Full transcript
0:00Willkommen in der Pflege.
0:02Geht das so für Sie?
0:03Das ist perfekt.
0:05Wie stressig ist der Job im Krankenhaus
0:07wirklich? Silvester Nachtdienst haben
0:09alleine auf einer Station ist auch nicht
0:10schön. Das sage ich dir [musik] auch.
0:12Einen Tag helfe ich in der Uniklinik in
0:15Köln.
0:18Guten Morgen.
0:19Morgen. Hi
0:20Steffen. Hi. Morgen. Hallo Sar.
0:21Bin von der 18. Ich darf dich heute
0:23mitnehmen?
0:23Ja, vielen Dank.
0:24Wie geht's dir?
0:25Mir geht's gut.
0:26Okay.
0:26Bisschen aufgeregt tatsächlich.
0:28Brauchst du nicht. Ich bin den ganzen
0:29Tag bei dir bis Dienstende.
0:31Ja.
0:31Und wir müssen direkt losstarten. Du
0:32brauchst Klamotten.
0:34An dem Tag bin ich in der Frühschicht
0:36eingeteilt und zwar in der Onkologie.
0:38Hier liegen Patienten mit Krebs. Um 6:30
0:41Uhr folgt die Übergabe durch die
0:42Nachtschicht. Ein kurzes Update über die
0:45Patienten und deren Gesundheitszustand.
0:47Dann der Herr, der ist ja runter
0:50operiert worden, da haben die aber
0:51keinen Tumornachweis finden können. Nur
0:52eine Fettleber vor mutlicherweise.
0:54Genau.
0:55Auf der Station liegen aktuell 50
0:57Patienten. Versorgt werden die in der
0:59Frühschicht heute von acht Pflegern.
1:01Dabei ist jeder Mitarbeiter bestimmten
1:03Zimmern zugewiesen. So wie
1:04gesundheitsumkrankenpfleger Kevin
1:06Schäfer Rosa.
1:09Einen wunderschönen guten Morgen
1:10zusammen. Pfleger Kevin. Hallo, wir
1:12kennen uns noch nicht. Jemand hatte sich
1:14gemeldet.
1:16Unser erster Patient, Mitte 50 ist er.
1:19Diagnose: Lungenkrebs mit Metastasen an
1:21den Nieren. Mehr Infos bekomme ich aus
1:24Datenschutzgründen nicht. Der Mann klagt
1:26über Schmerzen und Übelkeit, oft eine
1:28Folge von Chemotherapie und Bestrahlung.
1:30So wiee ihm geht es vielen. Die Stimmung
1:32der Patienten mal so, mal so.
1:36Also, ich kann dir jetzt sagen, er nimmt
1:37das gerade relativ gefasst auf, aber wir
1:39können eine Stunde noch mal reingehen
1:41und dann sieht alles anders aus. Ich ähm
1:45also er ist er ist stabil soweit, er ist
1:48wahnsinnig traurig und belastet und das
1:50wäre jeder von uns, aber er ist jetzt
1:53nicht
1:54suizidal, also für dich gesagt, dass er
1:56jetzt sagt, ich nehme das Leben, ich
1:57will nicht mehr. Das sagt er nicht, aber
1:59er ist traurig und das ist sein gutes
2:01Recht.
2:02Bei der nächsten Patientin darf ich die
2:03Vitalzeichen messen. Dazu brauche ich
2:06dieses Diagnostikgerät.
2:07Das misst den Puls, den Blutdruck und
2:09die Sauerstoffsättigung. die gibt an,
2:11wie gut der Körper mit Sauerstoff
2:12versorgt ist. Klar gesehen habe ich so
2:15etwas schon mal genutzt, aber noch nie.
2:17Kevin zeigt, wie es geht. Das hier ist
2:19ein Pfeil, der auf die Arterie zeigen
2:21sollte. Die ist hier. Genau. Das kann
2:24hier oben liegen.
2:25Also
2:26genau.
2:27Warte mal. Oh, sorry.
2:28So, gar kein Problem.
2:29So, also
2:30nee, hier oben am Oberarm schon. Genau.
2:32Mit dem T-Shirt ist das egal.
2:33Ist egal. Das ist egal, wenn da so ein
2:35bisschen drüber geht. So
2:39genau. Wie vi muss ich das denn machen?
2:41So reicht. Hauptsache das ist ja ein
2:42Klettverband.
2:43Hauptsache fest erstmal. Hauptsache
2:45fest.
2:46An den Zeigefinger kommt das
2:48Pulsoximeter für den Puls und die
2:50Sauerstoffsättigung. Dann Start drücken.
2:52Den Rest macht das Gerät. Zum Schluss
2:54Temperatur messen.
