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0:00Bei den ersten Telefonaten konnte ich natürlich meinen Befehlston
0:04nicht ablegen. Warum fällt's uns so schwer zu sagen:
0:08Ja, wir sind neutral, aber wir können trotzdem ein Rüstungsland
0:11sein? Wir haben die Friedensdividende
0:12konsumiert. Als gelernter Österreicher würde ich
0:14sagen, wahrscheinlich werden wir 2032 dort nicht hinkommen, sondern 2034 oder 35.
0:19Kriege ich dann überhaupt bei einer österreichischen Bank Finanzierung dafür?
0:22Streitwert ist der Podcast über das, was wirklich zählt. Mein Name ist
0:26Stephan Zöchling und ich spreche mit Persönlichkeiten über die Themen, die zu
0:30wertvoll sind, um darüber nicht zu streiten. Deswegen abonniere jetzt
0:33diesen Podcast und sei dabei bei der Koalition der Vernünftigen.
0:40Stellen Sie sich einen Mann vor, der von Montag bis Freitag Bilanzen in
0:43Milliardenhöhe verantwortet und am Wochenende in Uniform bei der Truppe
0:46steht. Erwin Hameseder war jahrzehntelang der mächtigste Manager im
0:50Raiffeisenverbund. Er ist Generalleutnant, als erster Milizsoldat überhaupt, hat es
0:55bis ganz nach oben in der militärischen Hierarchie geschafft.
0:59Das Heer, sagt er, sei seine beste Managementschule gewesen. Zwei Welten,
1:03die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben:
1:07Kapital und Kaserne, und die bei ihm seit 50 Jahren zusammenkommen. Heute reden wir
1:13mit ihm über beide: über ein Bundesheer, das jahrzehntelang kaputtgespart wurde
1:18und jetzt hastig aufrüsten soll, über eine Reform, bei der die Politik seiner
1:22eigenen Kommission nicht gefolgt ist, über die Frage, ob unsere Neutralität
1:26der heimischen Industrie im Weg steht, und über die Frage, warum Europa sein
1:30eigenes Wachstum nicht finanziert. Willkommen bei Streitwert.
1:35Sich anderen Meinungen aussetzen, Widerspruch aushalten und bessere
1:38Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden. Ich bin Stephan Zöchling.
1:41Willkommen bei Streitwert. Mein heutiger Gast ist Jurist, war und ist einer der
1:46einflussreichsten Manager des Landes und ist zugleich Generalleutnant des
1:51Bundesheeres. Er hat die Wehrdienstkommission geleitet, die dem
1:53Land gesagt hat, was es braucht, um sich verteidigen zu können. Wir reden über
1:57die Sicherheit Österreichs, über Geld und Verantwortung. Herzlich willkommen,
2:00Erwin Hameseder. Vielen Dank für die Einladung.
2:03Danke fürs Kommen. Soldat, Jurist und Manager.
2:09Jurist und Manager, seit Jahrzehnten Soldat. Ihr Satz „Das Heer war meine beste
2:14Managementschule“ ist eine steile Ansage, wenn man gleichzeitig das Heer als, wie
2:21es viele sehen, verstaubten Kostenfaktor zumindest galt und bei manchen gilt. Ich
2:26glaube, in den letzten Jahren hat sich da ja viel getan, nicht zuletzt auch
2:29aufgrund der Verteidigungsministerin Tanner. Was bedeutet es für Sie
2:34jenseits von Dienstgrad und Funktion, Soldat zu sein?
2:39Diese Entscheidung habe ich schon in ganz jungen Jahren getroffen.
2:43Nach der Matura war für mich klar: Ich will etwas Aufregendes machen, wo auch ein
2:48bisschen Abenteuer dahinterstand. Und damit habe ich mich entschieden,
2:54die einjährig-freiwillige Ausbildung zu machen, wo der Weg dann vorgezeichnet
2:59ist, dass man Offizier des österreichischen Bundesheeres wird,
3:03entweder Berufsoffizier oder Milizoffizier.
3:08Und ich bereue es nicht. Ich bin sehr froh, diese Entscheidung getroffen zu
3:11haben, denn als Beispiel: Ich war mit 22 Jahren Kompaniekommandant einer
3:18Jägerkompanie in Mautern in der Wachau. War dort
3:23verantwortlich für ca. 185, leider damals noch Männer alleine, aber mit
3:30einer Altersbreite von 18 Jahren. Also unsere Grundwehrdiener, die mir
3:34anvertraut worden sind, und meinem ganzen Team bis hin zu Offizieren,
3:40die an der Pensionsgrenze gestanden sind, und das damals zu führen, zu managen,
3:45das ist eine Erfahrung, die kann man sonst kaum wo machen.
3:50Das ist auch der Grund, warum Sie Milizsoldat geblieben sind, nehme ich
3:53an. Das war ein wesentlicher Grund, warum ich Milizsoldat geblieben bin,
3:58denn ich war in weiterer Folge auch für die Ausbildung junger Offiziere
4:03verantwortlich. Und da lernt man wirklich mit Menschen aus der
4:09Gesellschaft, jungen Menschen aus der Gesellschaft, ordentlich umzugehen.
4:14Und es hat sich seit damals sehr, sehr viel verändert, Gott sei Dank, denn
4:19die Ausbildung an der Militärakademie, aber auch an der Heeres-
4:23Unteroffiziersakademie ist ausgezeichnet, und wir haben heute da
4:28einen pädagogischen Standard erreicht, der wirklich großartig ist. Aber würden
4:32Sie sagen, dass das heute etwas anders ist als vor, keine Ahnung, 30 Jahren oder 35
4:38Jahren, wie ich zur Stellung musste? Ganz sicher. Ja, ganz sicher. Auch das
4:43Bundesheer oder unsere Sicherheitsinstitutionen
4:46durften und dürfen nicht stehen bleiben. Es ist eine stetige Weiterentwicklung.
4:50Man hat sich dem Zeitgeist anzupassen. Das ist unzweifelhaft auch
4:55erfolgt, weil, ich gebe zu, also wie ich ins, wie
4:58ich in die Maturaklasse, achte Klasse Gymnasium, kam, war unser
5:03vorrangiges Ziel, nicht zum Heer zu müssen. Ich gebe aber zu, Sie gesehen
5:10habend mit Ihrer Karriere, nämlich sowohl zivil als auch beim Heer, habe ich
5:14es dann ein bisschen bereut, das damals nicht erkannt zu haben. Aber ich glaube,
5:17es war der Zug der Zeit, oder? Es war sicherlich der Zug der Zeit.
5:22Ich hatte in frühen Jahren auch die Möglichkeit, mir in der Schweiz das
5:26anzusehen, wo ja geschichtlich schon immer, natürlich geprägt nach dem
5:32Zweiten Weltkrieg auch, dass Wirtschaft und das Heer, die Armee, sehr
5:37eng verbunden waren. Und in der Schweiz hat's damals kaum einen führenden
5:42Manager gegeben, der nicht auch eine Offiziersfunktion
5:45bei der Schweizer Armee hatte. Das war immer so ein bisschen das Vorbild.
5:51Und das kam nicht von ungefähr. Ich betone es noch einmal, denn
5:54Führungskompetenz, Stressresistenz, Krisenmanagement,
5:58Disziplin, das sind, wenn Sie so wollen, Tugenden, die dort wirklich
6:03einem eintrainiert werden, und das ist gut so, und davon profitiert man. Das stimmt.
6:08Neben Ihnen ist mir ein zweites wesentliches Beispiel bewusst, und zwar:
6:13Ich war ja 7 Jahre in Russland, und in Russland, in Nischni Nowgorod, haben wir
6:19einen Vorstand gewonnen für die Firma GAZ, die Fahrzeuge herstellt.
