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Schmidt macht mit: Einen Tag als Krankenpfleger | RTL WEST

RTL WEST - das Nachrichtenmagazin für ganz NRW · 1,529 words · 7 min read

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0:00Willkommen in der Pflege.

0:02Geht das so für Sie?

0:03Das ist perfekt.

0:05Wie stressig ist der Job im Krankenhaus

0:07wirklich? Silvester Nachtdienst haben

0:09alleine auf einer Station ist auch nicht

0:10schön. Das sage ich dir [musik] auch.

0:12Einen Tag helfe ich in der Uniklinik in

0:15Köln.

0:18Guten Morgen.

0:19Morgen. Hi

0:20Steffen. Hi. Morgen. Hallo Sar.

0:21Bin von der 18. Ich darf dich heute

0:23mitnehmen?

0:23Ja, vielen Dank.

0:24Wie geht's dir?

0:25Mir geht's gut.

0:26Okay.

0:26Bisschen aufgeregt tatsächlich.

0:28Brauchst du nicht. Ich bin den ganzen

0:29Tag bei dir bis Dienstende.

0:31Ja.

0:31Und wir müssen direkt losstarten. Du

0:32brauchst Klamotten.

0:34An dem Tag bin ich in der Frühschicht

0:36eingeteilt und zwar in der Onkologie.

0:38Hier liegen Patienten mit Krebs. Um 6:30

0:41Uhr folgt die Übergabe durch die

0:42Nachtschicht. Ein kurzes Update über die

0:45Patienten und deren Gesundheitszustand.

0:47Dann der Herr, der ist ja runter

0:50operiert worden, da haben die aber

0:51keinen Tumornachweis finden können. Nur

0:52eine Fettleber vor mutlicherweise.

0:54Genau.

0:55Auf der Station liegen aktuell 50

0:57Patienten. Versorgt werden die in der

0:59Frühschicht heute von acht Pflegern.

1:01Dabei ist jeder Mitarbeiter bestimmten

1:03Zimmern zugewiesen. So wie

1:04gesundheitsumkrankenpfleger Kevin

1:06Schäfer Rosa.

1:09Einen wunderschönen guten Morgen

1:10zusammen. Pfleger Kevin. Hallo, wir

1:12kennen uns noch nicht. Jemand hatte sich

1:14gemeldet.

1:16Unser erster Patient, Mitte 50 ist er.

1:19Diagnose: Lungenkrebs mit Metastasen an

1:21den Nieren. Mehr Infos bekomme ich aus

1:24Datenschutzgründen nicht. Der Mann klagt

1:26über Schmerzen und Übelkeit, oft eine

1:28Folge von Chemotherapie und Bestrahlung.

1:30So wiee ihm geht es vielen. Die Stimmung

1:32der Patienten mal so, mal so.

1:36Also, ich kann dir jetzt sagen, er nimmt

1:37das gerade relativ gefasst auf, aber wir

1:39können eine Stunde noch mal reingehen

1:41und dann sieht alles anders aus. Ich ähm

1:45also er ist er ist stabil soweit, er ist

1:48wahnsinnig traurig und belastet und das

1:50wäre jeder von uns, aber er ist jetzt

1:53nicht

1:54suizidal, also für dich gesagt, dass er

1:56jetzt sagt, ich nehme das Leben, ich

1:57will nicht mehr. Das sagt er nicht, aber

1:59er ist traurig und das ist sein gutes

2:01Recht.

2:02Bei der nächsten Patientin darf ich die

2:03Vitalzeichen messen. Dazu brauche ich

2:06dieses Diagnostikgerät.

2:07Das misst den Puls, den Blutdruck und

2:09die Sauerstoffsättigung. die gibt an,

2:11wie gut der Körper mit Sauerstoff

2:12versorgt ist. Klar gesehen habe ich so

2:15etwas schon mal genutzt, aber noch nie.

2:17Kevin zeigt, wie es geht. Das hier ist

2:19ein Pfeil, der auf die Arterie zeigen

2:21sollte. Die ist hier. Genau. Das kann

2:24hier oben liegen.

2:25Also

2:26genau.

2:27Warte mal. Oh, sorry.

2:28So, gar kein Problem.

2:29So, also

2:30nee, hier oben am Oberarm schon. Genau.

2:32Mit dem T-Shirt ist das egal.

2:33Ist egal. Das ist egal, wenn da so ein

2:35bisschen drüber geht. So

2:39genau. Wie vi muss ich das denn machen?

2:41So reicht. Hauptsache das ist ja ein

2:42Klettverband.

2:43Hauptsache fest erstmal. Hauptsache

2:45fest.

2:46An den Zeigefinger kommt das

2:48Pulsoximeter für den Puls und die

2:50Sauerstoffsättigung. Dann Start drücken.