2:57Wie weit darf ich?
2:57So ist okay. Und dann einfach in die
2:59Mitte drauf. Genau.
3:00Muss ich halten.
3:01Ja. Und der zeigt er dir an. 371.
3:05Vor und nach dem Patientenkontakt geldt
3:07jedes Mal Hände desinfizieren.
3:09Schon falsch gemacht, ne?
3:11Warum ich mit der Hand berührt? Du musst
3:13do mit dem Ellenbogen so shit.
3:16Also noch mal, dann aber darf ich zu
3:18Ingrid Meerhofer, meiner ersten
3:20Patientin.
3:21Guten Morgen. Hallo.
3:24Die 54-jährige weiß, dass ich hier bin
3:26und hat den Filmaufnahmen zugestimmt.
3:28Wenn das okay ist für sie, dann probiere
3:29ich mich mal.
3:30Nee, mal probieren.
3:32Ich beobachte das von hier aus. Ich
3:34hoffe Ihnen geht's gut.
3:35Ja, mir geht's prima
3:36soweit.
3:37Man ist immer so ein bisschen versucht
3:38während des Blutdrucksmessens zu
3:40quatschen.
3:41Das machen wir aber nicht,
3:43denn reden während des Messens kann die
3:45Werte verfälschen.
3:47Geht das so für Sie?
3:48Das ist perfekt.
3:50Fast einen Monat ist Frau Meierhofer
3:52schon in der Klinik. Ärzte haben ihr
3:54einen Tumor zwischen Speiseröhre und
3:56Magen entfernt. Schmerzen hat die
3:57gebürtige Niederländerin nicht, wie sie
3:59sagt. Nach ein paar Minuten bin ich
4:01fertig. zu spannend zu beobachten, wie
4:03alles noch so ein bisschen zarkommen
4:07und sag zack zack zack.
4:08Die Werte der Vitalzeichen schreiben wir
4:10in die Patientenakte. Dabei fällt mir
4:12auf, ich habe die Temperatur gar nicht
4:14gemessen. Das hole ich schnell nach und
4:16fange Frau Meierhofer vor ihrem
4:18Spaziergang ab.
4:19Geht das so?
4:19Ja.
4:2236.
4:24Den Aufsatz schmeiße ich wie
4:26selbstverständlich in den Müll. Ja, nur
4:28an der Umsetzung. Papars
4:30Todsünde bei mir.
4:32Warum?
4:32Du hast den Deckel angefasst. Waschst
4:34was ich den Deckel? Ich hab kein Deckel
4:35angefasst.
4:36Doch, du hast den Mülddeckel angefas.
4:37Ich muss das aufmachen.
4:38Nee, da unten sind einmal diese Fuß.
4:41Das ist der Punkt, wo die Leute durch
4:42die Prüfung knallen, weil sie immer die
4:44Deckel anfassen bei uns. Also egal, wie
4:47gut die ausgebildet sind, du nimmst
4:48immer bitte das hier, weil hier sind
4:51Sachen dran.
4:53Da können wir glaube ich noch mal Corona
4:54auslösen. Ich weiß es nicht, aber nicht
4:56anfassen. Du desinfizierst dir jetzt die
4:58Hände. Wir nimm auch mal das harte Zeug.
5:00Sarah und Kevin nehmen sich Zeit, mir
5:02verschiedene Vorgänge zu erklären. In
5:04den Zimmern kann ich mitarbeiten. Das
5:06liegt unter anderem daran, dass es heute
5:07sehr ruhig ist. Ungewöhnlich und selten,
5:10wie die beiden Krankenpfleger mir
5:11während einer Kaffeepause erzählen.
5:14Das ist halt das, was unseren Job halt
5:16so ein bisschen ähm ja so anstrengend
5:18macht. Du musst in erster Linie
5:20eigentlich dich in zehn Leute teilen
5:22können. Normalerweise hast du hier
5:24ständiges geklingelt, sei Telefon, sei
5:26es die Patientenklinge. Und wenn du dann
5:28halt alleine in deinem Bereich bist, wo
5:31du halt ähm 6 10 Patienten betreust,
5:35kann es natürlich sein, dass auch schon
5:36mal drei Patienten nebenher parallel
5:38klingeln und da musst du halt gucken,
5:40wie du dich organisierst und aufteilst.
5:42[schnauben]
5:42Neues Personal ist schwierig zu finden.
5:44Viele schmeißen den Job auch hin, wenn
5:46es ihnen zu viel wird. Ein Problem, das
5:48auch die Uniklinik Köln kennt und dann
5:51ist da noch das Thema Geld. Zu wenig für
5:53zu viel Arbeit. Gerade für
5:55Berufseinsteiger und Alleinerziehende
5:57kann das stimmen. Findet Sarah.