6:27Das war Bo Andersson. Der war früher Einkäufer bei General Motors, aber noch
6:32viel früher war er im schwedischen Heer. Ich glaube,
6:37auch Offizier. Ja,
6:38und der hat natürlich da dann wirklich im wahrsten Sinne des Wortes in
6:41Nischni Nowgorod ein strenges Regiment geführt, aber das hat dazu geführt, dass
6:45die Firma profitabel wurde. Ja, bei mir war es so, dass, als ich mich
6:49dann entschieden hatte, in die Privatwirtschaft zu gehen, ich habe das
6:54Studium parallel zu meiner Funktion, zu meiner Offiziersfunktion beim Bundesheer gemacht.
7:00Bin dann 1987 zu Raiffeisen gewechselt. Ein toller Zufall, den ich natürlich bis heute
7:09sehr, sehr begrüße und dankbar bin, dass das gelungen ist. Aber dieser Wechsel
7:13war durchaus so, dass ich schwierig war, denn bei den ersten Telefonaten konnte
7:19ich natürlich meinen Befehlston nicht ablegen, und meine damaligen Vorgesetzten
7:24haben mich da immer wieder, ja, im wahrsten Sinne des Wortes ermahnt, dass
7:28man hier heute auch das mit
7:32Bitte und Danke und Ersuchen verbindet. In letzter Konsequenz ist eine Bitte und
7:38ein Ersuchen in der Zivilwirtschaft im Resultat nichts anderes, oder man
7:44erwartet nichts anderes, als dass das, was man eigentlich anstrebt, auch
7:48geliefert wird. Und beim Bundesheer heißt das Befehl. Ja, aber mit dem
7:54Wissen von heute und auch Ihrer Karriere bereisen, wäre es nicht fast
7:59zwingend notwendig, Führungspersonal in der Wirtschaft zu empfehlen, noch
8:04einen Abstecher zum Bundesheer zu machen für ein Jahr oder zwei?
8:08Also, sehr gut wäre es, wenn sich in der Zukunft noch viel mehr entscheiden
8:13würden von den jungen Menschen, einen Grundwehrdienst zu leisten und dann
8:19für sich zu entscheiden. Und ich bin Milizsoldat, heute sehr stolzer
8:23Milizsoldat, dann auch die Möglichkeiten beim Bundesheer zu nützen,
8:29was an Ausbildung da geboten wird. Das ist einzigartig. Und das kann
8:35man so kaum, also ich, mir ist es nicht bekannt, wo man das Learning by Doing
8:40mit gleichzeitiger, auch fundierter theoretischer Ausbildung so konsumieren
8:45kann wie beim österreichischen Bundesheer. Ich würde sagen,
8:49wahrscheinlich auch zum Teil bei Ausbildung bei der Polizei. Aber
8:55das ist mit ein Grund, warum ich auch dafür gekämpft habe und der Frau
8:59Bundesministerin Tanner sehr, sehr dankbar bin, dass sie viele Anreizsysteme
9:04mittlerweile geschaffen hat mit dem Ziel, junge Menschen davon zu
9:07überzeugen, sich verstärkt für die Sicherheit der Republik Österreich
9:11einzusetzen und Teil der Miliz des österreichischen Bundesheeres zu werden.
9:16Aber ist das Ihrer Meinung nach ausreichend bekannt und kommuniziert?
9:20Meines Erachtens hat sich viel getan, aber es ist natürlich nicht genug, weil
9:25wir auch sehen, dass wir es nicht leicht haben, junge Menschen zu
9:30motivieren. Aber was gelungen ist: In den letzten drei Jahren sehen wir da
9:35wirklich jetzt einen Aufschwung. Ich denke, das hat auch damit zu tun, dass –
9:40und da kann ich nicht genug Dankbarkeit der Frau Bundesministerin, aber auch
9:45unseren jeweiligen Bundeskanzlern aussprechen – weil auch bekannt
9:50geworden ist, dass wieder in die Armee investiert wird, ja, und zwar in die
9:54persönliche Ausrüstung der Soldaten, aber auch in jenes Gerät, das man eben
10:00braucht, um eine verteidigungsfähige Armee wieder zu haben. Das Ziel ist es
10:04ja, 2032 wieder verteidigungsfähig zu sein als österreichisches Bundesheer.
10:11Sie haben jetzt relativ viel darüber erzählt, was was Sie alles vom Bundesheer
10:12mitgenommen haben in die Privatwirtschaft.
10:16Jetzt die Frage umgekehrt: Was könnte das Bundesheer aus der Privatwirtschaft lernen? Die Flexibilität, deutlich schnellere Entscheidungen
10:32und das in der, in der Wirtschaft in einer gut geführten Unternehmung
10:41gelingt: dieses Teambuilding, dass man gemeinsam sehr, sehr viel und sehr
10:47rasch etwas weiterbewegen kann. Und das sieht man insbesondere dann, wenn
10:51Unternehmungen in einer Schieflage sind, wo dann ein Sanierungsteam
10:56zusammentritt und in aller Regel, wenn man da wirklich die richtigen Manager
11:00dazu findet, wie man dann sieht, dass innerhalb von zwei bis 3 Jahren ein
11:05Schiefstand wieder nicht ausgeglichen wird, sondern Unternehmungen wieder
11:09wettbewerbsfähig werden. Aber mir ist schon eines bewusst: Das
11:14österreichische Bundesheer hängt viel stärker von politischen Entscheidungen
11:19ab als in der, wie in der Wirtschaft. Wohlwissend: Regulatorik ist immer und
11:25überall. Aber vielleicht kommen wir da noch zu sprechen.
11:28Durchaus. Ich erinnere, ich habe es, bevor wir diesen Podcast
11:33aufgenommen haben, schon kurz gesagt: Wir kennen uns fast 30 Jahre, haben uns
11:37eben auch bei diversen Sanierungsfällen kennengelernt, und ich
11:40kann mich gut erinnern: Sie waren ja vor 30 Jahren, also 1997, unter
11:46anderem auch für den großen Sanierungsfall NÖM mitverantwortlich und haben den, wie
11:51man offensichtlich sieht, sehr erfolgreich mit diversen Kollegen und im
11:55Team saniert. Das Unternehmen ist seit wahrscheinlich 25, 26 Jahren eine der
12:01erfolgreichsten österreichischen Molkereibetriebe mit Sitz in Baden.
12:05Und darüber hinaus, wie gesagt, gibt's aber andere schöne Beispiele, die Sie im Rahmen Ihrer
12:10Raiffeisen-Managementtätigkeit saniert haben. Teambuilding heißt aber auch, Dinge auszuarbeiten
12:17und zu entscheiden. Sie waren Vorsitzender der
12:22Wehrdienstkommission und, einfach nur als gelernter
12:26Österreicher oder als Staatsbürger, ist man dann überrascht, wenn man sich auch
12:29die Liste dieser Kommissionsmitglieder anschaut, was da wirklich für
12:33hochrangige Experten drinnen gesessen sind, neben Ihnen auch Thomas Starlinger,
12:37Vertreter eigentlich aller diversen zivilgesellschaftlichen
12:42Organisationen, bis hin zu, glaube ich, wenn ich es
12:45richtig gesehen habe, Schulsprecher, Landes- oder Bundesschulsprecher, und ich
12:50weiß nicht w so. Dann gibt's eine Entscheidung, die ist sehr plausibel,
12:54die ist transparent, die ist klar, die ist auch ökonomisch sinnvoll, und
12:58[Schnauben] dann folgt die Bundesregierung dieser Entscheidung
13:02nicht. Was tut das mit Ihnen? Sie haben völlig recht. Die
13:06Wehrdienstkommission hat aus 23 Expertinnen und Experten bestanden. Die Damen und
13:13Herren haben repräsentativ unsere Gesellschaft abgebildet, bis hin eben
13:19Schulsprecher, Schülerunion, Damen, junge Damen. Das hat mich sehr
13:24begeistert. Insbesondere deren Inputs haben mich sehr begeistert, und wir haben
13:29in 13 Sitzungen ungefähr 2700 Stunden aufgewendet, um zu Ergebnissen zu
13:35kommen. Und in letzter Konsequenz waren das 49 Empfehlungen und über 41
13:42sogenannte Anreize, wo wir also auch darüber nachgedacht haben: Was muss
13:47getan werden, um möglichst viele junge Menschen, in dem Fall noch Männer, aber
13:52auch auf freiwilliger Ebene Frauen anzusprechen, dass es
13:57ein hoher demokratischer Wert ist, sich für die Sicherheit der Republik
14:01Österreich einzusetzen. In letzter Konsequenz natürlich die Miliz,
14:06aber wenn möglichst viele den Grundwehrdienst leisten, gibt's auch gute
14:12Chancen, diese für Unteroffizierskarrieren oder
14:15Offizierskarrieren zu gewinnen. Ja. Und dann haben wir unser Ergebnis am 20.