2:52Den Rest macht das Gerät. Zum Schluss

2:54Temperatur messen.

2:57Wie weit darf ich?

2:57So ist okay. Und dann einfach in die

2:59Mitte drauf. Genau.

3:00Muss ich halten.

3:01Ja. Und der zeigt er dir an. 371.

3:05Vor und nach dem Patientenkontakt geldt

3:07jedes Mal Hände desinfizieren.

3:09Schon falsch gemacht, ne?

3:11Warum ich mit der Hand berührt? Du musst

3:13do mit dem Ellenbogen so shit.

3:16Also noch mal, dann aber darf ich zu

3:18Ingrid Meerhofer, meiner ersten

3:20Patientin.

3:21Guten Morgen. Hallo.

3:24Die 54-jährige weiß, dass ich hier bin

3:26und hat den Filmaufnahmen zugestimmt.

3:28Wenn das okay ist für sie, dann probiere

3:29ich mich mal.

3:30Nee, mal probieren.

3:32Ich beobachte das von hier aus. Ich

3:34hoffe Ihnen geht's gut.

3:35Ja, mir geht's prima

3:36soweit.

3:37Man ist immer so ein bisschen versucht

3:38während des Blutdrucksmessens zu

3:40quatschen.

3:41Das machen wir aber nicht,

3:43denn reden während des Messens kann die

3:45Werte verfälschen.

3:47Geht das so für Sie?

3:48Das ist perfekt.

3:50Fast einen Monat ist Frau Meierhofer

3:52schon in der Klinik. Ärzte haben ihr

3:54einen Tumor zwischen Speiseröhre und

3:56Magen entfernt. Schmerzen hat die

3:57gebürtige Niederländerin nicht, wie sie

3:59sagt. Nach ein paar Minuten bin ich

4:01fertig. zu spannend zu beobachten, wie

4:03alles noch so ein bisschen zarkommen

4:07und sag zack zack zack.

4:08Die Werte der Vitalzeichen schreiben wir

4:10in die Patientenakte. Dabei fällt mir

4:12auf, ich habe die Temperatur gar nicht

4:14gemessen. Das hole ich schnell nach und

4:16fange Frau Meierhofer vor ihrem

4:18Spaziergang ab.

4:19Geht das so?

4:19Ja.

4:2236.

4:24Den Aufsatz schmeiße ich wie

4:26selbstverständlich in den Müll. Ja, nur

4:28an der Umsetzung. Papars

4:30Todsünde bei mir.

4:32Warum?

4:32Du hast den Deckel angefasst. Waschst

4:34was ich den Deckel? Ich hab kein Deckel

4:35angefasst.

4:36Doch, du hast den Mülddeckel angefas.

4:37Ich muss das aufmachen.

4:38Nee, da unten sind einmal diese Fuß.

4:41Das ist der Punkt, wo die Leute durch

4:42die Prüfung knallen, weil sie immer die

4:44Deckel anfassen bei uns. Also egal, wie

4:47gut die ausgebildet sind, du nimmst

4:48immer bitte das hier, weil hier sind

4:51Sachen dran.

4:53Da können wir glaube ich noch mal Corona

4:54auslösen. Ich weiß es nicht, aber nicht

4:56anfassen. Du desinfizierst dir jetzt die

4:58Hände. Wir nimm auch mal das harte Zeug.

5:00Sarah und Kevin nehmen sich Zeit, mir

5:02verschiedene Vorgänge zu erklären. In

5:04den Zimmern kann ich mitarbeiten. Das

5:06liegt unter anderem daran, dass es heute

5:07sehr ruhig ist. Ungewöhnlich und selten,

5:10wie die beiden Krankenpfleger mir

5:11während einer Kaffeepause erzählen.

5:14Das ist halt das, was unseren Job halt

5:16so ein bisschen ähm ja so anstrengend

5:18macht. Du musst in erster Linie

5:20eigentlich dich in zehn Leute teilen

5:22können. Normalerweise hast du hier

5:24ständiges geklingelt, sei Telefon, sei

5:26es die Patientenklinge. Und wenn du dann

5:28halt alleine in deinem Bereich bist, wo

5:31du halt ähm 6 10 Patienten betreust,

5:35kann es natürlich sein, dass auch schon

5:36mal drei Patienten nebenher parallel

5:38klingeln und da musst du halt gucken,

5:40wie du dich organisierst und aufteilst.

5:42[schnauben]

5:42Neues Personal ist schwierig zu finden.

5:44Viele schmeißen den Job auch hin, wenn

5:46es ihnen zu viel wird. Ein Problem, das

5:48auch die Uniklinik Köln kennt und dann

5:51ist da noch das Thema Geld. Zu wenig für

5:53zu viel Arbeit. Gerade für

5:55Berufseinsteiger und Alleinerziehende

5:57kann das stimmen. Findet Sarah.