6:00Man muss sich halt als junger Mensch
6:01überlegen, mache ich das hier 100% früh,
6:03spät Nacht? Also, ich kann dir aus
6:06Erfahrung sagen, ich habe das jahrelang
6:07gemacht und ähm ich war ganz lange, ganz
6:10viele Jahre nicht zu Hause am
6:12Weihnachten oder an Ostern oder an dem
6:14Geburtstag meiner Mutter, weil es
6:15einfach nicht möglich war, weil einer
6:17muss ja da sein. Silvester Nachtdienst
6:19haben alleine auf einer Station ist auch
6:21nicht schön. Das sage ich dir auch. Und
6:23dann siehst du das Geld am Ende des
6:25Tages irgendwie und ich bin alleine und
6:27dann stell dir vor, du hast de alleine
6:29Mutter oder ein Vater oder
6:31Also ich finde es könnte schon mehr
6:33sein. Definitiv.
6:35Das Einstiegsgehalt als Gesundheits und
6:37Krankenpfleger liegt bei etwa 3100 €
6:39brutto, sagt die Uniklinik.
6:41Durchschnittsgehalt etwa 45000 €. Kevin
6:44aber reiz vor allem die Mischung aus
6:46medizinischem Fachwissen und dem Umgang
6:48mit den Menschen, denn jeder hat seine
6:50eigene Krebsgeschichte.
6:51Nimmst du das mit nach Hause?
6:53Ähm, nee, also tatsächlich nicht. Es
6:55gibt Einzelfälle, das sind ist aber
6:57bisher sehr sehr selten nur vorgekommen.
6:59Ich bei mir persönlich, das ist ja jeder
7:00individuell, ich kriege das ganz gut
7:02getrennt, dass ich, wenn ich hier
7:03rausgehe, dann wirklich die Arbeit auch
7:05hier lasse und zu Hause habe ich dann
7:08Ausgleich mit Sport, Basketball, ähm
7:10etc. Freunde treffen, ne? Da hat jeder
7:13seine Methoden, um damit umzugehen.
7:16Am Ende meines Arbeitstages besuche ich
7:18noch Brigitte Spitzer. Die 80-jährige
7:20hat Krebs im geilen Gang. Auch sie ist
7:22mit den Filmaufnahmen einverstanden.
7:25Wie sind die Schmerzen bei Ihnen, Frau
7:26Spitzer?
7:27Heute ganz gut.
7:29Ganz heiß minimal.
7:31Minimal. Übelkeit, Verdauung, Stuhlgang.
7:38Haben Sie Übelkeit?
7:41Nee. Spindel?
7:44Schön zu sehen, dass es auch Tage wie
7:45diese gibt, ohne Hektik und Stress. Da
7:48bleibt Zeit, den Patienten einfach mal
7:50zuzuhören. Geht das für
7:52und hab 15 Tage nur gelegen,
7:56nicht einmal aufgestanden.
7:58Der ist man richtig
8:01platt.
8:02Ja, glaube ich, ne? Also so vom vom
8:03nichts tun, vom liegen.
8:05Ich glaube, da ist auch die Muskulatur
8:06geht so schnell zurück und mit zunehmen
8:09Alter noch mehr. Aber jetzt kann sie
8:11zwischendurch schon ein bisschen laufen
8:13hier oder
8:14einmal den Gang längs und zurück.
8:17Und auch wenn jeder schon mal Kontakt
8:18mit Krankenpflegern hatte, haben viele
8:20doch ein falsches Bild, findet Kevin.
8:24Und es wird halt sehr stark darauf
8:25reduziert, ja, man ist nur dafür da,
8:27Patienten aus dem Bett zu holen, zu
8:29waschen, sauber zu machen, wie auch
8:31immer. Aber dass wir halt sehr viel
8:34gerade dabei sind, therapeutisch zu
8:35machen, zu beraten, zu schulen, auch ein
8:37psychosozialen Aspekt äh anbieten,
8:41leisten müssen, das äh kommt leider
8:43nicht so durch in der Öffentlichkeit.
8:45Was bei mir ankommt, zwei Pfleger, die
8:48ihren Job mit Herz machen, für andere da
8:50sind und zuhören. Sarah und Kevin nehmen
8:52sich Zeit für die Patienten, für mich.
8:55Doch dafür ist meist keine Zeit. [musik]
8:57In der Pflege muss sich etwas ändern,
8:59sagt Kevin. Mehr Anerkennung, mehr
9:01Mitspracherecht, damit das
9:03Pflegepersonal wieder mehr lachen
9:04[musik] kann und Zeit für Gespräche
9:07keine Ausnahme mehr ist. Š.