14:22Jänner dieses Jahres geliefert, und ja, meine Erwartung war: Na ja, es wird im
14:28März mit Sicherheit dann die Regierung darüber entscheiden. Die Empfehlung war
14:33sehr klar. Das hat geheißen: Österreich- Plus-Modell. Das ist also acht Monate
14:37Grundwehrdienst, zwei Monate da dann Milizübungen,
14:42Milizübungen, und der Wehr- Ersatzdienst ist gleich Zivildienst.
14:47Muss adäquat daher auf 12 Monate, mindestens 12 Monate verlängert werden.
14:53Es gibt ganz genaue Analysen dazu. Und das ist auch das kostengünstigste
14:59Modell. Wir haben aber, weil wir gewusst haben, auch in der Wirtschaft
15:04will man ja mehrere Optionen haben, um dann entscheiden zu können. Wir haben
15:07auch ein sogenanntes Stufenmodell ausgearbeitet. Das hat gelautet:
15:13sechs Monate Grundwehrdienst. Das hat unter Anführungszeichen den Vorteil,
15:19wenn man den Paragraf 20 Wehrgesetz nicht ändern will, dass man den lassen
15:24kann und dazu dann drei Monate Übungen, um es so zu sagen. Da haben
15:32wir aber gewusst, das ist wesentlich teurer, ungefähr um 250 Millionen Euro.
15:37Und aufgrund der Vielzahl der Gespräche, die ich mit
15:40Wirtschaftsvertretern geführt habe, aber auch mit den Betroffenen in
15:46Zukunft, wo ja fast alle gesagt haben: Ja, mir ist lieber, quasi möglichst
15:51viel durchzuden, mich auf einen höhen Stamm, hohen Stamm bringen zu lassen, und
15:55dann mache ich meine Übungen und bin mit 30 Jahren dann mit diesen Übungen auch
15:58fertig. Und beim Stufenmodell ist es so:
16:026 Monate, innerhalb 18 Monate dann wieder ungefähr 40
16:08Tage bis 60 Tage einzurücken, und dann kommen noch die Milizübungen. Ist
16:14organisatorisch auch schwieriger. Aber ja, die Entscheidung ist dann in
16:20die Nähe des Stufenmodells gekommen, mit durchaus den Nachteilen, die Sie
16:27auch angesprochen haben. Aber es ist auch klar: In einer Demokratie
16:33entscheidet das Parlament, in letzter Konsequenz vorher die Bundesregierung, in
16:38diesem sehr mühsamen Prozess. Und wenn Sie mich fragen, ob ich zufrieden
16:44sein kann: Ich habe es auch zum Ausdruck gebracht. Nun, klarerweise,
16:49ganz glücklich war und bin ich nicht damit. Aber eines muss man sagen: Wenn
16:56politisch nicht mehr geht, dann ist es das Ziel, da jetzt möglichst viel
17:01herauszuholen. Und dieses Modell – wir hatten ja leider Gottes das Abschaffen
17:06der Milizübungen, eine katastrophale Entscheidung damals. Und ich bin sehr
17:10dankbar, dass der Altbundeskanzler Schüssel mittlerweile auch gesagt hat,
17:14dass es ein Fehler ist. Und ja, das sagt man ja nicht so lange, wenn man da also
17:19eigentlich der Entscheider war, der das dann angeordnet hat. Also, das hat
17:24mich im Nachhinein sehr gefreut. Jetzt haben wir diese Übungen wieder, und es
17:29sind jetzt 6 Monate plus 3 Monate, und es wird eine große Freiheit
17:37angeboten werden für die Betroffenen, die eben den Wehrdienst leisten,
17:43sodass wir unsere militärischen Ziele erreichen werden können. Aber dazu
17:48gehört auch, dass man sicherlich die Wochendienstzeit sicher überhaupt nicht
17:52ein, dass man als junger Mensch irgendwo sagt: Na ja, maximal 40 oder 45
17:58Stunden. In meiner Zeit war damals es auch üblich, dass man 60, 65 Stunden
18:04Wochendienstzeit als junger Soldat hatte. Warum heute nicht? Die Leute
18:08wollen ja auch gefordert werden. Die Leute wollen gefordert und gefördert
18:12werden. Das ist jetzt ein Prozess, also da werden wir noch vieles tun. Aber
18:17ich sage nur: Besonders schmerzlich ist, ohne wirklich großen Grund, wahrscheinlich
18:22aus ideologischen Gründen, dass man zwar 100 mindestens, aber eher 250 Millionen
18:27Euro pro Jahr mehr Personalkosten hat. Und das muss man in so einer budgetären
18:32Lage erst wirklich erklären. Ja, und das ist ja de facto wirklich
18:36nicht nachvollziehbar und nicht verständlich. Was macht das aber auch
18:40mit Ihnen als Spitzenmanager, wenn man so eine Kommission anführt, damit
18:45wirklich viel Zeit, Herzblut und Leidenschaft daran arbeitet und dann die
18:50Regierung den Empfehlungen nicht folgt? Ich meine, was macht das für zukünftige
18:54Expertenkommissionen? Da sagt ja jeder: „Wozu soll ich mir das noch antun? Die
18:58machen eh, was sie wollen.“ Na ja, ich würde das für mich so
19:03sagen: Wenn man so lange, im wahrsten Sinn des Wortes, im Geschäft ist, auf der einen
19:09Seite militärisch, aber auch in der Wirtschaft, dann weiß man
19:14auch, wie oftmals politische Entscheidungen getroffen werden. Es
19:19hilft ja nichts, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern jetzt geht es noch
19:23darum – und ich habe davon gesprochen: Es sind ja noch 49
19:27Empfehlungen da und über 40 Anreize, dass möglichst viel von diesen
19:31Empfehlungen und Anreizen parallel zu dieser Dienstzeitentscheidung
19:36dann noch umgesetzt wird. Das ist jetzt noch ein Job, wenn Sie so
19:41wollen, den ich noch gerne mache, mit einem Team, und die Frau
19:46Bundesministerin da weiter massiv unterstütze.
