieses Nichtstun wie das hier,

19:54das hat schon immer so einen besonderen Vorteil,

19:56weil unser Geist da quasi so frei schweifen darf.

19:59Und das fördert Entspannung und Kreativität.

20:03In unserem Gehirn

20:04wird dabei nämlich das sogenannte

20:06Default-Mode-Network aktiver und das Kontrollnetzwerk

20:10geht gleichzeitig runter in der Aktivität.

20:12Das ist ein Netzwerk, das normalerweise

20:14sehr aktiv ist, wenn wir bewusst denken, also

20:16zum Beispiel Entscheidungen treffen und das frisst Energie

20:20mit einem aktiveren Default-Mode-Network

20:23wie beim Tagträumen oder eben Nichtstun da.

20:26Da können wir mentale Prozesse neu ordnen,

20:29emotionale Eindrücke verarbeiten,

20:31und regenerieren.

20:34Und häufig ist es sogar so,

20:36wenn wir Probleme mal ruhen lassen und einfach die Gedanken schweifen

20:40dürfen, an, kommen wir gerade auf gute Lösungsansätze.

20:43Deswegen haben wir häufig so kleine Geistesblitze beim

20:46Joggen oder Duschen.

Erschöpfung ist weit verbreitet. Steckt dahinter ein gesellschaftliches Problem?

20:54Laut einer aktuellen Studie

20:56fühlen sich knapp über die Hälfte der Deutschen erschöpft.

21:00Ich meine, wenn sich so viele Menschen erschöpft fühlen,

21:03dann muss dahinter doch mehr stecken als einfach nur,

21:06dass einige von uns eben verlernt haben sich mal eine Pause zu gönnen, oder?

21:08Ich frage mich, woher kommt denn diese Energielosigkeit?

21:13Und steckt dahinter nicht vielleicht ein viel

21:15größeres gesellschaftliches Problem?

21:19Darüber möchte ich mit der Kulturhistorikerin

21:21und Burnout Coach Anna Schaffner sprechen.

21:30Man hat ja das Gefühl, wir leben in einer Zeit, wo wir irgendwie.

21:33Wir haben Krisen, wir haben diesen Wachstumsgedanken,

21:35wir haben diese süchtig machenden Handys ständig um uns herum.

21:39Würdest du sagen, das so eine Art kollektive Erschöpfung

21:42ein Phänomen unserer Zeit ist?

21:44Ich glaube schon, dass ganz viele von uns unter Burnout

21:48leiden, einfach dadurch, dass wir permanent erreichbar sind

21:51und dass die Arbeit wirklich in unser Alltagsleben rein blutet

21:56und die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit

21:58immer poröser werden.

22:00Aber das Interessante ist auch, dass Erschöpfung

22:04wirklich kein neoliberales

22:07Phänomen ist,

22:08sondern dass die Menschen immer schon mit der

22:10Erschöpfung gekämpft haben

22:11und sich immer schon über die Erschöpfung auch

22:14Sorgen gemacht haben.

22:15Das find ich irgendwie ein bisschen beruhigend, oder?

22:17Also, dass das eben weil man hat ja manchmal das Gefühl, okay,

22:19es wird ja immer schlimmer.

22:20Kein Wunder, dass wir alle die Batterie leer haben.

22:23Finde ich auch.

22:24Ich finde, das gehört zum Menschsein

22:26mit dazu, dass man sich Sorgen macht um die Energie

22:29und dass man die Energie auch pflegen möchte,

22:32dass man gut mit der Energie haushalten möchte

22:34und dass man Angst hat vorm Älterwerden.

22:37Vorm krank werden, vom schwach werden

22:39und vorm Sterben oder vorm Schwinden des eigenen Engagements.

22:43Burn out ist ja per Definition auch etwas,

22:45was durch Stress, durch Arbeit bedingt ist.

22:49Was glaubst du, ist das Problem,

22:50das wir mit unserer Work-Life-Balance haben?

22:53Ja, ich glaube, dass in unserem Zeitalter die Arbeit

22:56wirklich komplett überbewertet ist und überdeterminiert ist.

23:01Wir erwarten uns einfach viel zu viel von der Arbeit.

23:04Wir erwarten uns nicht mehr nur Einkommen und Status,

23:07sondern wir erwarten uns, dass die Arbeit uns Gemeinschaft

23:10stiftet, dass sie unsere Identität legitimisiert.

23:14Wir haben fast eine Heilserwartung an die Arbeit

23:17und deswegen ist es auch so schlimm,

23:19wenn wir an der Arbeit leiden.

23:22Dann beeinflusst das ganz viele Bereiche unseres Lebens.

23:26Und was würdest du jemandem sagen,

23:28der vielleicht eine Situation ist oder so ein

23:30bisschen auf dem Weg dahin?

23:32Ich glaube, das Wichtigste ist wirklich,

23:34sich bewusst zu machen,

23:38was einem gut tut,

23:40wann man sich lebendig fühlt

23:42und davon wieder mehr ins Leben reinzubringen.

23:46Also ein Mehr statt ein weniger. Ein mehr statt ein weniger.

23:48Schön.

23:49Ja, wo können wir als Gesellschaft im besten Fall hinkommen?

23:53Ich glaube, dass eine gute Work-Life-Balance irgendwann wieder

23:56mehr zum Statussymbol werden wird, wenn man das wieder schafft.