6:00Man muss sich halt als junger Mensch

6:01überlegen, mache ich das hier 100% früh,

6:03spät Nacht? Also, ich kann dir aus

6:06Erfahrung sagen, ich habe das jahrelang

6:07gemacht und ähm ich war ganz lange, ganz

6:10viele Jahre nicht zu Hause am

6:12Weihnachten oder an Ostern oder an dem

6:14Geburtstag meiner Mutter, weil es

6:15einfach nicht möglich war, weil einer

6:17muss ja da sein. Silvester Nachtdienst

6:19haben alleine auf einer Station ist auch

6:21nicht schön. Das sage ich dir auch. Und

6:23dann siehst du das Geld am Ende des

6:25Tages irgendwie und ich bin alleine und

6:27dann stell dir vor, du hast de alleine

6:29Mutter oder ein Vater oder

6:31Also ich finde es könnte schon mehr

6:33sein. Definitiv.

6:35Das Einstiegsgehalt als Gesundheits und

6:37Krankenpfleger liegt bei etwa 3100 €

6:39brutto, sagt die Uniklinik.

6:41Durchschnittsgehalt etwa 45000 €. Kevin

6:44aber reiz vor allem die Mischung aus

6:46medizinischem Fachwissen und dem Umgang

6:48mit den Menschen, denn jeder hat seine

6:50eigene Krebsgeschichte.

6:51Nimmst du das mit nach Hause?

6:53Ähm, nee, also tatsächlich nicht. Es

6:55gibt Einzelfälle, das sind ist aber

6:57bisher sehr sehr selten nur vorgekommen.

6:59Ich bei mir persönlich, das ist ja jeder

7:00individuell, ich kriege das ganz gut

7:02getrennt, dass ich, wenn ich hier

7:03rausgehe, dann wirklich die Arbeit auch

7:05hier lasse und zu Hause habe ich dann

7:08Ausgleich mit Sport, Basketball, ähm

7:10etc. Freunde treffen, ne? Da hat jeder

7:13seine Methoden, um damit umzugehen.

7:16Am Ende meines Arbeitstages besuche ich

7:18noch Brigitte Spitzer. Die 80-jährige

7:20hat Krebs im geilen Gang. Auch sie ist

7:22mit den Filmaufnahmen einverstanden.

7:25Wie sind die Schmerzen bei Ihnen, Frau

7:26Spitzer?

7:27Heute ganz gut.

7:29Ganz heiß minimal.

7:31Minimal. Übelkeit, Verdauung, Stuhlgang.

7:38Haben Sie Übelkeit?

7:41Nee. Spindel?

7:44Schön zu sehen, dass es auch Tage wie

7:45diese gibt, ohne Hektik und Stress. Da

7:48bleibt Zeit, den Patienten einfach mal

7:50zuzuhören. Geht das für

7:52und hab 15 Tage nur gelegen,

7:56nicht einmal aufgestanden.

7:58Der ist man richtig

8:01platt.

8:02Ja, glaube ich, ne? Also so vom vom

8:03nichts tun, vom liegen.

8:05Ich glaube, da ist auch die Muskulatur

8:06geht so schnell zurück und mit zunehmen

8:09Alter noch mehr. Aber jetzt kann sie

8:11zwischendurch schon ein bisschen laufen

8:13hier oder

8:14einmal den Gang längs und zurück.

8:17Und auch wenn jeder schon mal Kontakt

8:18mit Krankenpflegern hatte, haben viele

8:20doch ein falsches Bild, findet Kevin.

8:24Und es wird halt sehr stark darauf

8:25reduziert, ja, man ist nur dafür da,

8:27Patienten aus dem Bett zu holen, zu

8:29waschen, sauber zu machen, wie auch

8:31immer. Aber dass wir halt sehr viel

8:34gerade dabei sind, therapeutisch zu

8:35machen, zu beraten, zu schulen, auch ein

8:37psychosozialen Aspekt äh anbieten,

8:41leisten müssen, das äh kommt leider

8:43nicht so durch in der Öffentlichkeit.

8:45Was bei mir ankommt, zwei Pfleger, die

8:48ihren Job mit Herz machen, für andere da

8:50sind und zuhören. Sarah und Kevin nehmen

8:52sich Zeit für die Patienten, für mich.

8:55Doch dafür ist meist keine Zeit. [musik]

8:57In der Pflege muss sich etwas ändern,

8:59sagt Kevin. Mehr Anerkennung, mehr

9:01Mitspracherecht, damit das

9:03Pflegepersonal wieder mehr lachen

9:04[musik] kann und Zeit für Gespräche

9:07keine Ausnahme mehr ist. Š.

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