19:50Aber ja, als Demokrat hat man das zu akzeptieren und zu sagen: So,
19:58ich bin jetzt traurig und bin massiv enttäuscht. Ich habe schon gesagt, ich
20:02bin nicht ganz glücklich damit. Es ist trotzdem
20:05ein riesiger Schritt nach vorne in die richtige Richtung für das
20:09österreichische Bundesheer, wo man die Miliz weiter aufbauen kann. Mir ist
20:14nur wichtig: Diese Mehrkosten von 200 bis 250 Millionen, dass dann nicht der Herr
20:19Finanzminister oder man in der Regierung sagt: „Na ja,
20:23das zwicken wir jetzt weg vom Heeresbudget für die Beschaffungen.“
20:27Das wäre eine Katastrophe. Das haben wir aber klar gesagt. Der Herr Bundeskanzler
20:31hat das auch von seiner Seite damals im Pressegespräch gesagt: Das darf nicht
20:36sein. Also, da wäre es wirklich eine Katastrophe, und ich wäre massivst
20:42enttäuscht. Aber ich sage noch einmal: demokratischer Prozess, und als Demokrat
20:46hat man das so zur Kenntnis zu nehmen. Ja, für Sie ist ja Sicherheit mehr als
20:51Kaserne und Panzer, um das jetzt einmal salopp zu sagen. Für Sie ist ja
20:55Sicherheit Strom, Wasser, kritische Infrastruktur, Lebensmittel. Jetzt haben
21:01wir 2026 eines der schwersten Dürrejahre seit Messbeginn
21:07erlebt. Hat natürlich massivste Auswirkungen auf die
21:10Lebensmittelsituation in Österreich, auf die Bauern natürlich. Auch da
21:13wiederum Ihre Doppelfunktion: Offensichtlich hat Raiffeisen als
21:17Organisation sofort Maßnahmen ergriffen, hat also Finanzierungen zur
21:22Verfügung gestellt für Bauern, hat auch Zinsstundungen gewährt oder sogar
21:27auf Zinsen verzichtet, hat also den Bauern im Sinne des Gründers Raiffeisen sehr, sehr
21:34schnell und unbürokratisch Hilfe zur Verfügung gestellt.
21:40Was macht es aber dann trotzdem mit Ihnen, wenn man dann sieht, dass es eine
21:44Diskussion gibt über ein Hilfspaket für Bauern, wiederum in Höhe von einmaligen
21:49200 Millionen, die der Finanzminister zur Verfügung stellen sollte, die er
21:54wiederum aus ideologischen Gründen – möchte ich nicht sagen,
21:57verweigert, aber zumindest lange braucht, bis sie dann tatsächlich
22:02gewährt werden? Ja, wenn man das Modell 8 + 2 genommen
22:05hätte, dann hätte man diese 250 Millionen schon gehabt, nicht? Wenn man das ein
22:11bisschen sarkastisch betrachtet, ja, ist das so. Aber ich denke, gerade dieser
22:17Klimawandel, den es ja unzweifelhaft gibt, und heuer dieses Jahr
22:21der Dürre, ja, führt uns auch in Österreich vor, dass Lebensmittel-
22:29selbstversorgung keine Selbstverständlichkeit ist. Ja, und dass
22:33Wasser nicht eine Ressource ist, die im Überfluss immer da sein muss. Ja, wir
22:37sind es gewohnt, und wir leben Gott sei Dank in einem Land, wo es da bis
22:41dato nicht wirklich Probleme gegeben hat. Aber wenn man jetzt mit
22:44Sorge die Entwicklung des Grundwasserspiegels insgesamt ansieht,
22:48wenn man mit Sorge diese verbrannten Felder sieht, ob das jetzt
22:52Getreide war, wo es ja eine Frühjäernte gebraucht hat, und damit hat es auch
22:56zwar teilweise qualitativ gute Qualität gegeben, aber deutlich weniger
23:02Menge. Jetzt kommt die Maisernte: eine Katastrophe. Sonnenblumen. Also,
23:07ich könnte jetzt vieles aufzählen, bis hin zu den Zuckerrüben, wo auch dann
23:13Ungeziefer dazukommt aufgrund der Dürre, Insekten, die wir bis so in
23:20Europa und in Österreich schon gar nicht kannten. Ja, also da sind wir
23:24aufgerufen, wirklich unseren Landwirten auch zu helfen.
23:31Diese lange Diskussion ist für mich wieder völlig unverständlich, denn wir haben gesagt:
23:35Wir müssen einen ersten Schritt machen, um hier Hilfspakete anzubieten.
23:41Wobei man auch unterscheiden muss: Es gibt ja auch eine
23:44Versicherungsmöglichkeit über die Hagelversicherung. Und da muss man
23:47schon aufpassen: Also Betriebe, die sich versichern haben lassen seit vielen
23:51Jahren und Geld investiert haben, damit sie etwas bekommen, wenn eben
23:58Witterungsunbilden ihnen die Ernte zerstören, die kann man sicher nicht
24:02gleich behandeln wie jene, die gesagt haben: „Na ja, ich spekuliere, es wird
24:05schon nichts passieren.“ Ja, aber das ist ein anderes Thema.
24:09Thema auch unternehmerisches Risiko.
24:11Und es ist ein unternehmerisches Risiko, also das muss man schon mit ins Kalkül
24:15ziehen. Aber ich betone noch einmal: Es geht hier um
24:18die Sicherstellung der Lebensmittel für die österreichische
24:23Bevölkerung. Und man kommt auch zunehmend darauf: Der Boden, auf dem wir leben und
24:29gehen, ist eine strategische Ressource. Und auch da geht es um Resilienz. Bei
24:35dem Begriff sind wir heute noch gar nicht vorbeigekommen. Ich spreche das
24:39sehr absichtlich an, denn Resilienz heißt: vorsorgen, mir überlegen, was kann
24:45denn alles passieren und wie kann ich mich am besten absichern, dass, wenn
24:49unvorhergesehene Fälle kommen, aus welchem Grund immer, dass ich eben allfällig
24:54besser vorbereitet bin als andere. Also das Resilienzthema, Bodenressource,
25:00das Zubetonieren, all die Themen, die wir auch schon natürlich aus den Medien
25:04kennen, spielen eine Rolle. Und wir sind jetzt auch dabei, mit unseren
25:10Unternehmungen nachzudenken, Versuche zu machen in unseren
25:15Laboren: Welches Saatgut braucht man in der Zukunft? Genauso wie man im Forst
25:20nachdenkt: Wie muss ein Wald in Zukunft zusammengesetzt sein, damit er eine Chance
25:24hat zu überleben? Es werden also gewisse Baumarten verschwinden, und so ist
25:29das auch im Getreide-, im Mais-, im Zuckerrübenbereich et cetera. All das, was wir
25:34eben brauchen, um Grundnahrungsmittel herstellen zu können. Da ist intensiv
25:39die Forschung auch gefragt, auch gemeinsam mit der Universität für
25:44Bodenkultur, um ein Beispiel zu nennen, aber auch mit ausländischen Partnern. Also,
25:48da kommt viel auf uns zu, das kostet auch Geld. Aber auch die
25:54Versorgungssicherheit ist ein unverzichtbarer Teil der umfassenden
25:58Sicherheit für unsere Bevölkerung. Die österreichische Landwirtschaft,
26:03soweit ich richtig informiert bin, hatte ungefähr einen Eigenversorgungsgrad
26:07von knapp 75 bis 80 Prozent. Je nachdem, was man betrachtet. Milch-
26:11und Rinderwirtschaft ist fast 170 Prozent, andere sind ein bisschen weniger.
26:15Das heißt, grundsätzlich sind wir
26:18ganz gut aufgestellt. Aber Ihren Worten entnehme ich, dass das
26:23eigentlich auch ein Zukunftsfeld der Industrie, der Forschung oder
26:30Innovation wäre, wo man massiv investieren könnte und sollte.