24:00Entgegen aller

24:02äußeren, widrigen Umstände.

24:04Das ist ein toller Gedanke.

24:06Das sich überarbeiten ist das neue Rauchen.

24:09Wir wollen es einfach nicht mehr. Es tut uns nicht gut.

24:10Ungut.

Wie hat Fatma ihr Leben nach dem Burnout verändert und wieder Energie gewonnen?

24:15Fatma nimmt mich mit in ihren Garten.

24:17Was hat ihr geholfen, aus dem Burnout rauszukommen?

24:20Und wie schöpft sie heute Energie?

24:24Wie oft bist du denn hier im Garten?

24:26Fast täglich. Ja?

24:27Ja, als Kind waren wir viel draußen.

24:30Und ich erinnere mich,

24:31wie wir immer auf Bäume klettert sind oder irgendwie

24:34Kirschen gepflückt haben.

24:36Und so bin ich dann wieder

24:38zurück zur Natur gekommen.

24:40Voll schön.

24:42Wie würdest du denn deinen Weg

24:43raus aus dem Burn out beschreiben?

24:45Der wichtigste Schritt war Therapie,

24:48würde ich sagen.

24:49Und natürlich auch der Support

24:51von meiner Familie und meinem Umfeld.

24:53Das hat mir wirklich sehr geholfen.

24:55An was hast du in der Therapie gearbeitet?

24:59Ich glaube

25:00zu lernen, auf sich selbst zu achten,

25:03Grenzen zu setzen, auch auf seine innere

25:05Stimme zu hören und auf seinen Körper zu hören.

25:08Ich glaube, das ist sehr wichtig.

25:11Wie ist es denn heute?

25:12Also hast du heute so einen besseren

25:16inneren pH-Wertmesser dafür, wie es dir geht, sage ich jetzt mal?

25:19Ja, auf jeden Fall.

25:21Also ich glaube, ich kann jetzt viel besser

25:23Situationen einschätzen

25:25und auch viel besser priorisieren.

25:27Damals war alles immer gleich wichtig

25:30und heute weiß ich auch eins nach dem anderen.

25:32Alles ist gut.

25:34Step by step.

25:36Das Wichtigste ist deine Gesundheit.

25:37Nur wenn du gesund bist, kannst du auch weitermachen.

25:40Oder kannst du arbeiten.

25:42Glücklich sein, Zeit mit deinen Liebsten verbringen.

25:45Und das ist, das ist mir sehr bewusst geworden

25:47und das hat ja auch viel mit Selbstwert zu tun.

25:51Ich glaube, das war...sehr wichtig. Ja.

25:56Okay, Konzentration.

Jasminas Fazit

26:00Wie schaffen wir es, dass das Leben uns nicht

26:02in die völlige Erschöpfung treibt?

26:04Ich glaub, es ist so eine Mischung

26:06aus inneren und äußeren Faktoren.

26:08Für uns selbst.

26:09Klar, da können wir irgendwie schaffen,

26:11dass wir uns mehr Ruhepausen gönnen.

26:14So kleine Ruheinseln im Alltag schaffen und vielleicht

26:17auch die eigenen Warnzeichen besser lesen lernen.

26:21Also wann bin ich denn kurz vor der Erschöpfung.

26:24Und ich habe auch gelernt,

26:25dass es hilft, den eigenen Selbstwert

26:27nicht so sehr von der Leistung abhängig zu machen.

26:28Nicht so sehr davon, was wir erreicht haben, welche Jobs

26:31wir so haben, uns da vielleicht ein bisschen weniger

26:34zu identifizieren.

26:36Auf der anderen Seite finde ich aber auch,

26:39dass Menschen, die,

26:40die wirklich für eine Sache brennen, solche Idealisten,

26:44die sind ja auch total wertvoll für eine Gesellschaft.

26:46Und ich glaube, dass wir als Gesellschaft

26:47dann aber auch die Strukturen schaffen müssen,

26:49damit diese Menschen nicht an ihrem Idealismus scheitern.

26:52Also dafür sorgen, dass eine bessere Work-Life-Balance möglich ist.

26:55Weniger Zeitdruck und mehr Wertschätzung

26:58und Anerkennung am Arbeitsplatz.

27:00Für mich persönlich nehme ich voll mit,

27:04dass manchmal hilft es, gar nicht weniger zu machen,

27:07sondern manchmal hilft es, mehr von dem zu machen,

27:10bei dem wir uns wirklich lebendig fühlen.

27:14Ich persönlich ich schöpfe ja manchmal Energie,

27:16wenn ich mir schöne, inspirierende Dokus anschaue.

27:18Deswegen, falls

27:19ihr Lust habt, direkt

27:20weiter zu schauen, wenn euch das auch so geht,

27:21dann hätte ich hier eine Empfehlung für euch.

27:23Da gibt es doch ein schönes Video.

27:25All unsere Staffeln von Terra Xplore könnt ihr im ZDF streamen.

27:28Hier lang. Und gerne diesen Kanal abonnieren.

Recently added transcripts

Browse the whole transcript library

This transcript was generated from the captions YouTube publishes for this video. Get the transcript of any YouTube video atfreeyoutubetranscribe.com, free, unlimited, no sign-up.