26:35Sprich: Vorsorge und Resilienz im Zusammenhang mit Nahrungsmittel-
26:40sicherstellung. Ja, es geht darum, möglichst Abhängigkeiten dort, wo es
26:44schon welche gibt – und die gibt es schon auch –, zurückzufahren und eigene
26:49Wertschöpfung zu betreiben. Weil eigene Wertschöpfung – und das gilt für die
26:52Wirtschaft, für die Industrie genauso wie für den Bereich der
26:55Landwirtschaft – kostet hin und wieder mehr Geld. Und der Weg, immer den
27:00Billigeren nachzueilen, das wird, glaube ich, so in Zukunft nicht mehr der
27:04optimale Weg sein. Ja, also: Globalisierung hat uns unzweifelhaft in
27:08allen Bereichen Wohlstand gebracht, tolle Entwicklungen gebracht. Wir haben
27:13die Friedensdividende konsumiert, weil wir alle überzeugt waren, es kann ja
27:17zumindest in Europa keinen Krieg mehr geben. Haben Dinge schwer
27:21vernachlässigt, die für die Sicherheit notwendig gewesen wären. Wir sind in
27:25Abhängigkeiten hineingeraten, und jetzt sehen wir, dass diese Abhängigkeiten uns
27:32schweres Geld kosten. Denn es reicht ja schon, wenn ein Schiff im Suezkanal quer
27:37steht, geschweige denn die Straße von Hormuz. Oder noch viel ärger wäre es, wenn
27:42wir in Asien ein Problem hätten: Straße von Malakka, da laufen 35 Prozent des
27:46Welthandels durch. Also all die Dinge müssen wir uns doch noch einmal ansehen,
27:51kritisch beurteilen und dann versuchen, wirklich die Abhängigkeiten
27:58dort, wo es geht und wo es auch Sinn macht, zurückzufahren. Weil das
28:02bedeutet Wertschöpfung hier in Österreich, in letzter Konsequenz
28:05Steuergeld, und bedeutet mehr und sichere Arbeitsplätze.
28:09Aber gleichzeitig haben wir die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht
28:12geschaffen. Absolut.
28:14Dass wir als neutrales Land zum Beispiel bestimmte Dinge produzieren dürfen,
28:18nämlich auch als Unternehmer, aus der Sicht des Unternehmers, um die dann
28:23auch tatsächlich dem österreichischen Bundesheer oder gar anderen Heeren zur
28:26Verfügung zu stellen. Wie sehen Sie da die Rolle der Politik? Weil
28:30offensichtlich passiert da ja gar nichts. Da stoßen wir auch
28:34offensichtlich an ideologische Parteigrenzen.
28:38Auch völlig unverständlich. Ja, wir können nicht die Augen verschließen,
28:43wenn hier ein Wachstumsfeld da ist. Und ich betone noch einmal, worum es geht:
28:47Steuermittel werden eingesetzt, um für den
28:52Sicherheits- und Verteidigungsbereich der Zukunft vorzusorgen. Und da
28:57ist es so legitim, dass ich diese Steuermittel viel lieber an
29:01österreichische Unternehmungen weitergebe, um den Kreislauf,
29:05hochwertige Arbeitsplätze, Forschung und Entwicklung – und damit entstehen ja
29:08wieder Steuerabgaben –, Wertschöpfung in Österreich, um das
29:12sicherzustellen. Leider sind wir da gerade – und das beginnt schon
29:16bei den sogenannten Dual-Use-Gütern. Ja, also wenn Sie heute einen Chip, der, um
29:23ein Beispiel zu sagen, bei Infineon produziert wird, in einer
29:27Waschmaschine haben, ist es kein Problem. Allenfalls, wenn dieser Chip – und der kommt
29:31mit Sicherheit in eine Drohne –,
29:33in einer Drohne drinnen oder sogar in einer Optik eines Panzers oder sonst wo
29:38drinnen ist, dann ist das ja schon ein Problem. Und da gibt es den § 320
29:42Strafgesetzbuch, der
29:44Das wäre meine nächste Frage gewesen. unbedingt geändert werden muss, wo es aber
29:48große Widerstände von der einen oder anderen Partei gibt.
29:53Ja, weil es einem Vorstand nicht zuzumuten ist, dass er, wenn er ein
29:57Unternehmen finanziert, wo eben insbesondere dann Güter oder Waffen
30:02und Munition – kann man ja ruhig ansprechen – für den
30:06Aufbau unserer Verteidigungsfähigkeit gebaut werden,
30:10dort ein Unternehmen finanziert und dieses Gerät dann in falsche Hände gerät,
30:15dann kann ein Vorstand auf Bankebene nach diesem Paragraphen verurteilt
30:22werden. Also, das kann ja nicht sein. Da gibt es Änderungsvorschläge, wie man
30:26vernünftig mit diesem Paragraphen auch umgehen muss. Und es kann ja auch nicht
30:31sein, dass wir diese Güter, nur weil wir sie in Österreich aufgrund ideologischer
30:36Gründe nicht wollen, ja, dass wir die sowieso immer vom Ausland kaufen müssen.
30:40Und das ist ein europäisches Thema insgesamt. Europa muss deutlich in
30:45die eigene Souveränität und Autarkie, gerade in diesen Bereichen, investieren.
30:51Es gibt große Fördertöpfe jetzt für Forschung und Entwicklung, und es
30:57ist ja auch hier geplant, dass Europa bis 2030 massiv hier investiert.
31:03Das wird weit darüber hinausgehen. Die Zahlen sind bekannt, da geht es um 800
31:08Milliarden. Forschungstopf von 100, glaube ich, 180 Milliarden. Weltweit
31:15geht es an Ausgaben für die Rüstungsindustrie
31:21um knapp 3 Billionen. Ja, das sind unfassbare Zahlen. Und das ist eine
31:29hochtechnologische Industrie mit einem irrsinnigen Wachstumspotenzial. In
31:34Österreich arbeiten in dem Bereich derzeit ungefähr 45.000. Und wenn man
31:39das gescheit macht, werden wir da in Zukunft über 60-, 70.000 Mitarbeiter
31:45haben, verdoppeln, wie qualitativ hochwertige, hochwertigste Arbeitsplätze.
31:52Und ich glaube, über das muss man einmal drüber, und das muss politisch
31:56kurzfristig ausdiskutiert sein. Aber jetzt frage ich Sie als
31:58Unternehmer: Wenn ich morgen in dieses Segment investieren möchte, kriege ich
32:02dann überhaupt bei einer österreichischen Bank Finanzierung
32:05dafür? Aktuell nicht, oder? Das kommt darauf
32:08an. Also, bei Dual-Use ist es ja. Aber wenn es wirklich darum
32:16geht, wo die unmittelbare Gefahr besteht – und es beginnt ja schon, es ist
32:22ja noch gar nicht so lange durch die Medien gegangen, dass es Unternehmen
32:26gibt, die Drohnenkomponenten liefern, und diese Komponenten sind dann in der
32:31Ukraine für die ukrainische Drohnenindustrie – und für die ist das
32:34überlebenswichtig – dann gelandet. Ja. Wo die
32:38Produkte in letzter Konsequenz sind, ja, Teilkomponenten, noch gar keine Waffe,
32:42ja, dass das dann schon ein großes Problem
32:46ist. Also, über das müssen wir hinweggehen, und ich sage noch einmal: Da muss
32:52die eine oder andere Partei wirklich [Räuspern]
32:55an sich arbeiten und sagen: Wir müssen uns den geopolitischen, sehr
32:59negativen Entwicklungen stellen und müssen die entsprechenden Konsequenzen
33:05da auch ziehen. Ja, also gut, es gab auch das schöne, medial bekannte Beispiel,
33:10glaube ich, von Steyr Mannlicher, die die Exportgenehmigung
33:14nicht bekommen haben, weder vom Innenministerium noch vom
33:17Verteidigungsministerium, glaube ich, verfallen lassen.
33:21Das sind Zustände, das geht nicht, ist auch überhaupt nicht akzeptabel. Und
33:29es geht in diesem Bereich ja auch darum, selbst eben eine gewisse Autarkie
33:34für sich herzustellen. Ja, weil sonst wird man nie eine glaubwürdige
33:39Resilienz herstellen können. Und [Schnauben]
33:42dieses Chancenfeld Rüstungsindustrie ist eben etwas, das in den nächsten
33:48mindestens 10 Jahren weiterwachsen wird. Es kommt nicht von
33:52ungefähr, wenn man jetzt aus dem VW- Konzern hört, dass sich auch VW mit dem
33:58Thema intensiv beschäftigt. Ja, und wie würden wir dem begegnen, auch Stichwort
34:04europäischer Kapitalmarkt und Geldgeber, wenn wir dann sehen, dass bei großen
34:08europäischen Rüstungsfirmen amerikanische
34:11Fonds à la BlackRock wesentliche Beteiligungen haben? Das heißt, es ist ja
34:15wiederum ausländisches, also amerikanisches Kapital, das am Ende des Tages davon
34:19profitiert, dass wir dort einkaufen. Ja, das sieht man genau an dem Beispiel,
34:22dass wir hier noch völlig falsch, völlig falsch aufgestellt sind. Und es
34:27ist zum Beispiel unabdingbar, dass man auf EU-Ebene die Taxonomie adaptieren muss. In dem
34:34Moment, wo auf EU-Ebene klargestellt wird, dass Finanzierungen – und auch
34:39vom Kapitalmarkt jetzt gemeint, also nicht nur
34:42Bankfinanzierungen –, die man Unternehmungen gibt, die
34:47eben auch Rüstungsgüter erzeugen, dass die nachhaltig angesehen werden, in dem
34:52Moment gibt das deutlich auch eine Möglichkeit,
34:57ist ein klares Zeichen nach außen. Bis dato ist das ja so: Obwohl eben große
35:02Mittel zur Verfügung gestellt werden – und das sieht man auch –, die eine Seite, die EU,
35:06stellt Mittel zur Verfügung, und auf der anderen Seite gibt es noch regulatorische
35:11Hürden, die damit nicht zusammenpassen. Also: Finanzierungen in Sicherheit, in
35:16Verteidigung müssen als nachhaltig anerkannt werden. Und dann ist eine
35:20logische Folge auch, dass zum Beispiel der § 320 StGB entsprechend
35:26adaptiert werden muss. Ich sage gar nicht, dass er abgeschafft werden muss,
35:29sondern dass eine entsprechende Novellierung erforderlich ist. Und das kann man in die
35:34Richtung machen. Ist ja völlig klar: Wenn ein Unternehmen heute vorsätzlich
35:39Produkte schauen – und das kann man ja alles nachvollziehen – in ein
35:43kriegsführendes Land oder gar terroristische Organisationen
35:47weitergibt, ja, da soll das gelten, überhaupt keine Frage. Ja, aber darüber,
35:51das ist überhaupt kein Thema. Ja, und wir werden auch nicht umhinkommen,
35:56darüber nachzudenken, dass man sagt: Na ja, die Neutralität,
36:00unsere Neutralität, die auch in der Bevölkerung sehr, sehr hoch gehalten
36:03wird, das wissen wir ja, kann ja auch nicht dazu führen, dass
36:09Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in Österreich keine Wachstumschance hat.
36:12Das kann ja nicht sein. Das heißt, für Sie ist ganz klar: Die
36:14Neutralität ist das eine, aber Rüstungsindustrie und Wachstum ist das
36:19andere und muss möglich sein. So ist es. Und da muss man das
36:22Waffenexportgesetz, um ein weiteres Gesetz anzusprechen. Das muss man
36:26ändern. Es gehört Transparenz her, es gehört die Nachvollziehbarkeit her,
36:32da gibt's ja überhaupt nichts zu verstecken. Und unser Bundesminister
36:36Hattmannsdorfer hat das ja einige Male auch schon sehr zum Ausdruck gebracht.
36:41Ja, und ich bin schon froh. Man sieht, es geht was. Es ist ein Beginn da,
36:46dass hier Kooperationen möglich sind. Im Zuge der Leonardo-
36:51Hubschrauberbeschaffung ist jetzt erstmalig wieder eine
36:54Kooperation möglich. Früher haben wir gesagt: Gegengeschäfte. Kooperation ist
36:59viel besser. Über 400 belastet ist weniger belastet, über 400 Millionen.
37:04Also erste Schritte sind gesetzt, aber man muss schon sagen, da gibt's schon
37:08einen starken Druck und ich darf in der Industriellenvereinigung eine Taskforce
37:12leiten, die sich genau mit diesen Themen beschäftigt und ohne weiteren Druck und
37:18Transparenz und Argumentation wird sich nichts weiter bewegen und daher werden
37:22wir da intensiv drauf bleiben. Aber es müsste auch klar sein: Wenn Europa, wie
37:27wir es ja gerade in der Ukraine erleben, 90 Milliarden zur Verfügung stellt, um
37:31einem Land zu helfen oder zur Seite zu stehen, dann müsste doch auch klar sein,
37:36dass ein [Schnauben] europäisches Land diesem Land mit europäischem Geld
37:41auch mit Komponenten oder möglicherweise sogar Fahrzeugen oder Waffen zur Seite
37:46stehen darf oder? Müsste doch klar sein. Sollte klar sein. Ja, aber wie wir
37:52wissen, dort sind wir noch nicht. Und es werden heute immer noch
37:58Vermutungen angestellt, die uns aber aufgrund der geopolitischen Situation
38:04nicht der notwendigen Lösung weiterbringen. Aber mir ist schon klar:
38:08Ja, wir haben eine Bundesregierung, wir haben ein Parlament, das einerseits
38:13Gott sei Dank sehr bunt zusammengesetzt ist. Aber ich betone noch einmal:
38:19die Politik muss sich auch der Realität stellen. Und eine
38:24der Hauptaufgaben der Politik ist es auch Sicherheit für die österreichische
38:28Bevölkerung zur Verfügung zu stellen und die Rahmenbedingungen dazu aufzumachen.
38:32Und da gehören die Themen, die wir jetzt gerade angesprochen haben, unzweifelhaft
38:35dazu. Und Sie sind ja Sie sind ja in all diesen Feldern seit
38:39eben vielen Jahren erfahren. Das bringt das bringt das Alter mit sich und die
38:44langjährige Tätigkeit in all diesen Bereichen.
38:49„Zusammen stärker“ und auch der Podcast „Streitwert“ sind ja entstanden, um
38:55gegen politische Extreme links und rechts aufzutreten.
39:00Das heißt, es geht ja in vielerlei
39:02Hinsicht - und da sind Sie ein großer Verfechter von Dingen mit Vernunft, mit
39:07Hausverstand, mit Weitblick, Resilienz. Sie haben es schon
39:11angesprochen. All diese Dinge, die Sie jetzt angesprochen haben, müssten
39:16doch eigentlich dazu führen, dass eine eine Bundesregierung, die im Moment
39:21tätig ist, sagt: „Okay, damit wir die Extreme links und rechts der Mitte und
39:25links und rechts der Gesellschaft nicht weiterstärken, müssen wir alle diese
39:30Dinge tun.“ Sie liefert aber eigentlich fast im Stundenrhythmus
39:35Gründe und Argumente, dass andere sich nur zurücklehnen müssen und sagen
39:39müssen: „Fein, wir haben in der zweitgrößten österreichischen Stadt eine
39:42kommunistische Bürgermeisterin zum zweiten Mal, sogar mit deutlichem Zuwachs.
39:48Wir sehen die rechten Parteien permanent und stetig steigen. Nicht
39:53zuletzt auch aufgrund der Argumente, die wir jetzt schon
39:56diskutiert haben, Neutralität und anderer Dinge. Warum
39:59fällt's uns so schwer, zu sagen: Ja, wir sind neutral, aber wir können trotzdem
40:03ein Rüstungsland sein? Ja, es geht in Niederösterreich, kann man den Medien
40:07entnehmen, gerade ein großer Automobilzulieferbetrieb in Konkurs.
40:10Ja. Wir brauchen, wenn die
40:13Automobilindustrie auslässt, ich merk es ja selber jeden Tag.
40:16Ja, wir brauchen neue Geschäftsfelder und da müssen wir rasch, nämlich nicht
40:20innerhalb von Jahren, sondern innerhalb von Monaten den gesetzlichen Rahmen
40:25schaffen. Das ist ja normalerweise möglich. Also müsste man
40:30meinen, wenn man guten Willens wäre. Jetzt weiß ich schon, Sie sind ja Profi
40:34in dem Geschäft, aber warum laufen wir offensichtlich sehenden Auges in dieses
40:39in dieses weitere Drama hinein? Ja, wie ich schon am Anfang auch meine
40:44Meinung gesagt habe, da unterscheiden wir uns eben in der Wirtschaft sehr,
40:49sehr stark, wenn es darum geht, in der Analyse Fakten festzustellen und
40:57strategisch rasch Maßnahmen dann zu setzen. Natürlich auch zu diskutieren.
41:03Es gibt in jedem Unternehmen auch entsprechende Eigentümer. Und dann
41:08geht man ans Handeln. Und das ist so verstörend, dass
41:15in der Politik ob der vielfältigen Zusammensetzung, es ist heute in einer
41:19Regierung, wo drei Parteien, die durchaus relevant
41:24unterschiedlich sind, dass es da offensichtlich nur schwer gelingt,
41:33Kompromisse - und in Koalitionen entstehen immer Kompromisse. Auch das
41:37ist mir klar, das ist auch in einem demokratischen Prozess, aber Kompromiss
41:42ist ja nur dann etwas wert, wenn er ein bestimmtes Thema rasch
41:48und im Sinne der Sache löst. Das Ganze mündet ja immer in die Gesetzgebung
41:54hinein. Es müssen ja dann dahinter durch das Parlament dann die Gesetze
41:59adaptiert werden, neue Gesetze geschaffen werden, etc.
42:03Und das ist in so einer Konstellation, wie man sieht, sehr, sehr
42:07mühsam. Aber das gilt ja nicht nur für Österreich. Schauen wir in die
42:11Bundesrepublik Deutschland, dort haben wir in Wahrheit das gleiche Phänomen
42:17und ich glaube auch: Die Umfragen, auch wenn man das immer
42:20beschönigt und sagt: Na ja, Wahlen sind erst in ein paar Jahren und Umfragen sind
42:24Momentaufnahmen, mag ja so sein. Aber die Bevölkerung wartet auf
42:30Entscheidungen, wo man sieht, dass wirklich große Brocken wie Gesundheit,
42:35wie Pensionen, wie Möglichkeiten, dass die
42:39Wirtschaft sich dynamisch positiv weiterentwickeln kann, ja, und nicht
42:46durch Regularien so gefesselt ist, dass es fast unmöglich ist, rasch
42:53neue Betriebe einerseits zu gründen oder große Investitionen zu tätigen. Wir
42:58kennen ja heute die Themen aus der Praxis heraus. Ja, solange das so ist
43:01und man da einen Stillstand spürt, dann ist offensichtlich in der
43:06Bevölkerung immer dann das Gefühl, ja, da müssen wir jetzt jemanden nehmen,
43:11der nicht in der Regierung ist, weil der kann es ja auch noch nicht beweisen,
43:14dass es gegente nachhaltig kann.
43:17Na ja, er hat bewiesen, dass er's nicht kann.
43:19Ja, wir haben also schon einige Male die Erfahrung damit gemacht. Ja. Und
43:24daher müssen sich die Regierungsparteien selbst bei der Nase nehmen und sagen,
43:28so, wie bringen wir wirklich die Strategie nach vorne? Und wenn man da
43:32gerade ein Glas stehen haben, ist ja immer die Frage auch auf der
43:35Regierungsebene in den einzelnen Parteien sehe ich das, was ich jetzt
43:39mache und wenn ich beurteile ein Glas halb voll oder halb leer? Ja, ich gehöre
43:44zu den Menschen, wo ich in der Regel davon immer ausgehe: Ich habe ein
43:48halb volles Glas und jetzt geht's darum, wie können wir das Glas wieder füllen?
43:52Um das geht's. Es geht um eine Vorwärtsstrategie und nicht durch
43:57zögerliches Handeln, durch ideologische Ansätze, die heute nicht mehr
44:02haltbar sind, dass wir Unternehmen zwingen, ins Ausland zu
44:08gehen. Und ich hab heute schon mal gesagt: Das ist genau der falsche Weg. Wir
44:10laufen in noch größere Abhängigkeiten hinein, wenn man die Unternehmen
44:15aufgrund der Rahmenbedingungen dorthin zwingt. Ich verstehe auch die
44:19Unternehmensentscheidungen. Ja, das ist überhaupt keine Frage.
44:22Sind wir ja gleich wiederum im Strafgesetzbuch: Wenn der Vorstand
44:25das nicht macht, im Interesse des Unternehmens zu handeln, ist er ja
44:28gleich einmal vor dem Richter. Das haben wir in den letzten Jahren ja oft gesehen.
44:31Ich komme schon langsam zum Schluss. Sie sind Kapitalmarktexperte,
44:36Bankenexperte. Ich kann mich gut erinnern, wie wir
44:401995 der Europäischen Union beigetreten sind. Da waren vom gemeinsamen Heer,
44:45gemeinsamen Außengrenzschutz, gemeinsamen Kapitalmarkt - viele Themen
44:50am Tisch.
44:51Jetzt, knappe 31 Jahre später, haben
44:54wir viele Dinge noch immer nicht, wie zum Beispiel den Kapitalmarkt. Wäre es zum Beispiel
45:01vielleicht auch ein Gedankenspiel wert, zu sagen: Man begibt eine, weil es gerade
45:06notwendig ist, eine vorsichtig gesagt: Rüstungsanleihe,
45:12um die Industrie zu unterstützen, oder man macht eine Art
45:18Rüstungsfonds, Private Equity, Venture Capital, was auch immer, um von der
45:22Software angefangen über Optik, über Chips, über ich weiß nicht was für
45:27Industrien auch dementsprechend anzustoßen, weil die Unternehmen werden
45:31ja das Geld brauchen, nicht nur durch Förderungen und durch EU-Fonds, sondern
45:35einfach auch durch den Kapitalmarkt weiterzukommen, so wie das auf der
45:39ganzen Welt der Fall ist. Das Thema haben wir auch schon kurz
45:42gestreift. Also, man bräuchte einerseits eine entsprechende Änderung auf der
45:47EU-Ebene. Ich betone noch einmal die Taxonomie. Die Bankenunion hat man ja gemacht,
45:53ja, natürlich auch resultierend aus der Bankenkrise im Jahr 2008.
45:58Es sind Regularien entstanden, die absolut notwendig waren und wir sind
46:03heute als Bankenindustrie gut unterwegs, gut kapitalisiert. Also, da
46:10hat sich sehr viel Positives entwickelt. Ein stabiler Bankenmarkt ist
46:15ja unbedingt notwendig, weil Banken sind der Blutkreislauf der Wirtschaft
46:20und wenn man daher die Regularien jetzt so zurücknimmt, dass die Banken auch
46:26losgelassen werden wieder von einigen Regularien, dann regelt sich das
46:32aus meiner Sicht automatisch, weil eine Bank will Geschäft machen, will
46:37finanzieren, durchaus, klarerweise, in Regularien, aber dort, wo
46:43überreguliert wurde. Das müsste durch diese Omnibus-Projekte jetzt wirklich rasch
46:48mal bereinigt werden und dasselbe gilt ja auch für die Industrie und das gilt
46:52insgesamt für den Kapitalmarkt. Ja, weil wenn ich heute sage, okay, diese
46:57Investitionen bzw. Finanzierungen in Sicherheit und in Verteidigung, das ist
47:02nachhaltig. Dann können sich auch solche Fonds konstituieren und werden
47:08automatisch dann auch finanzieren und werden sich an solchen Unternehmungen
47:11auch mit Eigenkapital beteiligen. Also, ich glaube,
47:15Produktion bedeutet bis zu einem gewissen Grad Freiheit. Ja. Weil ohne
47:22dem funktioniert's nicht und mit Fesseln wird man die Produktion nicht antreiben können.
47:31Ich komme zu den Abschlussfragen. Gibt es bei Ihnen eine Entscheidung in
47:37Ihrem Leben, bei der Sie zwischen Loyalität und Überzeugung entscheiden
47:41mussten?
47:47Na, nicht wirklich. Nicht wirklich. Selbst wenn man jetzt
47:52sagen müsste: Loyalität. Die Wehrdienstkommission ist zum Beispiel eine
47:58Möglichkeit, darüber zu diskutieren. Ich habe schon gesagt, ich kann damit
48:04leben, weil doch ein deutlicher Überhang dessen, was wir
48:10fordern, sich in diesem neuen Modell drinnen findet. Sonst wäre das sehr wohl
48:15genauso ein Fall, wo ich sage: Da müsste man die Loyalität massiv
48:20überdenken und sagen. Oder wenn es jetzt doch noch rauskommt, dass die 250
48:24Millionen pro Jahr Mehrbudget weg. Dann ist das genauso ein Fall.
48:27Ja, absolut. Gut. Was muss jetzt noch passieren,
48:31dass Sie sagen können, jetzt ist Österreich wirklich wehrfähig geworden?
48:35Den Aufbauplan 2032+, der voll ausgearbeitet ist. Einerseits was die
48:43personelle Entwicklung anbelangt, aber auch die materielle Entwicklung, also
48:47dieses Nachrüsten, so wie es jetzt da auch planerisch vorhanden ist, dass da
48:52die Geldmittel zur Verfügung gestellt werden und dass dieses Österreich-
48:57Modell, dieses 6 + 3, tatsächlich zur Umsetzung gelangt. Also frühestens
49:042032+. Wir hinken aber schon hinten nach mit dem Budget.
49:11Aber planerisch werden es 2032 sagen, Als gelernter Österreicher würde ich
49:15sagen, wahrscheinlich werden wir 2032 dort nicht hinkommen, sondern 2034 oder 35
49:20wahrscheinlich angesichts unserer makroökonomischen
49:24Situation in Österreich wäre es eigentlich besser, es bereits 2028 zu
49:27erfüllen. Absolut. Je früher, umso besser. Und man
49:30sieht ja auch: Gutes Beispiel ist Polen. Polen hat über fünf Prozent des BIP; dort wird
49:37in die Sicherheit investiert, in letzter Konsequenz. Wir sind jetzt noch immer
49:41bei 1,1 und haben aber das Ziel, dass im Landesverteidigungsfinanzierungsgesetz
49:48das Zwei-Prozent-Ziel fixiert ist. Also, ich frage mich auch, wenn Sie so wollen:
49:54Wie soll das geschehen, dass wir die zwei Prozent erreichen? Ja, weil das eine
49:58ist es zu erreichen, aber man muss es ja auch operativ dann umsetzen, ne?
50:03Ich bin sehr begeistert von dem Zugang, den Sie geschildert
50:10haben, über was das Heer alles für Sie beziehungsweise auch für Ihre Karriere gemacht hat.
50:15Sie sind ja, wenn man das jetzt einmal philosophisch sagen darf oder
50:20poetisch, im Herbst Ihres beruflichen Lebens angekommen. Haben
50:26Sie auch schon die Weichen gestellt für Ihre Zukunft? Wer
50:30nachfolgt - jüngst, glaube ich, wenn ich das richtig im Kopf habe -
50:35im Mai nächsten Jahres ist Stefan Jauk. Ja.
50:40Michael Höllerer hat mit 1. Juli die RB übernommen. Also, es ist eigentlich
50:45Wie sagt man, wie sagt man im … Hofübergabe?
50:49Die Hofübergabe, der Hof ist gemacht, oder? Der Hof ist gemacht. Ja, die Hofübergabe ist
50:53aus meiner Sicht so vorbereitet, wie sich das gehört. Und mir geht's sehr
51:01gut damit, weil es hat in der Vorwoche doch viele überrascht, dass ich diese
51:06Entscheidung jetzt bekannt gebe und damit kann es im Hintergrund keine
51:09Grabenkämpfe geben, die man nicht braucht, weil wir müssen wirtschaften.
51:13Das ist richtig. Und nachdem ich die Freude oder Gnade habe, mit dem Stefan
51:18Jauk befreundet zu sein, glaube ich, ist es auch eine fantastische
51:21Entscheidung, die Sie hier getroffen haben. Mich freut es für Sie, mich freut es
51:25für den Stefan und es freut mich auch für Raiffeisen. Was wird Ihre persönliche
51:29Zukunft im österreichischen Bundesheer noch ergeben?
51:34Ja, auch hier befinde ich mich im Spätherbst, um es so auszudrücken, als
51:39Milizbeauftragter. Ich bin bei Weitem der älteste Offizier im österreichischen
51:44Bundesheer. Bis voriges Jahr im Herbst war ich noch parallel mit dem General
51:50Brieger, der ja in Brüssel tätig war. Er ist jetzt vor einem Jahr ganz
51:55ausgeschieden. Ich bin Milizoffizier und daher hat die Frau Bundesministerin
52:01mich gebeten, das Thema Wehrdienstkommission einerseits
52:05natürlich fertigzumachen, jetzt noch jene Maßnahmen mitzuhelfen, auf den Weg
52:10zu bringen. Und mir ist es wirklich ein Anliegen, Sie da weiter zu
52:15unterstützen, dass dieses neue Modell zu einem Erfolg werden kann.
52:20Und wenn das auch so sein wird, ich denke, das sollte im nächsten Jahr auch
52:25der Fall sein. Dann wird meine militärische Karriere auslaufen und gehe
52:31ich mit großer Freude. Aber auch meine berufliche - wie angekündigt - die
52:37Raiffeisen Bank International werde ich noch
52:40präsidieren, mindestens ein Jahr weiter dann
52:43präsidieren. Aber ich würde mich dann vermehrt meinen Enkelkindern und
52:48meinen Hobbys viel in der Natur zu sein widmen, und darauf freue ich mich.
52:53Wenn ich noch eine kurze Empfehlung abgeben dürfte: Nach Kenntnis oder nach
53:00operativer und in vielen anderen Punkten zusammenarbeitend seit 31
53:06Jahren - wir sind ja auch gemeinsam im Beirat der Concorde Privatstiftung, auch
53:10da sind Sie ja nicht untätig. Vielleicht fällt [Schnauben] noch
53:15etwas ab, dass Sie in den nächsten Jahren viele junge Leute davon
53:20überzeugen können oder dazu motivieren können, zum Bundesheer zu gehen, dort
53:23Karriere zu machen. Am lebenden Beispiel Erwin Hameseder,
53:27was das Bundesheer alles für einen tun kann und mitausbilden kann. Erwin Hameseder
53:34lebt in zwei Welten, die selten zusammenkommen: Kapital und Verteidigung.
53:38Beide stehen ziemlich unter Druck. Ein Bundesheer, das in den letzten Jahren
53:44kaputtgespart wurde und jetzt aufrüsten muss. Er leistet seinen Beitrag dazu.
53:48Ein Europa, das sich verteidigen will, aber sein eigenes Wachstum nicht
53:52finanziert. Was bleibt, ist manchmal eine unbequeme Erkenntnis. Sicherheit gibt es
53:57nicht zum Nulltarif, weder militärisch noch wirtschaftlich. Das war „Streitwert“.
54:02Danke fürs Zuhören. Danke, Erwin Hameseder.
54:05Vielen Dank für dieses Interview. Danke. Danke.